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HILDE SCHMöLZER: DAS VATERHAUS© Rakuna & Anomatey (21.02.11)
Eine autobiografische Erzählung
»Das Vaterhaus« spiegelt die begrenzten Möglichkeiten eines unabhängigen Lebens für Frauen im Österreich der Nachkriegszeit. Als Frau vorhandene gesellschaftliche Freiheiten zu nutzen war an existentielle Herausforderungen geknüpft. Das Buch bezeugt einen mutigen Weg weiblicher Selbstbefreiung.
ilde Schmölzer wurde 1937 in Linz/Oberösterreich geboren und wuchs in Steyr auf. Sie besuchte die zweijährige Staatslehranstalt für Fotografie in München. Später studierte sie in Wien Publizistik und Kunstgeschichte. Sie promovierte 1966. 25 Jahre war sie als freiberufliche Journalistin und Autorin tätig, seit 1990 ausschließlich freischaffende Autorin. Ihre Schwerpunkte sind Frauengeschichte und Frauenbiografien.
Hilde Schmölzer verarbeitet mit einfühlsamer Offenheit die Erfahrungen ihres eigenen Lebens, der gesellschaftlichen Benachteiligung als Frau in allen Lebensbereichen. Die Geschichte ihres Lebens im “Vaterhaus” ist geprägt von der für sie bedrohlichen Spannung zwischen einer entwerteten, selbst-losen Mutter und einem alle Familienmitglieder selbstverständlich beherrschenden Vater.
Durch den 2. Weltkrieg wird der Vater an die Front versetzt und die Familie vorübergehend von seiner Herrschaft befreit. Dies gibt der Mutter die Möglichkeit, die Sehnsucht ihres eigenen Herzens wahrzunehmen und ein eigenes Leben zu wagen. Die Rückkehr des Vaters aus dem Krieg offenbart die nun grundsätzliche Unvereinbarkeit der Lebensvorstellungen. Die Mutter Eva’s verlässt das Vaterhaus - und auch die Tochter. So verliert die heranwachsende Tochter nicht nur die Mutter, sondern ist zudem auch allein der sie vom Grunde her entwertenden väterlichen “Ordnung” ausgesetzt.
Zäh und eigenwillig sucht Eva (“das Leben”) Wege für ein selbst bestimmtes, eigenmächtiges Leben. Sie folgt ihrer Sehnsucht nach selbstständigem Leben und befreit sich aus der Enge des Vaterhauses, das ihr als Tochter lediglich ein Schattendasein einräumt. Schritt für Schritt verwirklicht sie ihre beruflichen Träume und ihren Wunsch nach Unabhängigkeit. Sie begegnet der großen Liebe ihres Lebens, die jedoch nicht von Dauer ist. 35jährig gebiert sie einen Sohn. Sie trennt sich von ihrem alkoholabhängigen Mann und ist wieder auf sich allein angewiesen. Als allein erziehende Mutter und Journalistin braucht sie all ihre Kraft um für sich und ihren Sohn verantwortlich sorgen zu können. Unterstützung wird ihr nur gelegentlich von ihrer Mutter zu teil, ohne dass eine Heilung des stattgefundenen Verrates infolge das Verlassenwerden durch die Mutter stattfindet. Bitterkeit und Erschöpfung gehören somit zu Eva’s Leben. In der beginnenden Frauenbewegung der 70er Jahre findet sie erstmals Frauen, die sie verstehen, einander unterstützen und gemeinsam andere Wege suchen.
Eva, die Frau, die alles Leben nährt und gebiert und behütet ist die Grundlage jeder Gesellschaft. Indem sie ihre Würde und Eigenmacht aus eigener Kraft trotz der vielfältigen Schwierigkeiten zurücknimmt, beginnt sie mit der Auflösung von Herrschaft - Stück um Stück, in allen Bereichen des Lebens. Eva’s Geschichte ist eine der mutigen Geschichten von Frauen unter Herrschaft.
Hilde Schmölzer ist es gelungen anhand ihrer eigenen Lebenserfahrung Auswirkungen von Herrschaft auf das alltägliche Leben von Frauen allgemein und die damit verbundenen Herausforderungen vom Wesen her zu kennzeichnen.
Mehr zur Autorin: www.hilde-schmoelzer.com
Hilde Schmölzer Das Vaterhaus
Eine autobiografische Erzählung
Kitab-Verlag, Klagenfurt-Wien 2000 und 2007
151 Seiten
€ 16,50
ISBN: 978-3-902585103
Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)
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