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MAGAZIN

WENN FRAU TANZT UND DIE MUSEN IM BOOT HAT…

© Irene Fleiss (16.05.05)


Spiritualität

Göttinnenzyklus. Von weisen Frauen, ihren Künsten und Wirkstätten

Ulla Janascheck hat ein Orakelspiel mit 36 Karten geschaffen, von denen jede 3 Aspekte trägt, sodaß sich 108 Deutungsmöglichkeiten ergeben. Die Karten sind gestaltet von der Künstlerin Cambra Maria Skadé, ein umfangreiches Buch für Astrologinnen.



lla Janascheck hat ein Orakelspiel mit 36 Karten geschaffen – 12 Göttinnen, 12 historisch-weibliche Tätigkeiten und 12 mythologisch-weibliche Wirkungsstätten -, von denen jede 3 Aspekte trägt, sodaß sich 108 Deutungsmöglichkeiten ergeben. Die Karten sind sehr schön gestaltet (Cambra Maria Skadé), das umfangreiche Buch ist durchaus interessant.

Das Buch bietet mythologisch interessierten Frauen manche neuen Aspekte. Für Frauen, die sich weder für Tarot noch für Astrologie interessieren (oder die diese Phase hinter sich gelassen haben), ist die Anschaffung nur als Buch allerdings auf Grund des happigen Preises überteuert und nur Sammlerinnen zu empfehlen.

Das Spiel basiert auf dem astrologischen Tierkreis mit seinen Planeten, Zeichen und Häusern. Es stellt Ausdrucksformen der Göttinnen aus verschiedenen Kulturen (=die Planeten), Künste der weisen Frauen (=die Zeichen) und ihre Wirkstätten (=die Häuser) vor. So steht der Legerin ein dreifach gegliederter Zyklus zur Verfügung, der auch ohne astrologische Kenntnisse genutzt werden kann.

Für Astrologinnen ist diese konsequent weibliche Auslegung der patriarchal dominierten und definierten Tierkreiszeichen eine interessante Ergänzung und eine Chance, ihre Arbeit unter weiblichen Gesichtspunkten zu machen. Ulla Janascheck macht auch kurze Vorschläge, wie Astrologinnen die Karten in die Horoskopdeutung einbeziehen können. Gewieften Tarotlegerinnen bietet sich die Möglichkeit, andere Karten mit anderen Schwerpunkten auszuprobieren und mit weiblicher Deutung zu arbeiten. Die Spielvorschläge sind von den Tarotlegearten stark inspiriert.

Die zwölf “Ausdrucksformen der Göttin« wurden aus verschiedensten Kulturräumen ausgewählt: Amazone, Erdmutter, Musen, Mondmutter, Sonnengöttin, Vestia, Venus/Ishtar, Kali Ma, Sophia, Maat, Varuna, Mari. Die Tierkreiszeichen wurden durch zwölf in fernste Vergangenheit zurückreichende weibliche Tätigkeiten ersetzt: jagen, töpfern, Geschichten erzählen, spinnen, tanzen, backen, malen, zaubern, regieren, bergen, sich vernetzen, durchschauen. Die Häuser werden durch zwölf Wirkstätten beschrieben: Wildnis, Niederlassung, Schule, Höhle, Tempel, heiliges Feuer, Atelier, geheimer Ort, Festsaal, Einsiedelei, Luftschloß, Boot.

Jede der runden Karten bietet drei Deutungsansätze, denn sie enthalten an drei Punkten das passende astrologische Symbol, und zwar in Weiß, Rot und Schwarz. Die Farben entsprechen dem jungen Mädchen, also der Energie im Anfangsstadium, der reifen Frau, also der bereits zentrierten, in der Blüte befindlichen Energie, und der alten Frau, der Weisheit aus Erfahrung und einem Übergangszustand. Je nachdem, welche Farbe oben ist, wird gedeutet.

Jede Karte wird auf fünf bis sechs Seiten vorgestellt. Drei Beispiele:

Den Zwillingen wird die Tätigkeit “Geschichten erzählen / überliefern« zugeordnet. Ulla Janascheck erzählt von mündlicher Wissensweitergabe, von Wissensträgerinnen und Botschafterinnen, von der Erfindung der Schrift und von den Vor- und Nachteilen mündlicher und schriftlicher Erzählung und Wissensweitergabe. Zur Deutung wird unterschieden in die weiße Erzählerin, bei der sich ein geistiger Prozeß formt, die rote Erzählerin, die Erkanntes weitergeben kann, und die schwarze Erzählerin, die ihren Raum erweitern soll.

Der astrologische Planet Merkur wird (durchaus vorteilhaft, wie ich finde) von den Musen/der Göttin Mnemosyne mit der Beschreibung “bestäuben« ersetzt. Es geht um Inspiration, Talente, das Reisen zwischen den Welten, Kommunikation, das Erfassen von Zusammenhängen. Die weiße Mnemosyne ist richtungslos und im Widerstreit, die rote bewegt sich, verändert sich, erkennt Neues, die schwarze hat eine innere oder äußere Lehrzeit abgeschlossen und steht möglicherweise vor einem Quantensprung.

“Das Boot / hineintauchen« gefällt mir besser als “das zwölfte Haus«. Es geht hier um die Heimkehr des inspirierten Geistes zum Ursprung, die Geheimnisse der Tiefe, subtile Wahrnehmung, Erlebnistiefe, Selbstschau, eine wirkliche Zufriedenheit. Legt frau das weiße Boot, soll sie sich mit sich und ihren tieferen Bewußtseinsschichten beschäftigen, beim roten sich der feinen Wahrnehmung überlassen, beim schwarzen wird gemeinsames Erleben wichtig.

Klingt spannend. Ist es auch. Allerdings nur für Frauen, die wirklich regelmäßig und ernsthaft mit Astrologie und/oder Kartenlegen arbeiten.

Diese werden auch keine Schwierigkeiten mit der doch recht komplexen Deutung haben. 36 Karten, je 3 Varianten – da kann frau sich fleißig durch gut 220 Seiten Erklärungen blättern.

Das Buch bietet interessante Informationen zu den ausgewählten Göttinnen und (besonders spannend für jene, die sich mit den zivilisatorischen Innovationen unserer Vorschwestern noch nicht so befaßt haben) den weiblichen Arbeiten und Künsten. Die Wirkstätten sind mir persönlich ein bißchen zu psychologisch/mystisch beschrieben, aber nicht uninteressant.

Einige Aussagen finde ich allerdings bedenklich. So sind Ulla Janaschecks Ausführungen unter “Widder  ... jagen ... den Weg bereiten« meines Erachtens höchst eigenartig: es ginge um den “magischen Waffen-Kult«, um “die Mondsichelwaffe ... im Kampf gegen den Dunkelheitsdrachen«, um die Große Mutter, die zerrissen wurde, um “zum Ursprung aller Nahrung« zu werden. Besonders die Behauptung “Begattung und Tötung waren identisch. Der Tod stellte eine Befruchtung dar, denn das Opfer wurde so mit der großen Mutter vermählt.« finde ich gefährlich – und schlicht falsch. Falls das tatsächlich einmal so gesehen wurde, dann bereits in patriarchaler Zeit, und darauf bezieht Ulla Janascheck sich normalerweise nicht.

In dieselbe patriarchale Ecke fällt ihre Meinung, die Sophia gebäre einen geistigen Lichtsohn, von dem sie sich inspirieren und befruchten läßt. Das klingt mir sehr nach patriarchaler Beeinflussung (vielleicht durch buddhistische, hinduistische oder jungianische Literatur?).

Freie Frauen brauch(t)en keine Inspiration auf einem Umweg, schon gar nicht auf einem solchen.

Die Ausführungen (unter “Der geheime Ort ... sich verwandeln«) über das Zulassen von Trieben, das Ausleben von Tabus, über Bordelle als Orte, an denen “verbotene« Phantasien und nicht strukturierte sexuelle Triebe zugelassen werden können – um den “Tod als Wirklichkeit anzuerkennen« – können unter Umständen gefährlich sein, nämlich wenn sie oberflächlich gelesen und mißverstanden werden. Im übrigen ertrage ich es nicht, wenn Bordelle – Orte patriarchaler Frauenunterdrückung und –ausnutzung – so einfach zu Stätten von (weiblicher?) Entwicklung und Erkenntnis umfunktioniert werden.

Zusammenfassend also eine eingeschränkte Empfehlung, nämlich für die bereits genannten Interessentinnengruppen.

Ulla Janaschek - Cambra Maria Skadé
Göttinnenzyklus
Von weisen Frauen, ihren Künsten und Wirkstätten

Arun Verlag, 2003
272 Seiten, broschiert
€D 34,95 / €A 35,95 / sFr 60,40
ISBN 3-935581-35-1

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ZUR AUTORIN:

Ulla Janascheck
1961 geboren, studierte Kommunikationsdesign und beschäftigt sich seit 1985 mit Astrologie und Frauenthemen unter Einbeziehung der mythologischen Hintergründe. Ausbildung zur Focusing-Therapie. Leitung von Workshops und begleitende Beratung. Autorin von Transit-Tagebuch, Erlebnisraum Astrologie, Göttin der Gezeiten. Freie journalistische Tätigkeit bei verschiedenen Fachmagazinen. Ihr Wunsch ist, die Vielschichtigkeit des Weiblichen in die offene Begegnung zu tragen.



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Kommentare unserer Leserinnen...*

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*Wenn frau tanzt und die Musen im Boot hat…


Irene Fleiss
17.05.05 11:18

Göttinnenzyklus. Von weisen Frauen, ihren Künsten und Wirkstätten

Ulla Janascheck hat ein Orakelspiel mit 36 Karten geschaffen, von denen jede 3 Aspekte trägt, sodaß sich 108 Deutungsmöglichkeiten ergeben. Die Karten sind gestaltet von der Künstlerin Cambra Maria Skadé, ein umfangreiches Buch für Astrologinnen.

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*Re: Wenn frau tanzt und die Musen im Boot hat…


Gästin
17.05.05 11:18


Die zitierte Textstelle "Begattung und Tötung waren identisch. Der Tod stellte eine Befruchtung dar, denn das Opfer wurde so mit der großen Mutter vermählt." ist ja grauenhaft! Das ist ein Aufruf zu Mord an Frauen!!!


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*Re: Wenn frau tanzt und die Musen im Boot hat…


Gästin
20.05.05 19:45

Ich verstehe es ja eher als Aufruf zum Mord an Männern - aber tatsächlich ist die Stelle mehrdeutig, das stimmt.


IIn jedem Fall finde ich die Gleichsetzung von Geschlechtsverkehr und Töten ganz, ganz schrecklich.


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