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LUISA FRANCIA: HEXENBESEN ZAUBERKRAUT© Irene Fleiss (30.04.05)
Spannende Wege zur "kosmischen Heiterkeit"
Eine Einführung in die Magie von A wie Abrakadabra bis Z wie Zauberkraut, doch kein weiteres Be-a-witch-in-twenty-days-Buch für junge oder auch ältere Möchtegernhexen. So einfach macht Luisa Francia es sich und uns nicht – so schwer aber auch nicht.
lso keine Angst: Frauen, die “ahnen« nicht von den “AhnInnen« ableiten, können dieses Buch mit mindestens genauso viel Gewinn und Genuß lesen wie jene, die täglich mit den Elementarwesen plaudern. Wie immer ist Luisa Francia von herzerwärmender Vernunft. Ihre Aufgabe sieht sie darin, die "Magie der weisen Alten herauszulösen aus dem okkultistischen Manipulationskarussell, die alten Verbindungen wieder zu erneuern, die Sprache aller Wesen zu vermitteln".
Sie spricht (hier in nicht-alphabetischer Reihenfolge) über das wahre Wesen von Fetischen und wieso auch Kirchen, Computer und Markenkleider Fetische sind, über die Dunkelheit als die Zeit der Stille und der Macht, das Christentum, seine vielfältige Vergangenheit und seine Polarität, das Jenseitige und den Tod, die Trance als Reisemittel in die Traumzeit, Steine als älteste Helferwesen der Menschen (doch: “Nicht jeder Stein kann heilen. Nicht jeder Mensch kann geheilt werden.«), Sinn und Unsinn magischer Schutzmaßnahmen, körperliche und schamanische Reisen, Naturgeister und wie wir mit ihnen in Kontakt treten können, Banales, nämlich Liebe, Geld und Krankheit als die Hauptthemen von Menschen, die zu WahrsagerInnen, Hexen und Zauberkundigen gehen, die vier Elemente als Illusion der Ordnung, Yggdrasil und den Baum als Verbindung von Unterwelt, Erde und Oberwelt, XX-das Weibliche und den weiblichen Zugang zur Magie, Unsinn und Gefahren von Wetterzaubern und warum die Elemente manchmal doch mitspielen, das Verzaubern und die vielen Schichten der Wirklichkeit, den Ursprung aller Dinge, das Singen als Ausdruck des eigenen Liedes, das Verweben der Stimmen zu einer Gemeinschaft und wieso Shakira mit ihren Liedern unbewußt den Weg der Zauberin gegangen ist, die Quintessenz von Magie, nämlich Verwandlung und das Spielerische im Universum und in uns, das Pferd als Ausdruck der wilden Kraft, die zwar zu zivilisieren, aber nicht unterzuordnen ist, den Unsinn von Orakeln, den Mond als Teil zauberischer Rituale, Liebeszauber als manipulative Magie, Hexenbesen als wichtige Bestandteile der Magie, den Körper, seine Energien und seine Einbindung in weibliche Rituale, Zauberkräuter und wie wir mit Kräutern zusammenarbeiten können.
Unser Körper ist mit einer Reihe von Fähigkeiten “serienmäßig« ausgestattet, die spätestens seit Beginn der industriellen Revolution verkümmern. “Dazu gehört das schier unendlich weite Laufen, das feine Gehör, das Erfassen von subtilsten Düften.« Dazu gehört auch die Intuition. Und diese ist nicht, wie der Begriff meist verwendet wird, ein Gefühl, ob etwas gelingt oder nicht gelingt, ein gutes oder schlechtes Gefühl. Dankenswerterweise räumt Luisa Francia mit diesem (Aber)Glauben auf und bietet eine komplexe Sichtweise an.
Unter A wie Abrakadabra sagt Luisa Francia, was Magie ist, nämlich “imaginieren, sich ein Bild machen, gestalten und dadurch Verbindung zur Urkraft herstellen und sich mit Symbolen, Worten, Tönen und Gesten ihr nähern«.
Unter G wie Glauben benennt sie die Neigung der Menschen (auch der Frauen!), in irgend etwas eingeweiht zu werden (Zirkel, innere Kreise, Logen, Glaubensgeheimnisse) und Verschwiegenheit zu beeiden:
“Eine freie Frau schwört keinen Eid. Wem denn? Entweder ist sie frei, dann macht sie, was sie will, und wenn sie wirklich frei ist, frei, zu leben und leben zu lassen, zu rufen, zu binden, dann gibt es keine Macht im Universum, der sie einen Eid schuldet. Eine freie Frau sagt Nein und Ja zu ihrer Zeit, lebt Trauer und Freude auf ihre Art, eine freie Frau schuldet niemandem eine Lüge oder eine Wahrheit.«
Ich selbst habe leider noch keine mit denen von Luisa Francia vergleichbaren Erfahrungen gemacht (vielleicht, weil ich mich nicht mit Erde beschmieren und keine nächtlichen Rituale auf Straßenkreuzungen abhalten mag), halte sie aber für möglich. Die Menschen haben – wie fürs Singen, Tanzen und Malen – auch für die Magie unterschiedliche Begabungen.
Was aber alle Frauen (und Männer) lernen können, ist, daß es in der Magie wie im alltäglichen Leben “nicht etwa um die lineare Bewegung zum Ziel« geht, sondern um “das Erforschen des Stückchen Universums, auf dem gerade Begegnungen stattfinden«.
Diesen Gedanken finde ich sehr schön und außerordentlich wichtig.
In der Magie geht es um Kommunikation, Wahrnehmung, Wahrhaftigkeit, das Stillwerden, verbündete Wesen, Absichtslosigkeit. Wichtig ist Luisa Francia das Spielerische, Närrische, alles auf den Kopf zu stellen – gerade in der Magie und im Schamanismus.
“Der Zugang der Frau zur Magie ist der Weg zu ihrer eigenen Kraft, zu ihrer Geschichte und zu allen anderen Frauen. Denn auch die Frauenfeindlichkeit von Frauen zerstört ihre Energie und schließlich den Planeten, auf dem wir leben.«
Luisa Francia stellt sich nicht als Vorbild oder gar als weiblicher Guru hin. In ihren Texten zu Schamanismus und Magie hält sie uns und unserer Kultur einen Spiegel vor – klar, spirituell, sachlich und auf liebevolle Weise unerbittlich. Lust, Genuß, Freude, Traumzeit und gesellschaftspolitisches Handeln vermittelt sie in allen ihren Büchern.
G´schichteln wie “Das Universum wartet nur darauf, uns unsere Wünsche zu erfüllen, aber ja aufpassen beim Formulieren, weil das Universum ist ein bißchen begriffsstutzig«, wie sie seit einigen Jahren beliebt sind und wohl auch Geld bringen, gibt es bei ihr nicht.
“Von einer universellen schöpferischen Kraft kann niemand erwarten, dass sie Mitgefühl hat. Sie schöpft. Voilà!«
Vielleicht fragst du dich, warum ich so viele Zitate aus dem Buch bringe. Es gibt zwei Gründe: zum einen ist vieles von Luisa Francia zitierenswert. Zum anderen ein letztes Zitat: “Schwer werde ich es mir machen!«
Luisa Francia Hexenbesen Zauberkraut Die Grundlagen der Magie
nymphenburger Verlag, 2005 144 Seiten, gebunden mit zahlreichen Abbildungen €D 19,90 / €A 20,50 / sFr 34,90 ISBN 3-485-01041-3
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ZUR AUTORIN:
Luisa Francia
Laut SPIEGEL die einzig ernst zu nehmende Magierin und außerdem Schriftstellerin, Journalistin, Mutter, Dichterin, Sängerin, Drehbuchautorin, Fotografin ... schreibt über das, was ihr Leben maßgeblich prägt. Luisa Francia ging nach Afrika, Indien, Nepal und Tibet, um Heilrituale und Schamanismus zu erforschen. Sie nahm an mehreren Expeditionen im Himalaya teil und steigt am liebsten allein (oft barfuß) auf Berge, um bei sich selbst anzukommen. (Verlagstext)
Bücher von Luisa Francia - eine Auswahl:
Drachenzeit. 1987 Zaubergarn. 1989 Die schmutzige Frau. 1992 SteinReich. 1993 Starke Medizin. Handbuch zur Selbstheilung. 1995 Eine Göttin für jeden Tag. 1996 Sanfte Wirbelstürme, vergessene Flügel. 1998 Der wilde Blick. 2000 Der Rest deines Lebens beginnt jetzt. 2001 Die Sprache der Traumzeit. Kunst und Magie. 2002 In den Gärten der Kore. Visionen aus einem weiblichen Universum. 2003 Das Gras wachsen hören. 2004 Auf Katzenpfoten zur Nirvanarolle. 2004
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