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MAGAZIN

MARGRIT SCHILLER: »ES WAR EIN HARTER KAMPF UM MEINE ERINNERUNG«

© Rakuna & Anomatey (23.07.10)


Geschichte

Ein Lebensbericht aus der RAF


Margrit Schiller wurde 1948 in Bonn geboren, studierte Psychologie und wurde zu Beginn der 1970er Jahre aktives Mitglied der Rote Armee Fraktion. In ihrem Lebensbericht lässt sie uns an ihrer Suche und an ihren Erfahrungen teilhaben, Wege zu finden, Gerechtigkeit und Befreiung von Herrschaft für alle Menschen zu leben.



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argrit Schiller wurde 1948 in Bonn geboren, studierte Psychologie und wurde zu Beginn der 1970er Jahre aktives Mitglied der Rote Armee Fraktion. Am 22. Oktober 1971 wurde sie festgenommen. Nach ihrer Entlassung aus der Haft 1973 ging sie wieder in den Untergrund, 1974 wurde sie erneut verhaftet und verbüßte bis 1979 eine Freiheitsstrafe. Sie war im Gefängnis mehrfach in Isolationshaft und beteiligte sich an mehreren Hungerstreiks. Als sie 1979 aus dem Gefängnis entlassen wurde half sie mit, Solidarität für die politischen Gefangenen zu organisieren. Zusammen mit anderen Frauen gründete sie auch eine antiimperialistische Frauengruppe. 1985 ging sie wegen einer drohenden dritten Verhaftung - im Fernsehen war Sicherheitsverwahrung angekündigt worden - nach Kuba ins Exil. 1988 gebar sie Zwillinge. Von 1993 bis 1999 lebte sie in Uruguay. 2003 kehrte sie nach Deutschland zurück und lebt nun in Berlin.

In ihrem Lebensbericht lässt uns Margrit Schiller an ihrer Suche und an ihren Erfahrungen teilhaben, Wege zu finden ihre eigene Lebenssehnsucht nach Gerechtigkeit und Befreiung von Herrschaft für alle Menschen auf der Erde in aufrichtigem Verbundensein mit anderen Menschen zu leben. Sie sagt von sich selbst: “Es gibt in meinem Leben von damals bis heute eine Kontinuität: immer wieder auf die Suche zu gehen nach neuen Wegen gegen Ungerechtigkeit und persönliche Konsequenzen nicht zu scheuen.”

Margrit Schiller beschreibt anschaulich und einfühlsam, wie eine junge Frau auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit ihr gutbürgerliches Zuhause hinter sich lässt, in dem sie sich weder verstanden noch geliebt fühlt und dessen Werte mit denen ihres eigenen Herzens keinerlei Übereinstimmung finden. In der Zeit der Studentenbewegung, während ihres Psychologiestudiums, sucht sie nach wahrhaftigen Alternativen. Immer wieder hinterfragt sie die Möglichkeiten und die Wege, die sich ihr öffnen. Ihre Bereitschaft mit Hingabe zu handeln und auch Eigenes, zum Beispiel den Wohnraum mit anderen zu teilen, führt zur Begegnung mit Mitgliedern der RAF, deren Leidenschaftlichkeit, Kompromisslosigkeit und Bereitschaft zur Selbsthingabe für eine gerechte Welt sie sehr berühren. Ohne wirklich Zeit zu haben sich mit der zugehörigen Theorie und Praxis hinreichend auseinanderzusetzen gerät sie dabei in einen Strudel von Ereignissen, in denen sie selbst an Aktionen der RAF teilnimmt.

Ihre rasche Verhaftung im Zusammenhang mit einer (nicht von ihr verübten) Tötung eines Polizisten wurde seitens des Staates genutzt sie als gefährliche und gewalttätige Terroristin in den Medien vorzuführen und auch so zu behandeln. Im Gefängnis wurde sie mehrfach der Isolationshaft im “Toten Trakt” unterworfen, der “weißen (der unsichtbaren) Folter” ausgesetzt. Die Schilderung ihrer Haftbedingungen (und auch die aller anderen politischen Gefangenen) ist erschütternd und entlarvend für ein sich “demokratisch” nennendes System. Ziel dieser unmenschlichen Haftbedingungen war, die absichtsvolle Zerstörung Andersdenkender, die den kapitalistischen Staat als Machtinstrument der Herrschenden durchschauten, als solchen sichtbar machten und auch angriffen. Die Rechte des Grundgesetzes wurden für die politisch Gefangenen jener Zeit völlig außer Kraft gesetzt.

Margrit Schiller war in der RAF unbedeutend und doch lassen ihre Erfahrungen uns teilhaben an den menschlichen Beziehungen und Bedingtheiten in der RAF. Gerade dies ermöglicht es auch ganz Außenstehenden einen lebendigen Eindruck dieser Zeit und ihrer Ereignisse zu bekommen, einschließlich der bis heute nicht aufgelösten Tode der RAF-Gefangenen im Gefängnis. Ein weiteres Stück deutscher Geschichte, das der Aufklärung und Aufarbeitung bedarf.

Ihre frauenbewegte Sichtweise zeigt die auch innerhalb der RAF vorhandenen Schwierigkeiten bezüglich eines ebenbürtigen Umganges zwischen Männern und Frauen. Im Gefängnis entschied sich Margrit Schiller nach langwieriger und tief greifender innerer Auseinandersetzung, sich selbst von der RAF zu trennen.

Die letzte Zeit vor ihrer Entlassung aus der Haft wurde es Margrit Schiller gewährt im Normalvollzug zu verbringen. Mit ihrer zurück gewonnenen Lebenskraft unterstützte sie dort leidenschaftlich und mit Hingabe ihre Mitgefangenen. Sie entdeckt dort auch wieder ihre Liebe zu einer Frau, durch die sie mit Empörung die Verletzungen und Kränkungen lesbischer Frauen im herrschaftlichen Alltag erfährt.

Ein leidenschaftliches und ehrliches Buch einer aufrechten und mutigen Frau, die die zum Teil sehr leidvollen und verzweifelten Erfahrungen ihres Lebens und die daraus gewonnenen Einsichten für eine gerechte Welt mit uns teilt.

Danke, Margrit.


Margrit Schiller: Es war ein harter Kampf um meine ErinnerungMargrit Schiller
“Es war ein harter Kampf um meine Erinnerung”

Ein Lebensbericht aus der RAF

Konkret Literatur Verlag, 2007
272 Seiten, broschiert
€D 17,00 / €A 17,50 / sFr 29,00
ISBN: 978-3-89458-256-2

Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)


ÜBER DIE REZENSENTINNEN:

Rakuna & Anomatey
widmen sich der ganzheitlich-spirituellen Heilarbeit aus der Kraft der Kreise - zum Wohle allen Seins.
www.kraft-der-kreise.de



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