FüR MEHR RECHTE VON SEXARBEITERINNEN© LEFÖ (11.08.09)
Gegen Abwertung und Diskriminierung
Die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen ist groß. Der Umgang mit den AkteurInnen jedoch scheinheilig. - Der Verein LEFÖ nahm Ende Juli 2009 Stellung zu einer Artikelserie in der Tiroler Woche.
Pressemitteilung vom 28. Juli 2009
n Österreich, wie auch in anderen europäischen Ländern, ist die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen groß. Der Umgang jedoch mit den AkteurInnen ist scheinheilig. Vor allem in der Öffentlichkeit werden all zu oft klischeehaft sensationalistische, sexistische und rassistische Bilder vermittelt.
Die öffentliche Aufmerksamkeit könnte und sollte jedoch für einen differenzierten Menschenrechtsdiskurs gewonnen werden. “Sexarbeit wird auch in Österreich mit einer gesellschaftlichen Doppelmoral bewertet: einerseits ist die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen groß; andererseits werden die AkteurInnen, die SexarbeiterInnen, marginalisiert und diskriminiert”, so Renate Blum vom Verein LEFÖ (Wien). “Nach wie vor gelten für SexarbeiterInnen nicht die gleichen Rechte wie für andere BürgerInnen.”
Dazu ein Blick auf die rechtliche Situation: Prostitution / Sexarbeit ist in Österreich gesetzlich nicht verboten. Prostitution wird durch Bundesgesetze und verschiedene Landesgesetze geregelt. Im Bundesland Tirol ist das Tiroler Landes-Polizeistrafgesetz zuständig für die Regelungen von Sperrgebieten, Registrierungspflichten, Regelung von Werbung, etc.
In grundlegenden Bereichen stellt sich die Situation für SexarbeiterInnen in Tirol ähnlich wie in anderen Bundesländern dar: SexarbeiterInnen haben viele Pflichten und kaum Rechte. Die derzeitige rechtliche Lage begreift Sexarbeit als “sittenwidrig”, was zur Folge hat, dass zum Beispiel Forderungen für erbrachte Leistungen nicht eingeklagt werden können. Sexarbeit birgt ein Ausbeutungsrisiko, das verringert werden könnte. Die vorgeschriebenen Maßnahmen für - migrantische und österreichische - Sexarbeiterinnen dienen nicht der Stärkung und dem Schutz der SexarbeiterInnen, sondern vor allem der verwaltungsrechtlichen Kontrolle. Obwohl die Einkünfte von SexarbeiterInnen besteuert werden und andere Pflichten bestehen, ist der rechtliche Status von Sexarbeit unklar.
“Wir stellen uns gegen jede Form des Rassismus und der Diskriminierung und fordern einen respektvollen Umgang mit den AkteurInnen” so Renate Blum abschließend. Nur durch konsequente Maßnahmen, wie unter anderem die Legalisierung der Sexarbeit als Erwerbstätigkeit und dem Aufzeigen von ausbeuterischen Strukturen, kann die Situation für SexarbeiterInnen nachhaltig verbessert werden.
LEFÖ Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen: www.lefoe.at
LEFÖ ist eine Organisation von und für Migrantinnen und wurde 1985 von exilierten Frauen aus Lateinamerika gegründet. Im Laufe der letzten 24 Jahre hat LEFÖ versucht, auf die veränderten Bedürfnisse von Migrantinnen zu reagieren, die Folge neuer und komplexer Migrationsströme sind. Bei der Arbeit mit Migrantinnen in der Sexarbeit und mit Betroffenen von Frauenhandel konnte dabei Pionierinnenarbeit geleistet werden. Die hohe Präsenz von weiblichen Migrantinnen in Westeuropa und die oft ausbeuterische Arbeits- und Lebenssituation, in der sie sich befinden, ist bis heute ein unterbelichteter Aspekt der Verletzung von Menschen- und Frauenrechten und bildet die Grundlage für die Arbeit von LEFÖ. Das Konzept von LEFÖ ist eines der aktiven Partizipation und nicht eines der “passiven Hilfesuchenden”. Es geht darum, sich für die Rechte der betroffenen Frauen einzusetzen und sie darin zu unterstützen, ihre Rechte selbst einzufordern.
LEFÖ arbeitet seit 1993 für die Rechte von Migrantinnen in der Sexarbeit und ist Teil des europäischen Netzwerks TAMPEP. LEFÖ führte in den Jahren 2007 und 2008 - gemeinsam mit anderen Organisationen in Österreich - bundesweite Kampagnen für mehr Rechte von SexarbeiterInnen durch: SexarbeiterInnen haben Lust... auf ihre Rechte!
TAMPEP: Ein europäisches Netzwerk zu Sexarbeit: www.tampep.com
TAMPEP wurde 1993 als Antwort auf die Bedürfnisse von migrierten Sexarbeiterinnen in Europa gegründet. Es fördert die Selbstorganisation und Mitbestimmung der Sexarbeiterinnen, basierend auf den Grundsätzen der Gleichheit und der Menschenrechte. Das Projekt setzt sich dafür ein, migrierten Sexarbeiterinnen einen gleichberechtigten Zugang zu Unterstützungsangeboten zu ermöglichen und ihnen Gehör zu verschaffen. TAMPEP ist ein Interventionsprojekt mit einem internationalen Netzwerk in 25 europäischen Ländern. Dieser Zusammenschluss ermöglicht es, die Veränderungen in der Migrationsbewegung zu beobachten. Dabei liegt der Fokus auf der Einschätzung der Situation und der Bedürfnisse von weiblichen und transgender Sexarbeiterinnen aus Mittel- und Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika und der Entwicklung adäquater Antworten. Das Projekt erreicht Personen aus mehr als 50 verschiedenen Nationen.
Foto: © LEFÖ
Kommentare unserer Leserinnen...* Du kannst ...:   Für mehr Rechte von SexarbeiterInnen

LEFÖ
15.08.09 21:57
Gegen Abwertung und Diskriminierung
Die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen ist groß. Der Umgang mit den AkteurInnen jedoch scheinheilig. - Der Verein LEFÖ nahm Ende Juli 2009 Stellung zu einer Artikelserie in der Tiroler Woche. dieser Kommentar wurde automatisch erstellt, damit Forenbesucherinnen zum Artikel finden und den Zusammenhang verstehen
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 Re: Für mehr Rechte von SexarbeiterInnen

saltnpepa
15.08.09 22:08
Zehn Argumente gegen die Legalisierung der Prostitution
1. Legalisierung/Entkriminalisierung der Prostitution ist ein Geschenk
an die Zuhälter, Frauenhändler und die gesamte Prostitutions-Industrie
2. Legalisierung/Entkriminalisierung der Prostitution und ihrer Industrien
fördern Frauen- und Mädchenhändler
3. Legalisierung/Entkriminalisierung der Prostitution bringt die Prostitutions-Industrie
nicht unter Kontrolle, sondern verhilft ihr zu noch grösserer Verbreitung.
4. Legalisierung/Entkriminalisierung der Prostitution führt zum Ansteigen
der heimlichen, illegalen und Strassen-Prostitution
5. Legalisierung der Prostitution/Entkriminalisierung der Bordell-Industrie
verbreitet die Kinder-Prostitution noch mehr
6. Legalisierung/ Entkriminalisierung der Prostitution
schützt nicht die Frauen in der Prostitution
7. Legalisierung/Entkriminalisierung der Prostitution erhöht die Nachfrage danach:
sie ermutigt Männer, Frauen für sexuelle Dienste zu kaufen, und das in noch erweiterter und schrankenloserer Art und Weise, an noch mehr sozial akzeptierten Orten.
8. Legalisierung/Entkriminalisierung der Prostitution fördert nicht die Gesundheit der Frauen
9. Legalisierung/Entkriminalisierung der Prostitution erweitert nicht die «Wahl«der Frauen
10. Frauen in Systemen der Prostitution wollen nicht,
dass die Prostitutions-Industrie legalisiert oder entkriminalisiert wird
Der alternative gesetzliche Weg: Kriminalisierung der Nachfrager/Käufer[/b]
Zehn Argumente gegen die Legalisierung der Prostitution
Author(s): Janice G. Raymond
action.web.ca/home/catw/readingroom.shtml?x=85689&AA_EX_Session=ca983fb9f1a5dd5bea9d7ee750f1bcff
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 Re: Für mehr Rechte von SexarbeiterInnen

RoterRubin
16.08.09 01:31
Ich hätte nichts dagegen, das Kaufen von "sexuellen Dienstleistungen" unter Strafe zu stellen, befürchte aber, dass dadurch weder die sexuelle Ausbeutung noch der Frauenhass weniger werden würden.
Irgendwie habe ich nämlich den Eindruck, dass Gesetze an der alltäglichen Gewalt gegen Frauen nichts Wesentliches verändern. Meines Wissens ist zum Beispiel die Zahl der Vergewaltigungen oder der häuslichen (Männer)Gewalt gegen Frauen und Kinder seit der Kriminalisierung dieser Delikte nicht zurückgegangen.
Das Patriarchat in Kooperation mit dem Kapitalismus produziert Frauen, die keine andere Möglichkeit zum Überleben haben, als sich zu prostituieren (und das betrifft ja längst nicht nur die "Sexarbeit" an sich, sondern auch viele andere Branchen und Bereiche). Das Patriarchat macht Frauen von Männern abhängig und - vor allem - es spaltet Frauen. In gute und böse. Und einen Vorteil sehe ich im Fordern nach Rechten für Sexarbeiterinnen schon, nämlich diese Spaltung in "Heilige und Huren" zu überwinden.
lg
RoterRubin
P.S.: Für mich ist das Thema Prostitution ein sehr schwieriges.
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 Re: Für mehr Rechte von SexarbeiterInnen

saltnpepa
16.08.09 15:25
natuerlich um grundsaetzlich veraenderungen und bessere lebensqualitaet fuer frauen und maedchen im patriarchat zu erwirken muss schon viel frueher angesetzt werden aber die porno/sexindustrie spielt eine entscheidene rolle im patriarchat und die loesung kann sicherlich nicht sein prostitution zu normalisieren(beruf wie jeder andere ), weil die nachfrage, wie oben richtig beschrieben wird, immer groesser wird... und immer mehr frauen und maedchen in die prostitution getrieben werden um zu ueberleben sowie der frauenmaedchenhandel bluet
das gewalt gegen frauen und maedchen zunimmt ist fuer mich eine tatsache, wo meiner ansicht nach gerade die legalisierung von pornograhie und prostitution ihren beitrag dazu gebracht hat
es gibt ein sehr gutes buch von Sheila Jeffreys The Industrial Vagina (The Political Economy Of The Global Sex Trade) leider im augenblick nur in englisch
das buch gibt eine analyse in die globale industrialisierung der modernen sexindustrie von heute sowie die zusammenhaenge zwischen prostitution,ehe,pornograhie,strip clubs sowie sex tourismus und wie alles zusammen frauen ausbeutet die eh schon am schlimmsten exploited sind...
lg
Liane
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