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MAGAZIN

LUISA FRANCIA: EINSCHLAFEN TRäUMEN AUSSCHLAFEN

© Irene Fleiss (21.09.05)


Körper

Vom träumen und dösen, imaginieren und reisen

Schlaf und Schlafen in unserer und in anderen Kulturen, Schlafersatz, Einschlafrituale und -rezepte, die 14 Nothelferinnen und die verräterische Sprache – Luisa Francia hat sich wieder einen Bereich des menschlichen Lebens für uns näher angeschaut.



chlägt frau das Buch auf, begrüßt eine wohlig schlafende Frau aus Malta sie. Das stimmt richtig ein, denn dieses Buch liest sich geruhsam. Das Eingeständnis der Autorin, über dem Schreiben des öfteren eingenickt zu sein, ist mutig, denn es könnte mißverstanden werden. Mir ist es beim Lesen so ergangen wie Luisa Francia beim Schreiben: “so richtig zügig vorwärtskommen will dieses Buch nicht. Es will erträumt und erschlafen werden.« Ein Buch erträumen und erschlafen, das ist doch etwas Schönes.

Wir alle kennen Einschlafstörungen und den “Zug der Sorgen«. Außerdem geht es um den Schlaf der Selbstgerechten, vergiftete Körper, um die “trojanischen Pferde« Schlafmittel und um Märchen. Vielleicht sind die Ängste, die uns beim Einschlafen oft aus dem Hinterhalt überfallen, gar nicht unsere eigenen?

Der Schlaf ist die Grenze, an die die “Linearität der Leistungsgesellschaft« stößt. Welche Raubbau mit ihrem Körper und ihrem Geist treibt, bekommt hier im Schlaf die Rechnung präsentiert. Körper und Traumzeit sind unbestechlich. Die Autorin gibt nicht vor, uns von unseren Sorgen befreien zu können oder daß das Leben sorgenfrei sein könnte, wenn wir etwas bestimmtes täten, doch sie gibt uns Ratschläge für den entspannten Umgang mit Schlaflosigkeit und für neue Denkansätze.

Schlafen ist uns suspekt. Anständige, tüchtige Menschen sind “auf Draht«, “ausgeschlafen«, hingegen sind “Träumerinnen« und “Traumtänzerinnen« untüchtig und faul. Doch in Wahrheit geht es um das “Darüber muß ich noch schlafen«, um die traumwandlerische Sicherheit, um unseren Aufenthalt in der Traumzeit. Schlaf ist lustvoll und genießerisch, doch das haben wir verlernt.

Entspannungsübungen, das Nutzen schlafloser Nächte für Rituale, magische Schutzmaßnahmen fürs Bett, die Sprache der Träume, Geister, Traumtagebücher, Rezepte für Tees und Getreidebreie, Graskissen, die gute Stimmung von Serotonin- und Melatoninboten durch Schokolade mit über 70% Kakaoanteil – das sind nur einige der Themen, die Luisa Francia uns gewohnt lustvoll näherbringt.
Ein paar Göttinnen lernen wir auch wieder kennen (die “14 Nothelferinnen«). Am besten gefällt mir ihr persönliches Nachtgebet, das so beginnt:

“Was schmerzt, soll heil sein, was drückt, soll leicht sein«.

Ein bißchen Gesellschafts/Patriarchatskritik gibt es, wie immer, auch wieder, was mich besonders freut.

Das Buch ist ein bißchen geruhsamer als Luisa Francias sonstige, das stimmt, aber es hat geschafft, mich lachend einschlafen zu lassen, was ja, wie die Autorin schreibt, das Größte ist.

In diesem Sinne wünsche ich:
“Tiefer Schlaf
Zauberhafter Traum
Heiteres Erwachen«

Und: gutes Lesen!

Luisa Francia
einschlafen träumen ausschlafen
Die Gabe der Schmetterlingsfrau

Verlag Frauenoffensive, 2005
140 Seiten, broschiert
€D 13,90 / €A 14,30 / sFr 25,10
ISBN 3-88104-373-X

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ZUR AUTORIN:

Luisa Francia

Laut SPIEGEL die einzig ernst zu nehmende Magierin und außerdem Schriftstellerin, Journalistin, Mutter, Dichterin, Sängerin, Drehbuchautorin, Fotografin ... schreibt über das, was ihr Leben maßgeblich prägt. Luisa Francia ging nach Afrika, Indien, Nepal und Tibet, um Heilrituale und Schamanismus zu erforschen. Sie nahm an mehreren Expeditionen im Himalaya teil und steigt am liebsten allein (oft barfuß) auf Berge, um bei sich selbst anzukommen.
(Verlagstext)

Bücher von Luisa Francia - eine Auswahl:

Drachenzeit. 1987
Zaubergarn. 1989
Die schmutzige Frau. 1992
SteinReich. 1993
Starke Medizin. Handbuch zur Selbstheilung. 1995
Eine Göttin für jeden Tag. 1996
Sanfte Wirbelstürme, vergessene Flügel. 1998
Der wilde Blick. 2000
Der Rest deines Lebens beginnt jetzt. 2001
Die Sprache der Traumzeit. Kunst und Magie. 2002
In den Gärten der Kore. Visionen aus einem weiblichen Universum. 2003
Das Gras wachsen hören. 2004
Auf Katzenpfoten zur Nirvanarolle. 2004
Hexenbesen Zauberkraut 2005



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