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DAS GESCHäFT MIT DER SCHöNHEIT© Petra M. Springer (19.03.06)
Risiken und Nebenwirkungen der Schönheitschirurgie
Immer mehr Frauen und Männer legen sich unter das Messer, um sich einem gesellschaftlich konstruierten Schönheitsideal angleichen zu lassen. Das Geschäft mit der Schönheit boomt, und ÄrztInnen zocken bei den "PatientInnen" ab.
Ab 300 Euro können bereits Falten wegretuschiert, zwischen 2.000 und 4.000 Euro die Genitalien verändert werden - ein perverser Gedanke, denkt Frau an Klitoriskastrationen, durch die Frauen bis heute verstümmelt werden. In ihrem Buch "Die Schönheitsfalle" geht Gisa Bührer-Lucke auf "Schönheits"operationen und auch auf deren Risiken und Nebenwirkungen ein.
as Cover der Publikation ziert Tizians "Venus von Urbino". Das 1538 entstandene Bild zeigt eine nackte Frau auf einem Bett liegend. Punkte und Linien, die auf das Abbild aufgezeichnet wurden, zeigen die Stellen des Körpers, die heutzutage chirurgisch verändert werden würden. Und dies betrifft in erschreckender Weise den gesamten Körper der Frau. Tizians Schönheitsideal ist somit fast 600 Jahre später out.
Das Buch ist in mehrere Kapitel gegliedert. In einer Art Zeitreise geht die Autorin auf verschiedene Schönheitsrituale (beispielsweise unzählige Messingringe am Hals der Frauen aus Burma, schwarz gefärbte Zähne der Japanerinnen, Füßeeinbinden der Chinesinnen) beziehungsweise auf Schönheitsideale von der Altsteinzeit bis heute ein. Das Schönheitsideal 25.000 Jahre vor unserer Zeit drückt sich in der Venus von Willendorf mit großen Brüsten, gewölbtem Bauch, runden Oberschenkeln und ausladendem Gesäß aus. Die alten ÄgypterInnen bevorzugten die schlanke Figur. Da sie aber gerne und gut aßen, erbrachen sie anschließend das zu sich Genommene (Bulimie ist somit keine Krankheit unserer Zeit). Sie hassten Körperbehaarung, die sie mit einer Mischung aus Zucker und Limonensaft entfernten. Weiters schminkten und schmückten sie sich gerne. Ein ähnliches Körperbild bevorzugten auch die alten GriechInnen. Die Symmetrie des Körpers stand im Vordergrund, wie sie es beispielsweise durch die Venus von Milo überliefert ist. Die Frauen bevorzugten helle Haut, die sie mit einer Paste aus Blei, Wachs, Öl und Eiweiß bleichten - ein nicht ganz giftfreier Vorgang. In der hellenistischen Zeit war blondes Haar begehrt, und es wurde in der Sonne oder mit Safran aufgehellt. In Rom wurde gerne gebadet, wobei ein Bad in Ziegen- oder Eselsmilch bevorzugt wurde. Es gab Sklaven, wie den sogenannten Epilator, der für die Entfernung von Körperhaaren verantwortlich war. Die Frauen trugen ein Strophium, ein Band, das die Brust stützte, einen Vorläufer des Büstenhalters. Bereits damals wurde Schönheit mit Jugend in Verbindung gebracht. Im Christentum wurde der "sündige" Körper zunehmend tabuisiert und unter weiten Gewändern versteckt. In der Gotik war das öffentliche Baden verpönt, wodurch die Hygiene auf der Strecke blieb. In der Renaissance war der nackte Körper auf der MalerInnenleinwand wieder erlaubt. Auch hier wurde ein heller Teint bevorzugt, wodurch die giftige Bleipaste wieder zum Einsatz kam. Weniger Bemittelte würgten eine Masse aus Kohlenstaub, Kerzen, Kies und Asche hinuter und erbrachen anschließend, wodurch das Gesicht ebenfalls bleich erschien. Um die Augen glänzender erscheinen zu lassen, wurde Tollkirschensaft ins Auge getropft, was zur Erblindung führen konnte. Zu dieser Zeit wurde in Spanien das Korsett erfunden, das Folterinstrument für Frauen. In Barockzeit war Üppigkeit gefragt. Hygiene war ein Tabuthema, Körperausdünstungen wurden mit Duftstoffen überdeckt. Gebleichte Gesichter mit roten Flecken auf den Wangen wirkten maskenhaft. Während des Biedermeier wurde Schminke stark reduziert eingesetzt. Reinheit wurde zur Tugend erhoben. Seit Beginn der Industrialisierung verändern sich Schönheitsideale viel schneller. Die ersten Schönheitswettbewerbe wurden abgehalten, lange Haare fielen dem Bubikopf zum Opfer, und Diätwellen begannen. In den 30er Jahren war Schminken verpönt; der asexuelle Frauentyp wurde bevorzugt. Nach den grau-tristen Kriegsjahren wurden bunte Farben in. Frauenbilder wechselten zwischen dürr (Twiggi) und kurvig. Der Minirock wurde erfunden, und Magersucht tauchte verstärkt auf. Im 21. Jahrhundert ist eine schlanke Figur mit Betonung der Oberweite und schmaler Taille gefragt. Wer diesem Schönheitsbild nicht entspricht, lässt sich operieren.
Bührer-Lucke analysiert den Begriff Schönheit. Leider beruft sie sich auf soziobiologische Ansätze: Schönheit hat mit Fortpflanzung zu tun. 24,4 Jahre ist das ideale Alter der Frau für die Fortpflanzung. Für diese bevorzugen sie den Typus Mann mit kantigem Profil und kräftigen Muskeln - der somit einen hohen Testosteronspiegel aufweist. Für die Aufzucht des Nachwuchses dagegen wählt die Frau einen Mann, mit eher weiblichen Komponenten.
Im Kapitel über den Schönheitswahn beschreibt sie prominente "Vorbilder", die sich für die Schönheit unters Messer legten. Die Autorin weist nach, dass "Schönheits"operationen nicht mehr nur Frauensache sind, sondern dass immer mehr Männer diese an sich vornehmen lassen: Deren Motivation ist ihre berufliche Konkurrenzfähigkeit.
In Operationen von A bis Z geht die Medizinjournalistin auf die Geschichte der plastischen Chirurgie ein und zählt die verschiedenen Arten von Operationen auf. Weiters zeigt sie deren Risken und Nebenwirkungen auf und gibt Tipps, auf was beim Gespräch mit der Ärztin bzw. dem Arzt beachtet werden muss. Eine Operation kann nicht nur problemlos verlaufen. Allgemeine Risken sind unter anderem. Störungen des Herz-Kreislauf-Systems, Beatmungsprobleme oder allergische Reaktionen auf Narkosemittel. Die Operation kann auch verpfuscht werden. Statt des gewünschten Ergebnisses ist die/der Operierte entstellt.
Schlimmstenfalls kann der Eingriff zum Tode der Patientin oder des Patienten führen.
Auch die prominentesten ÄrztInnen, die aus dem Fernseher sprechen, sind nicht immer die Besten. Oft ist schnell verdientes Geld Grund für eine Operation. Häufig ist eine Investition in eine psychotherapeutische Beratung angebrachter als eine Operation. Erfahrungsberichte operierter Personen beziehungsweise Interviews mit Ärzten in dem Buch zeigen, dass frau/mann sich nicht leichtfertig operieren lassen soll und sich unter allen Umständen, wenn überhaupt, unter die Hände von erfahrenen ChirurgInnen legen sollte, denn SchönheitschirurgIn darf sich jede/r Arzt auf den Kittel heften. Abschließend rät Bührer-Lucke den LeserInnen des kritischen Sachbuches zur "Schönheits"chirurgie: So zu bleiben, wie sie sind! Dem kann ich mich nur anschließen. Das Buch ist empfehlenswert für all jene, die mit dem Gedanken spielen, sich einer "Schönheits"operation zu unterziehen. Leider hat die Autorin teilweise schlecht recherchiert: So schreibt sie beispielsweise über den Existenzialismus, dass diese intellektuelle Bewegung 1968/69 in den Studentenunruhen gipfelte.
Gisa Bührer-Lucke war über viele Jahre als Ressortleiterin für Medizin bei einer großen Frauenzeitschrift tätig und lebt heute als freie Autorin in der Nähe von Bremen, wo sie ein eigenes Pressebüro unterhält. Im Orlanda Frauenverlag erschienen von ihr bereits Nie wieder Blasenentzündung und Wechseljahre ohne Hormone.
 Gisa Bührer-Lucke Die Schönheitsfalle Risiken und Nebenwirkungen der Schönheitschirurgie
Orlanda Verlag, Berlin 2006 120 Seiten, broschiert €D 12,50 / €A 12,90 / sFr 22,00 ISBN 3-936937-30-3
Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)
Kommentare unserer Leserinnen...* Du kannst ...:   Das Geschäft mit der Schönheit

Petra M. Springer
23.03.06 14:06
Risiken und Nebenwirkungen der Schönheitschirurgie
Immer mehr Frauen und Männer legen sich unter das Messer, um sich einem gesellschaftlich konstruierten Schönheitsideal angleichen zu lassen. Das Geschäft mit der Schönheit boomt, und ÄrztInnen zocken bei den “PatientInnen» ab. dieser Kommentar wurde automatisch erstellt, damit Forenbesucherinnen zum Artikel finden und den Zusammenhang verstehen
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 Re: Das Geschäft mit der Schönheit
Gästin 23.03.06 14:13
Menschen lassen sich schnitzen als wären sie aus Holz ... und meinen dabei, sie sind es nicht, aus Holz nämlich ... aus einem Holzklotz können nicht beliebig viele neue andere Figuren geschnitzt werden, irgendwann ist Sense und dann kommt der Ofen.
als es 'nur' darum ging, welche Rocklänge 'in' war, reichten Grundkenntnisse im Schneidern aus, um zu verlängern oder zu verkürzen. als es 'nur' darum ging, das richtige Gewicht auf die Waage zu bringen, reichten Grundkenntnisse in Ernährungswissenschaften aus, um sie wegzuhungern oder anzufressen, es gibt ja Menschen, die können ihr Gewicht wirklich auf Wunsch ändern, so scheint es.
jetzt geht es 'nur' darum, hier einen Knochen zu brechen, dort ein Augenlid zu lupfen, hier etwas dazu und dort etwas weg - und was machen all die enthöckerten-NasenträgerInnen, wenn aus irgendeiner modischen Laune heraus Höcker auf der Nase plötzlich ultracool werden - einfach weil kein andere so aussieht?
... und vor allem ... was wird aus all diesen Gestalten, wenn sie altern ... und das tun sie bekanntlich jeden Tag ... "Der Tod steht ihr gut" ist ein schöner Film zum Thema
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 Re: Das Geschäft mit der Schönheit
Gästin 24.03.06 20:31
Sehr geehrte Frau Springer,
soeben habe ich Ihren Artikel zu meinem Buch "Die Schönheitsfalle" gelesen. Als Autorin dieses Buches kann ich diesen Artikel nicht unwidersprochen lassen.
Sie schreiben "Bührer-Lucke analysiert den Begriff Schönheit. Leider beruft sie sich auf soziobiologische Ansätze". Warum denn leider? Welchen Ansatz hätten Sie denn favorisiert? Je wissenschaftlicher eine Betrachtung, desto verständlicher die Thematik in ihrer Ursache und der Entwicklung. Emotionale oder einseitige Sichtweisen sind da wenig hilfreich. In einer vollständigen Rezension hätte an dieser Stelle dann zumindest ein Vorschlag gestanden, welche Ansätze die Autorin nach Ansicht der Rezensentin hätte machen sollen. Das aber fehlt völlig.
Desweiteren heißt es in Ihrem Text "Leider hat die Autorin teilweise schlecht recherchiert: So schreibt sie beispielsweise über den Existenzialismus, daß diese intellektuelle Bewegung 1968/69 in den Studentenunruhen gipfelte."
So verhält es sich mitnichten, da hat die Verfasserin des Artikels schlecht gelesen. Im Text heißt es wörtlich "Wer sich von dieser stark optisch orientierten Gesellschaft abgrenzen wollte, trug Schwarz und Brille, las Sartre, hörte französische Chansons und verbrachte seine Abende über den Existenzialismus diskutierend in verqualmten Jazzkellern. Diese intellektuelle Bewegung gipfelte 1968/69 europaweit in den Studentenunruhen."
Daß mit der intellektuellen Bewegung nicht der Existenzialismus gemeint ist, sondern die, die darüber diskutierten, hat sich der Verfasserin des Artikels offenbar nicht erhellt.
Im übrigen verhält es sich wie oben. Wenn Sie der Meinung sind, daß etwas falsch ist, verlangt jede fundierte Rezension die Richtigstellung. Mit Behauptungen alleine ist es nicht getan.
Mit freundlichen Grüßen
Gisa Bührer-Lucke
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 Re: Das Geschäft mit der Schönheit
Gästin 27.03.06 10:34
Sehr geehrte Frau Gisa Bührer-Lucke,
ich halte Ihren soziobiologischen Ansatz heutzutage für unangebracht und antifeministisch. Dass Schönheit mit Fortpflanzung zu tun hat, kann ich in poststrukturalistischen Zeiten und als Lesbe nicht stehen lassen. Dies ist eine einseitige Sicht, dem ein ganzes Kapitel ("Alles eine Frage der Evolution») gewidmet ist. Dieses ist m. E. zu essentialistisch, heteronormativ und zwangsheterosexuell angelegt. Iterierbarkeit hat m. E. eine subversive Kraft (eine Subversivität, wie sie sich beispielsweise bei der französischen Künstlerin Orlan zeigt, die sich operieren ließ), in diesem Kontext handelt es sich aber um ein Festhalten an soziobiologischen Ansätzen, die nicht hinterfragt werden. "Schönheit hat nur einen Nutzen: Fortpflanzung.» bzw. "Im Kontext der Fortpflanzung gehen Schönheit und Symmetrie Hand in Hand [...] Wie viel Schönheit mit dem Bedürfnis nach Fortpflanzung zu tun hat, belegen Verhaltensforscher [...].» Was ist mit einer 70jährigen Frau, die sich liften lässt? Geht es da auch um Fortpflanzung? Ist bei Frauen grundsätzlich der Gebär- und Fortpflanzungs"trieb" im Ubw angelegt? (Aufgrund der aktuellen politischen Diskussion sehr gefährlich.) Ich bin verwundert, dass derartige Thesen in einem Verlag publiziert werden, der heute noch Frauenverlag heißt und sich einmal als feministisch verstanden hat.
"Je wissenschaftlicher eine Betrachtung, desto verständlicher die Thematik [...].» Als "wissenschaftlich» kann ich Ihre Publikation nicht bezeichnen, sondern als journalistische Arbeit, denn sie entspricht keinen wissenschaftlichen Kriterien und würde als wissenschaftlicher Text ein Plagiat darstellen.
Ich denke nicht, dass es die Aufgabe einer Rezensentin ist, andere Vorschläge zu liefern, da könnte sie ja gleich ein Buch publizieren. Ich denke, LeserInnen wissen heutzutage, was gemeint ist, wenn ich Essentialismus kritisiere.
Wie würden Sie die schwarz gekleideten, den Existenzialismus diskutierenden und Chansons hörenden Menschen bezeichnen, wenn nicht als ExistenzialistInnen – oder waren "nur» Sartre, Camus, Beauvoir, Merleau-Ponty... ExistenzialistInnen? Welche intellektuelle Bewegung gipfelte 1968/69 europaweit in den "Studentenunruhen"? Gingen sie von den Intellektuellen aus, die Sartre lasen, schwarz gekleidet und somit ExistenzialistInnen waren, den es vor allem in Frankreich gab? Es liest sich für mich so, als ob ExistenzialistInnen oder, wenn ich beim zweiten Satz und Ihrer Aussage bleibe, "diese Intellektuellen» diese StudentInnenunruhen angestiftet hätten. Das ist mir einfach zu knapp definiert. Diese Behauptung gehört klarer begründet, denn Ausgangspunkt war die Antikriegsbewegung, vor allem die gegen den Vietnamkrieg. Es würde den Umfang einer Rezension sprengen, die Entstehungsgeschichte der StudentInnenunruhen im Kontext einer Rezension über ein Buch über "Schönheits»operationen zu beschreiben. Außerdem ist m. E. der Begriff Unruhen viel zu negativ. StudentInnenbewegung oder 68er-Bewegung wäre angebrachter – aus diesem Kontext heraus entstand dann auch die zweite Frauenbewegung, was ja so negativ nicht war... oder sind Sie hier vielleicht anderer Meinung? Ich verstehe natürlich, was Sie mit den zwei Sätzen meinen, aber ich denke, LeserInnen, die von der 68er-Bewegung nichts wissen, glauben dann, dass die "Studentenunruhen» von diesen Intellektuellen ausging und nichts mit der Antikriegsbewegung zu tun hatten. Für mich ist dies einfach eine viel zu verknappte Darstellung.
Es tut mir leid, wenn ich Ihnen mit meiner Kritik zu nahe getreten bin.
Mit freundlichen Grüßen
Petra Springer
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 Re: Das Geschäft mit der Schönheit
Gästin 04.04.06 13:56
Wie kann ich als "GAST" (und nicht als "GÄSTIN") an der Diskussion teilnehmen?
Phillip
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 Ver(w)irrte Gäste im Frauenforum

RoterRubin
04.04.06 16:19
"Wie kann ich als "GAST" (und nicht als "GÄSTIN") an der Diskussion teilnehmen?"
Gar nicht!
Das ist ein Frauenforum in einem Frauenportal!
RoterRubin
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