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TöCHTER DER MONDIN© Birgit Bigga (19.07.05)
Ein Buch für Hexen, Feen, Zauberinnen, Priesterinnen...
... und alle Frauen, die ihre alten Wurzeln finden wollen. Ein Buch wohltuend weit entfernt der diversen “Wie werde ich eine Hexe in drei Tagen?«-Machwerke, aber auch abseits seriöser Göttinnenliteratur.
Eher ein Werk der weiblichen Poesie und der weiblichen Kunst, die ihre Wurzeln in altem Wissen sucht und findet. Eine Huldigung an Schöpferinnenkraft und kreative weibliche Lebensgestaltung, ausgedrückt durch eine Sammlung von Geschichten, Gedichten und Bildern, die persönliche Erfahrungen mit dem mythischen Lebenszyklus der weisen Mondin und ihren Töchtern verbinden.
in mytho-poetisches Schau- und Lesebuch beziehungsweise Gesamtkunstwert
... so die Hauptcharakterisierung, die häufig im Zusammenhang mit diesem Buch benutzt wird (und so ähnlich auch im Klappentext nachzulesen ist). Es ist ein Buch von einer Frau für Frauen (Anmerkung am Rande: Männer kommen hier gleich gar nicht vor!), hier wird dem weiblichem Weg, der weiblichen Spiritualität nachgespürt. Eine, die in erster Linie Rezepte und eine knappe Anleitung für Rituale sucht auf dem Weg zur Göttin (also auf dem Weg zu sich selbst), wird von diesem Buch enttäuscht sein. Obwohl wir alle wissen sollten (und fast alle wissen), dass “Kochrezepte« in der Selbstfindung, der Magie sowie der Begegnung mit der Göttin und uns selbst nicht funktionieren, nun - suchen wir sie ab und an dennoch. Für einen Schnellschuss dieser Art ist es das absolut falsche Buch. Es ist kein billiges Fastfood, sondern ein wohltuend inspirierendes und sinnlich befriedigendes Edel-Dinner.
Mit etwas Zeit und Muße wendet sich der (vielleicht anfangs verschleierte) Zugang auf fast dramatische Art. Schon das Titelblatt, in erdigen Ockerrottönen gestaltet, zieht an und lässt sich frau erst darauf ein, dann ist ein “Abtauchen« fast nicht mehr zu verhindern. (Das Titelblatt und auch weitere Malereien gemahnen in Stil und Farbgebung an alte Höhlenmalereien, was kein “Zufall« ist, sondern den archetypischen Weg ins innerste Selbst erleichtern soll und kann). Die Gestaltung ist üppig und zeigt, dass hier eine Künstlerin am Werk ist, die ihr Handwerk mehr als beherrscht - Malereien, Objekte und Fundstücke, Photos, Kollagen, Schnitzereien, ... diese bildnerischen Kunstwerke sind dicht verwoben mit künstlerischen Texten, Gedichten, Erzählungen aus eigenem Erleben, Anleitungen für Rituale oder die Herstellung von Ritualgegenständen - ja auch das findet sich hier (aber eben nicht zum Instant-Gebrauch, es ist definitiv kein Arbeitsbuch). Auch die kraftvoll-poetische und doch klare Sprache verrät die Künstlerin, die sich selbst als “Textweberin« bezeichnet, was den eigentlichen Kern der Sache sehr pointiert trifft.
Und sie webt eine Kette weiblicher Lebenszyklen voll mit Frauenmacht und Schöpferinnenkraft. Die heidnischen Feste sind die Eckpfeiler um die Skadé ihr Gespinst flicht. Sie führt durch das Jahr und die Zeit und lässt die Leserin teilhaben an Begegnungen und Erfahrungen und ermutigt, eigene Erfahrungen zu machen oder zu reflektieren. Da sind die Ahninnen, die im Alltagsleben oft kaum mehr eine Rolle spielen, auf deren Schultern wir jedoch festen Stand gefunden haben, bzw. die uns den Rücken stützen (wer in einer therapeutischen Familienaufstellung schon einmal diese Erfahrung erlebt hat, weiß wie wohltuend und stärkend dieses Gefühl ist) - Skadé lädt ein, sich ihrer zu erinnern und an ihrer Fülle von Lebenserfahrungen und vor allem auch an ihrem Mut teil zu haben.
Da sind die Erzählungen eigener, höchst persönlicher Ritualerfahrungen zu den diversen Festtagen des Jahreskreises, die auch ein wenig von dem Gefühl vermitteln vermögen, das entstehen kann, wenn nur Frauen diese oder ähnliche Rituale in Gruppen feiern; ein archaisch-starkes Gefühl, das die meisten von uns so wahrscheinlich noch nicht kennen lernen konnten - es macht unglaubliche Lust auf eine solche Begegnung.
Die Texte sind sinnlich-magische Geschichten, geordnet nach Jahreszeiten und den dazugehörigen Elementen; sie erzählen von der Schaffung von (Zauber-)Stäben (dem Nordstab, Südstab, Oststab, Weststab), vom Drachenberg, vom Winterglitzer- und dem Schnürlregentag, von den Ahninnen und Patinnen, vom Säen und Ernten, aber auch archetypische Totemtiere erscheinen (die Zeit der Wölfinnen, das Lachen der Geierinnen, über die Krokodile), Bäume, klappernde Steine und vieles mehr begegnet der Leserin.
Welche sich darauf einlässt, findet sowohl uraltes als auch archetypisches Wissen, Ideen für eigene Rituale und wildes weibliches Erleben, wobei immer die eigene Kreativität und Kunst, das eigene Schaffen und Bewusstwerden im Mittelpunkt aller Überlegungen und Anregungen stehen.
Das Werk inspiriert, sich selbst auf den Weg der “Alten Pfade« zu machen, auf den Weg zur Göttin, der letztendlich zu den eigenen Wurzeln führen kann: zur Göttin in jeder Frau selbst und ihrem individuellen Erleben. Aus zögerlichen Ängsten wird Mut, aus vorsichtigem Herantasten werden sinnlicher Erfahrungen.
Und wenn es der einen oder anderen im hektischen Alltag vorerst auch schwer fallen mag, sich zuerst darauf einzulassen ... macht noch einen zweiten Versuch (vielleicht an einem ruhigen verregneten Abend bei einer Tasse guten Tees), ihr werdet es gewiss nicht bereuen.
 Cambra Maria Skadé Töchter der Mondin
Arun Verlag, 2002 160 Seiten, broschiert €D 25,50 / €A 26,30 / sFr 44,70 ISBN 3-935581-19-X
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ZUR AUTORIN:
Cambra Maria Skadé 1961 im Zeichen des Skorpion geboren, studierte Kommunikations-Design und lebt als freischaffende Künstlerin und Dozentin in Bayern und Altkastilien. Sie arbeitet im Zwischenraum von Ritual, Performance, Objekt- und Bildverknüpfungen und ist Mitwirkende bei der Schweizer Frauenzeitschrift "Frauenwelt Weltenfrau". Ihre Themen sind weibliche Lebenskunst, Kunst als magischer Akt, die Verbindung von Kunstform und Lebensform.
www.cambra-skade.de
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