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MAGAZIN

KRANKHEITEN ALS SIGNALE UNSERES KöRPERS

© Irene Fleiss (11.03.05)


Körper

Angelika Koppe: Mut zur Selbstheilung

Angelika Koppe stellt in diesem Buch die "Methode Wildwuchs" vor - eine Möglichkeit der Selbstheilungsarbeit, "mit inneren Bildern weiterführende gesundheitsförderliche Schritte zu finden" und ein Versuch, die Körpersprache Krankheit zu entschlüsseln.



rankheit ist, da sind sich viele Menschen einig, eine Ausdrucks- und Sprachmöglichkeit des Körpers, eine "Botschaft des Körpers über die Qualitäten einer Lebensweise". Der Körper bewahrt auch die Erinnerung an erlebte Gewalt, an ungeliebte/ungelebte Impulse und Triebe. Krankheit ist demnach eine wichtige Informationsquelle und Hilfe und ein kreativer Akt, ein lebendiges Geschehen. Dieses Denkmodell ist Grundlage eigenverantwortlicher Selbsthilfe.

Krankheit kann auch, stellt Angelika Koppe fest, Ausdruck von Körpertrauer – über das Verlassensein, die Nicht-Be-Achtung, die Vernachlässigung, den Haß – sein; in diesem Sinne ist Selbstheilung auch das Zulassen von Trauer, das bewußte Erleben von Trauerprozessen.

Frauen, die ein neues Verständnis ihres Körpers entwickelt haben, sehen Krankheiten und Schmerzen als Signale ihres Körpers, daß etwas nicht im Gleichgewicht ist, und schauen sich den Ausgangspunkt der Beschwerden an.

Herzstück der "Methode Wildwuchs" ist die Arbeit mit Visualisierungstechniken – die auch von anderen Methoden angewendet werden. Zu Beginn steht die "Innere Reise", die tiefer liegende Bewußtseinsschichten eröffnet. Ein weiterer Schritt ist die “Fahrt ins Blaue« zum "Ort der Kraft". Zuletzt bearbeitet frau – zusammen mit kompetenter Begleitung - in der "Analytische Visualisierung" die Grundlage für machbare heilungsfördernde Handlungen. Mit der kurz vorgestellten Methode der Organaufstellung kann ich persönlich nicht viel anfangen.

Eine weitere Methode ist, sich den eigenen Körper als Gartenlandschaft vorzustellen, deren Hüterin wir sind, und die von der (auch Familien)Tradition, der Umwelt und den umliegenden Landschaften (=Menschen) mitgestaltet wird.
Ziel ist die Zusammenstellung eines "Selbsthilfekonzepts". Empfohlen wird als weiterer Schritt der Dialog mit der "inneren Beraterin", der inneren "Weisen Alten".

Diese Visualisierungstechniken sollen drei wichtige Schritte ermöglichen:

  • Eigendiagnose
  • Eigenverantwortlichkeit
  • Selbstheilungsschritte

Alle Bilder und Beratungsschritte der Methode Wildwuchs haben das Ziel, Selbstheilungsschritte zu fördern, die die Frau eigenständig und aktiv sofort und praktikabel im Alltag umsetzen kann.

Angelika Koppe erklärt Visualisierungen als nicht-gewußtes, unbewußtes Körperwissen, das allerdings von der Wissenschaft nicht erklärt werden kann. Sie betont den besonderen Wert der Bilderarbeit für die Selbstheilungsarbeit mit Frauen, da dieses Konzept die Wiederaneignung von Selbstvertrauen fördert. Die inneren Bilder müssen nicht abgehoben sein, sondern können ganz praktische, vernünftige Lösungsansätze zeigen – und dadurch unvernünftige, selbstquälerische Verhaltensweisen von Frauen aufzeigen.

Die "Methode Wildwuchs" verwendet von den vielen möglichen Entspannungsmethoden die Körperentspannung durch den Atem. Im Gegensatz zu vielen anderen Meditations-, Atemtechnik- und VisualisierungslehrerInnen schreibt Angelika Koppe für die Visualisierungen keine bestimmte Körperhaltung vor; es ist unsere eigene Kompetenz, die Wahl zu treffen.

In der patriarchalen Medizin wird der weibliche Körper als störanfälliges System betrachtet, das einer Vorgabe zu folgen hat – tut es das nicht, wird behandelt, operiert, alles "unnütze" weggeschafft.

Die geringe Wertschätzung der Frauen für ihren eigenen Körper ist Ausdruck ihrer heimlichen Ohnmacht, auch wenn die individuelle Frau es zu beruflichem oder politischem Erfolg gebracht hat.

Frauen fühlen sich nicht wohl in ihrem Körper, und Selbstheilungsarbeit fördert die Liebe zum eigenen Körper.

Diese Selbstheilungsarbeit schließt die Anwendung der üblichen Medizin nicht aus. Jede Frau hat die Möglichkeit, Schulmedizin, Alternativmedizin und Selbstheilung zu kombinieren, so wie sie es gerade braucht und wie es zu diesem Zeitpunkt gut für sie ist.In vielen Fallbeispielen führt die Autorin die verschiedenen Sichtweisen von Frauen auf ihre Körperregionen und Organe vor. Zum Schluß werden beispielhaft Visualisierungen und Deutungen zu Endometriose und Myomen vorgestellt.

Wichtig erscheint mir, daß Angelika Koppe nicht im “Kampf gegen die Krankheit« steckenbleibt, wie es in der Schulmedizin und auch in manchen alternativen Heilmethoden der Fall ist. Selbstheilungsarbeit ist in dieser Methode “das Entwickeln von Selbsthilfe und Lebenslust«, ein Prozeß des menschlichen Ganz- oder Heil-Werdens, mit allen Aspekten einer Person und ihrer Geschichte.
Angelika Koppe betont, daß die Visualisierungsarbeit gerade Frauen mit Selbsthaß, Scham und Ekel, also Frauen, die ihren Körper ablehnen, eine gut zugängliche Erfahrungsebene von Körperlichkeit bietet. Hier verläßt sie vernünftigerweise die Körper-Ebene und schließt die mentale Ebene wie auch die unserer Lebensumstände mit ein.
"Für erkrankte Frauen besteht die Herausforderung darin, sich von alten Lebensgrundsätzen zu verabschieden und mit einem inneren Ja für Neues bereit zu sein."
Selbstheilung bedeutet Eigenverantwortung, bedeutet Mut zum Risiko, das macht Angelika Koppe ganz deutlich klar.

"Krankheit hält in verwunschener Form ein Wachstumspotenzial für uns bereit, das uns in unserem Alltagsleben erschreckend und bedrohlich erscheint. Wie im Märchen treten uns die eigenen Triebkräfte in verwandelten Gestalten gegenüber und fordern uns zu einer wachstumsförderlichen Konfrontation heraus."

Angelika Koppe betont, daß nach der Psycho-Neuroimmunologie innere Vorstellungen biochemische Prozesse in Gang setzen. Meiner Meinung nach übertreibt sie die Kraft des positiven Denkens. Zwar glaube ich auch, daß körperliche Prozesse durch innere Bilder beeinflußt werden können, ich glaube sogar, daß Einsamkeit und Depression das Immunsystem schwächen, Hoffnung und Freude es stärken können, doch sollten wir uns, finde ich, die Realität nicht schönreden wollen. Unangebrachte Hoffnung und Freude mag kurzfristig unsere Lebensqualität verbessern, aber langfristig macht uns die Spannung zwischen innerer und äußerer Welt nur krank. Realismus ist angesagt. Erst dann können wir zu jenem Lebensprinzip kommen, das Angelika Koppe gegen Ende des Buches betont und das ich sehr wichtig und gut finde (weil wir alle es meistens viel zu wenig beachten):

"Wo die Lust ist, da geht´s lang."

Für Frauen, die bereits mit Visualisierungen arbeiten beziehungsweise gearbeitet haben, bietet die "Methode Wildwuchs" nichts Neues, ausgenommen die sinnvolle Beschränkung auf den Körper und die Tatsache, daß eine innere Reise hier nie ohne bestimmtes Ziel stattfinden soll; Begleitung und anschließende Beratung sind nicht vorgeschrieben, werden aber empfohlen.
Doch für Frauen, die zwar Selbstheilung praktizieren möchten, denen Visualisierungen aber bisher zu "esoterisch" waren, bieten dieses Buch und die darin vorgestellte Methode sicher eine gute Möglichkeit, sich mit ihrem Körper anzufreunden, die eigenen Lebensumstände zu überdenken – und gegebenenfalls zu ändern – und mehr Freude am Leben zu gewinnen, ohne täglich meditieren, Trancereisen antreten oder sonstwie "abheben" zu müssen.

Angelika Koppe:
Mut zur Selbstheilung
Innere Körperreisen und Visualisierungen nach der Methode Wildwuchs

Diametric Verlag, 2004
174 Seiten, broschiert
€ 16,50
ISBN 3-9805677-7-X

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ZUR AUTORIN:

Angelika Koppe
Jahrgang 1952, Diplom-Pädagogin für Erwachsenenbildung und Fachauditorin für Qualitätssicherung im Bildungsbereich. Die Methode Wildwuchs wurde von ihr entwickelt und wird seit 1991 im Institut Angelika Koppe & Partnerinnen gelehrt und praktiziert. In ihrer soziotherapeutischen Arbeit mit chronisch und lebensgefährlich Erkrankten begleitet sie seit mehr als 20 Jahren Menschen in ihren Selbstheilungsprozessen und leitet im Rahmen der Selbstheilungsarbeit Aus- und Fortbildungen in Gesundem Coaching. Sie ist Mitglied im Kuratorium der Stiftung Wegbegleitung, die die gesellschaftliche Anerkennung und Verbreitung von Selbstheilungsarbeit fördert.
www.angelikakoppe.de



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