Wolfsmutter.com - Abenteuer Feminismus
Ein Frauen-Portal zu neuen Wegen, abseits der Nebenstraßen!

MAGAZIN

NATüRLICHE HYGIENEARTIKEL - WIE? WAS? WARUM?

© Anja Waldmann (11.03.06)


Körper

Ein Erfahrungsbericht zum Umgang mit der Menstruation

"Endlich eine Alternative" oder "Davon habe ich schon mal gehört, konnte sie aber nicht finden" oder "So etwas Altmodisches muß doch nun nicht auch noch sein" oder oder oder. - Die Reaktionen auf Stoffbinden sind so vielfältig wie Frauen sind.



© Kulmine Stoffbinden

ls bei mir mit knapp zwölf Jahren die erste Regelblutung einsetzte, stammelte meine sonst so moderne Mutter etwas von ‚was machen wir denn nun!? Wir müssen Watte kaufen!’. Daraufhin erwiderte ich etwas entrüstet, dass ich selbstverständlich Tampons benutzen würde. Das Unterfangen gestaltete sich am Anfang als nicht ganz so einfach, aber nach einiger Übung klappte es. Für viele Jahre war für mich die Frage der Monatshygiene mit Tampons und Slipeinlagen gelöst. Binden waren mir äußerst suspekt, hatte doch die Tamponwerbung mir jahrelang suggeriert, dass Frau als Bindenbenutzerin von Sport, Spiel und Spaß ausgeschlossen bleibt. Nach einiger Zeit waren mir allerdings die Slipeinlagen immer öfter unangenehm, die trotz reichlicher Duftstoffe immer schlecht rochen. Die regelmäßig auftretenden Candidainfektionen hielt ich für normal. Meine Frauenärztin riet mir, auf Slipeinlagen zu verzichten und Unterwäsche aus Baumwolle zu tragen.

Nach der Geburt meines Sohnes begann ich eine Abneigung gegen Tampons zu entwickeln. Häufig bekam ich schon während des Einführens Unterleibsschmerzen und griff mehr und mehr zu Binden, die es inzwischen einzeln verpackt und somit nun auch für die Handtasche geeignet gab - wenn nur der üble Geruch nicht gewesen wäre...

Zufällig stieß ich in einem Naturwarenkatalog auf waschbare Baumwollbinden. Da ich schon von waschbaren Windeln und waschbaren Stilleinlagen überzeugt war, zögerte ich nicht, mir ein Probeset zu bestellen. Zuerst probierte ich eine große Faltbinde aus, die ich nachts einweihte. Da ich während der Nacht kaum geblutet hatte, faltete ich sie am Tag neu und die Binde hielt den ganzen langen heißen Sommertag OHNE zu riechen. Es war eine Offenbarung! Über zwanzig Jahre lang fand ich mein Menstruationsblut eklig, weil es so übel roch. Nun war klar, dass Menstruationsblut nicht stinkt. Vielmehr sorgt das durch plastikbeschichtete Binden und Slipeinlagen hervorgerufene Klima für den Monatsmief! Auch musste ich feststellen, dass die so beliebten Flügel bei Baumwollbinden völlig überflüssig sind. Das Blut verteilt sich nicht über die ganze Binde, sondern bleibt in der Mitte. Ferner konnte ich auch nicht feststellen, dass die etwas dickeren Binden für die stärkeren Tage auftragen, geschweige denn, dass ein Klebestreifen von Nöten ist, um die Binde am Platz zu halten. In einem gut sitzenden Slip verrutschen die Stoffbinden nicht.

Seit sieben Jahren benutze ich nun fast ausschließlich waschbare Binden und Slipeinlagen aus Baumwolle und Seide. Sollte ich doch mal gezwungen sein, ein Wegwerfprodukt zu benutzen, bekomme ich sehr leicht Juckreiz und von vielen anderen Frauen erfuhr ich, dass auch sie auf Wegwerfprodukte allergisch reagieren.

Meine Binden sind nun schon viele Jahre alt und werden noch viele Jahre halten. Nach dem Benutzen lege ich sie in kaltes Wasser und bei der nächsten Koch- oder 60-Grad-Wäsche sind sie mit dabei. Natürlich verwende ich ein umweltfreundliches Waschmittel, damit keine Duftstoffe oder andere Substanzen zurückbleiben, die die Haut reizen könnten. Ich bewahre die Binden im Badezimmerschrank auf, wo sie bis zur nächsten Monatsblutung warten. Es gibt schon genug Dinge im modernen Leben, die man immer besorgen muss. Binden, Slipeinlagen und Tampons gehören für mich schon lange nicht mehr dazu. Pilzinfektionen bekomme ich höchstens noch, wenn meine Scheidenflora durch die Einnahme von Antibiotika gestört ist und auch dann erweisen sich die kochbaren Slipeinlagen als ausgesprochen nützlich!

Meine Einstellung zu meinem Körper hat sich zudem positiv verändert, da ich mich nicht mehr jeden Monat einige Tage vor mir ekeln muss und als I-Tüpfelchen belaste ich die Umwelt nicht durch ein nicht recyclefähiges Wegwerfprodukt, das schon bei der Herstellung wertvolle Ressourcen verbraucht und die Gewässer belastet.

Dieser Artikel erschien erstmals im Juni 2005 auf Geburtskanal


WEITERFÜHRENDES:

Herstellerinnen
Kulmine Stoffbinden: kulmine.de (Deutschland)
Lunapads: lunapads.com (Canada)
Urban Armor: urban-armor.org (Canada)
Pleasure Puss: pleasurepuss.com (Australia)

Literatur
Gabriele Pröll: Meine Tage - Quelle weiblicher Kraft und Intuition (Bauer Verlag)
Dagmar Margotsdotter-Fricke: Menstruation - Von der Ohnmacht zur Macht (Christel Göttert Verlag)
Luisa Francia: Drachenzeit (Verlag Frauenoffensive)
Jutta Voss: Das Schwarzmond-Tabu (Kreuz-Verlag)

Links
www.rotermond.de
www.mum.org


FOTO: © Kulmine Stoffbinden



Du kannst ...  ...diesen Artikel ausdrucken  ...diesen Artikel an eine Freundin senden   ...diesen Artikel mit einem Lesezeichen versehen

Kommentare unserer Leserinnen...*

Du kannst ...: einen Kommentar schreiben
*Natürliche Hygieneartikel - Wie? Was? Warum?


Anja Waldmann
05.04.06 11:30

Ein Erfahrungsbericht zum Umgang mit der Menstruation

"Endlich eine Alternative" oder "Davon habe ich schon mal gehört, konnte sie aber nicht finden" oder "So etwas Altmodisches muß doch nun nicht auch noch sein" oder oder oder. - Die Reaktionen auf Stoffbinden sind so vielfältig wie Frauen sind.

dieser Kommentar wurde automatisch erstellt, damit Forenbesucherinnen zum Artikel finden und den Zusammenhang verstehen


Moderatorin benachrichtigenModeratorin benachrichtigen Auf diesen Beitrag antwortenantworten

*Re: Natürliche Hygieneartikel - Wie? Was? Warum?


Gästin
05.04.06 11:33

hallo,
ein super artikel!
ich benutze selbstgemachte aus frottee( ganz weich)
und manchmal auch kleine naturschwämme(gibts auch beim waschbär-versand)
liebe grüße elke


Moderatorin benachrichtigenModeratorin benachrichtigen Auf diesen Beitrag antwortenantworten

1

* Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasserinnen verantwortlich.

Wolfsmutter.com: nach oben