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Männerfussball ist ...

© Üri (20.06.06)


Sport

Eine feministische Position zur Fußball-WM 2006

"Die Welt zu Gast bei Freunden" lautet der Slogan der 18. Fußballweltmeisterschaft der Männer, die derzeit in Deutschland stattfindet. Während für die einen Ball und Rubel rollen, überlegen andere, meist Frauen, wie sie dieser gewalttätigen Stimmung entkommen können und was sie ihr entgegensetzen.



WM 2006 fällt aus, Grafik: RoterRubin für Wolfsmutter.com

ie Welt zu Gast bei Freunden" lautet der Slogan der 18. Fußballweltmeisterschaft der Männer, die vom 9. Juni - 9. Juli 2006 in der BRD stattfindet. 32 Mannschaften treten in 64 Spielen gegeneinander an. In 12 Austragungsorten sind die Stadien hochsaniert worden. Der Umbau und die Überdachung des Olympia Stadions in Berlin kosteten 242 Millionen Euro. Eine Summe, die auf Jahre ausreichen würde, um eine feministische Infrastruktur zu unterstützen, die sich die Abschaffung von gewaltbestimmten Lebensbedingungen von Frauen zum Ziel gesetzt hat. Frauenrechte spielen bei dieser Fußballweltmeisterschaft offensichtlich keine Rolle, auch wenn die Diskussion um die Verhinderung von Zwangsprostitution das Gegenteil suggeriert.

Für die BRD ist es aus verschiedenen Gründen von Bedeutung, Austragungsort für die Fußballweltmeisterschaft zu sein. Erhofft mann sich doch neben ökonomischen Vorteilen unter anderem einen Prestigegewinn für das Land, in dem es alltäglich rassistische Übergriffe auf Flüchtlinge und MigrantInnen gibt. Diese Übergriffe werden selten von einer größeren Medienöffentlichkeit beachtet und von den politischen und juristischen Behörden verfolgt. Das auffallend starke Medieninteresse an dem rassistischen Überfall auf Ermyas M. in Potsdam ist so in direktem Zusammenhang mit der anstehenden WM zu sehen und spiegelt das politische Interesse wider, die BRD als Land darzustellen, in dem rassistische Gewalt angemessen verfolgt wird. Während viele Frauen und MigrantInnen überlegen, wie sie der gewalttätigen Stimmung rund um das Fußballgeschehen und dem Gefahrenpotential, das von den Männerhorden ausgeht, entkommen können, richtet sich für einen großen Teil der männlichen und weiblichen Bevölkerung die Terminplanung in diesen Wochen nach den Zeiten der Spiele. Gab es sonst bei Großereignissen wie Expo 2000, Olympiade und anderen noch Widerstand und Proteste gegen die damit verbundene Verteuerung der Lebenshaltungskosten, die ‚Säuberung’ der Innenstädte und die massive Überwachung, so gibt es bis jetzt nur wenig grundsätzliche Kritik an diesem nationalistischen Großereignis mit all seinen rassistischen und sexistischen Implikationen.

... Sexismus und Zwangsprostitution

Spielball FIFA Fußball-WM 2006Zum 8. März 2006 starteten breit getragene Kampagnen gegen Zwangsprostitution, die vor allem die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, insbesondere von Männern beziehungsweise Freiern zum Ziel haben. Auch wenn diese Kampagnen unter anderem mehr Respekt für Frauen einfordern, die in der Prostitution arbeiten – fehlender Respekt für Frauen ist in dieser Gesellschaft alltäglich und in ihrer patriarchalen Struktur angelegt. Während in der Öffentlichkeit zum Teil voyeuristisch über Zwangsprostitution berichtet wird, ist es kein Thema, dass Männer Frauen kaufen. Wieso wird es als Selbstverständlichkeit betrachtet, dass bei einer Männer-dominierten Veranstaltung wie dieser Fußballweltmeisterschaft staatlicherseits für die Möglichkeit der Prostitution gesorgt wird? Da sollen sogenannte ,Verrichtungsboxen‘ direkt an die Stadien gebaut werden, damit Männer nach dem Spiel direkt vor Ort ihre ,sexuelle Notdurft‘ verrichten können. Die schwedischen Männer wurden öffentlich bemitleidet, als in Diskussion war, dass die schwedische Fußballmannschaft wegen der in der BRD erlaubten Prostitution nicht an der WM teilnehmen solle. In Schweden ist der Kauf von sexuellen Handlungen verboten.

Diese männliche ‚Sexualität’ und der alte Mythos vom ‚männlichen Trieb’, die von der Frauenbewegung als patriarchale Konstruktion und Struktur zur Legitimierung von Männergewalt entlarvt worden sind, werden im Gewand des aufgeklärten Freiers wieder neu legitimiert. Es wird suggeriert, dass mit Prostitution Gewalt verhindert werden könnte, dabei wissen gerade Frauen, dass dem noch nie so war. Weder die Legalisierung von Prostitution noch die Einführung des Gewaltschutzgesetzes haben am Ausmaß der Gewalt gegen Frauen und den bestehenden Machtverhältnissen etwas Grundsätzliches verändert. Ausbeutungsverhältnisse werden zum Normalzustand umdefiniert, der nicht hinterfragt werden soll: Sexistische Werbung, frauenfeindliche Lehrbücher, Benachteiligung bei der Berufswahl und bei der Entlohnung, Vergewaltigung in der Ehe, Lesbophobie, psychische und physische Gewalt gegen Frauen und Mädchen bis hin zur Ermordung von Frauen und ihren Kindern sind Alltag in der BRD. In dieser Gesellschaft erleben viele Frauen sexualisierte Gewalt. Als Mädchen, als Schwester, als Freundin, als Ärztin, als Sekretärin, als Haushaltshilfe, als Prostituierte. Frauen sind betroffen und/oder bedroht von Männergewalt. Alle Frauen haben unterschiedliche Strategien damit umzugehen und unterschiedliche Grenzen.

Eine Legitimation dieser Gewalt kommt nicht in Frage.

Die aktuelle Diskussion um Zwangsprostitution verstärkt das Gegenbild der ‚freiwilligen’ Prostitution, bei der Machtverhältnisse ausgeblendet sind, ganz im Sinne einer neoliberalen ,Sexkultur’, in der angeblich alles möglich ist und auf gleichberechtigter Basis stattfinden kann. Wenn hier überhaupt von ‚Freiwilligkeit’ gesprochen werden kann, dann nur im Rahmen der eingeschränkten Erwerbsmöglichkeiten, die Frauen in der BRD und in anderen Ländern vorfinden. Es geht darum, weiter für Lebensbedingungen und gesellschaftliche Strukturen zu kämpfen, in denen es keine Machtverhältnisse mehr gibt, die eine ökonomische und/oder sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen ermöglichen.

... Sexismus und Rassismus

Dient die Diskussion um ‚Zwangsprostitution‘ nicht eher migrationspolitischen Interessen, als dass es real um Bekämpfung von Frauenhandel und von Gewalt gegen Frauen ginge? In den letzten Wochen gab es vermehrt Razzien im Milieu. Dabei wurden vor allem Frauen festgenommen, die keine Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis haben. Diese Migrantinnen, die nur die Möglichkeit haben, ohne Papiere zu arbeiten, werden nun verstärkt abgeschoben. Auf der Grundlage des neuen Zuwanderungsgesetzes verweigert dieser Staat nach wie vor vielen Frauen, die in der BRD leben und arbeiten, einen legalen Aufenthalt. Im Zusammenhang mit der WM wurden als erstes Einreiseverschärfungen diskutiert. Offensichtlich ist nicht die ganze Welt willkommen. Die Festung Europa bleibt gerade auch während der WM bestehen. Frauenhandel ist jedoch international organisiert und geschieht häufig mit Wissen staatlicher Stellen. Er wird nicht dadurch bekämpft, dass die Migration von Frauen kontrolliert und verhindert wird. Solange die Ursachen für Migration weiter bestehen, werden Frauen ihr Recht auf Migration einfordern und umsetzen. Wir fordern Bleiberecht und offene Grenzen für alle.

... Globalisierte Ökonomie 

Spielball FIFA Fußball-WM 2006Eines ist schon jetzt sicher: Die Gewinner der WM sind die FIFA und die Sportartikelhersteller, die die Mannschaften ausrüsten. Adidas hat für den Titel ‚offizieller FIFA-Sponsor‘ 45 Millionen Euro bezahlt. Diese Summe wurde durch die Ausbeutung der ArbeiterInnen in den Zulieferbetrieben erwirtschaftet: "Beim Adidas-Zulieferbetrieb Hugger in Honduras werden die ArbeiterInnen vor der Einstellung diskriminierenden Untersuchungen unterzogen, zum Beispiel auf Schwangerschaft und auf Tätowierungen, jeweils Gründe für die Nichteinstellung. Zudem befürchten die ArbeiterInnen ihre Entlassung, wenn sie ihr Recht auf gewerkschaftliche Organisation ausüben wollen. Der angeblich verbindliche Adidas-Verhaltenskodex, nach dem diese Missstände nicht existieren dürfen, ist den meisten ArbeiterInnen nicht bekannt. Damit nicht genug: Im Adidas-Zulieferbetrieb Hugger erhalten die NäherInnen einen Lohn von 110 Euro (CIR/Kampagne für ‚saubere Kleidung‘, 9.6.2005). Das ist weniger als 1 Prozent des Verkaufspreises pro angefertigtem Sportartikel als Lohn.

Gegen Coca Cola, einen anderen Hauptsponsor der WM, wurde bereits vor einigen Jahren eine weltweite Boykottkampagne gestartet, weil Coca Cola bei der Produktion in Kolumbien von den dort herrschenden ökonomischen Bedingungen und der Repression profitiert. Seit 1996 hat es 8 Morde an Gewerkschaftsvertretern von Sinaltrail gegeben, die in dem Coca-Cola-Werk gearbeitet haben. Mit der Kampagne, die während der WM in der BRD intensiviert werden soll, wird Coca Cola aufgefordert, sich öffentlich von den Aktionen der Paramilitärs zu distanzieren und Menschen- und Arbeitsrechte zu achten und einzuhalten. Die Exklusivrechte für den Bierausschank hat der amerikanische, zweitgrößte Bierbrauer der Welt, Anheuser-Busch. Er hat dafür 40 Millionen Euro bezahlt und hofft natürlich mehr als das wieder einzunehmen. Günter Jauch und der ehemalige Nationaltrainer Rudi Völler werben gemeinsam im Fernsehen für den kistenweisen Kauf von Krombacher Bier. Für einen guten Zweck wohlgemerkt, denn ein kleiner Prozentsatz wird an das Kinderhilfswerk gespendet. Es ist, als ob der Kampf gegen das Gewaltpotenzial nach Alkoholkonsum von den Käufern nach dem Verursacherprinzip gleich zum Teil mitbezahlt werden soll.

Trotz der gravierenden Kürzungen in sozialen Bereichen und den gesellschaftlichen Umstrukturierungen wird das Projekt WM 2006 großzügig durch die öffentliche Hand mitfinanziert. Rund 1,38 Milliarden Euro wurden in neue Stadien investiert, 280 Millionen Euro alleine ins FIFA WM-Stadion München. 3,7 Milliarden Euro werden in den Straßenbau und 500 Millionen in den Kartenverkauf investiert, beziffert das Wirtschaftsministerium die finanzielle staatliche Unterstützung. Versprochen werden Arbeitsplätze und ‚touristische und wirtschaftliche Anreize‘. Wie eng Politik, Sport und Wirtschaft miteinander verflochten sind, zeigt neben der Organisationsstruktur auch die Kommerzialisierung des Fußballs selbst. Das Organisationskomitee für die Fußballweltmeisterschaft wird kontrolliert durch einen Aufsichtsrat und ein Kuratorium. Im Aufsichtsrat sitzen zum Beispiel Otto Schily und Wolfgang Schäuble. Außerdem berät der Sportausschuss des Deutschen Bundestages das Komitee. Fußball kann also als Staats-Sport bezeichnet werden. Ganz selbstverständlich wird auch in den Nachrichten als erstes über dieses Ereignis berichtet und öffentlicher Raum für den Fußballwahn zur Verfügung gestellt: Fußballtore leuchten auf Gebäuden, und Großbildleinwände werden auf zentralen Plätzen aufgebaut.

... Nationalismus und Kontrolle

Spielball FIFA Fußball-WM 2006Der deutsche Nationalismus nach 1945 hat spätestens seit 1989 noch einmal großen Auftrieb erhalten und wird von breiten Teilen sowohl der männlichen wie der weiblichen Bevölkerung mitgetragen. Im Kontext der WM entsteht eine neue Dimension von deutschem Nationalismus: Überall in der BRD springt einer das Schwarz-Rot-Gold entgegen, und in einer Zeit, in der viele durch die Verschlechterung von Arbeitsbedingungen einerseits und Sozialleistungen andererseits verunsichert sind, soll die Deutschlandflagge und das Angebot der Identifikation mit der deutschen Nation von den aktuellen politischen und strukturellen Missständen ablenken. Misstrauisch macht, wie die Diskussion um Sicherheit bei der Fußballweltmeisterschaft und den Einsatz der Bundeswehr bei diesem Männer-Ereignis geführt wird. Angesichts eines zunehmend militarisierten Alltags und einer Gewöhnung an Krieg und Gewalt erfüllen die Spiele eine wichtige Funktion in bezug auf die Schaffung eines ‚Zusammengehörigkeitsgefühls‘ und die Legitimation weiterer repressiver ‚sicherheitspolitischer‘ Maßnahmen wie die Hochrüstung der Videoüberwachung.

Wir fordern alle auf, die für eine Gesellschaft ohne Unterdrückung und Ausbeutung eintreten, gegen die strukturellen Gewaltverhältnisse Stellung zu beziehen, ihre eigene Haltung zu diesem Fußball- und Männlichkeitswahn kritisch zu überdenken und sich bewusst zu machen, was es für viele MigrantInnen und Frauen bedeutet, in diesen patriarchalen Verhältnissen zu leben. Wir fordern alle auf, einzugreifen und sich zu organisieren, statt sich zum Teil dieser sexistischen, rassistischen, nationalistischen Strukturen zu machen.

Üri (Überregionales autonomes feministisches Treffen von FrauenLesben), Mai 2006


WEITERFÜHRENDES

Kampagnen
Kampagnen gegen Zwangsprostitution - Übersicht von KOK e.V.
Fair play - Fair pay von INKOTA-Netzwerk e.V.

Kultur

www.heimspiel-2006.de
www.fussballgoettinnen.de

Artikel
Zu Gast bei Freunden von Martina Schuster, Almut Sülzle und Agnieszka Zimowska (Linksnet.de)
Die Fußball-WM und die fröhlichen Freier von Alexandra Bader (CeiberWeiber)
Abseits. WM 2006 - sul serio, Sonderausgabe Nr. 4

Bücher
Koordinationsstelle Fan-Projekte (Hg.): gender kicks - Texte zu Fußball und Geschlecht
Luisa Francia: Ballzauber. Die Magie des Fussballs, Nymphenburger Verlag, München 2006
Eva Kreisky, Georg Spitaler (Hg.): Arena der Männlichkeit. Über das Verhältnis von Fußball und Geschlecht, Campus Verlag, Frankfurt 2006



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*Männerfussball ist ...


Üri
21.06.06 22:14

Eine feministische Position zur Fußball-WM 2006

"Die Welt zu Gast bei Freunden" lautet der Slogan der 18. Fußballweltmeisterschaft der Männer, die derzeit in Deutschland stattfindet. Während für die einen Ball und Rubel rollen, überlegen andere, meist Frauen, wie sie dieser gewaltgeschwängerten Stimmung entkommen können.

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*Re: Männerfussball ist ...


Gästin
21.06.06 22:56

Viele wichtige Aspekte in diesem Text - ganz besonders wichtig erscheint mir, daß der Zusammenhang mit Sexismus aufgezeigt und der fatale Gegensatz "böse Zwangsprostitution" - "gute selbstbestimmte Prostitution" benannt wird.
Es gibt keine selbstbestimmte Prostitution!

Prostitution spielt sich in einem derart patriarchalen / androzentrischen Umfeld ab und ist derart von Gewalt und Frauenverachtung geprägt, daß es hier keine Wahl, keine Freiwilligkeit gibt und geben kann. Jede Frau wird Prostituierte unter Zwang – sei es körperlicher Zwang durch einen Zuhälter oder wirtschaftlicher. Für die individuelle Frau ist es natürlich ein Unterschied, ob sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ins Land gelockt und mit Gewalt und Vergewaltigungen zur Prostitution gezwungen wird oder ob sie es macht, weil sie kein Geld hat und glaubt, so am schnellsten etwas zu verdienen oder weil ihr Freund (der sich später als Zuhälter entpuppt) ihr was von «Schulden» vorjammert und sie es aus «Liebe» tut. Aber irgendwann stellt sie fest, daß sie nicht aussteigen kann. Das ist Zwang.
Und wie soll nach ein paar Jahren Prostitution zwischen einer ursprünglichen Zwangs- und einer ursprünglich freiwilligen Prostituierten unterschieden werden? Denn die gezwungene Frau – so sie die ersten Jahre überlebt – wird sich notgedrungen irgendwann mit der Situation arrangieren (teils aus Selbsterhaltung, teils aus Gewöhnung, teils um sich der Illusion der Selbstbestimmung hingeben und so ihre Selbstachtung erhalten zu können) und wird dann genauso schein-selbstbewußt wie jene «Berufskollegin» auftreten, die ihre Laufbahn eingeschlagen hat, weil sie Geld verdienen wollte.
In unserer Welt ist die Armut weiblich. Das bedeutet, daß in erster Linie (nicht nur – aber hauptsächlich) Frauen in die Situation kommen, sich und ihre Kinder und/oder andere Angehörige nur entweder durch Abgleiten in die Kriminalität oder in die Prostitution durchbringen zu können. Ist das freiwillig? Selbstbestimmt?
Ist eine junge Frau, die gern mit Männern schläft und leichtsinnig und dumm Schulden angehäuft hat (was ihr heutzutage ziemlich leicht gemacht wird) und die von Freundinnen oder Freunden dazu verführt wird, «rasches Geld» mit «ein bißchen Prostitution» zu machen, selbstbestimmt? Oder ist sie nicht vielmehr das Produkt einer androzentrischen Gesellschaft, die es für ganz selbstverständlich hält, daß Frauen ihren Körper und ihre Sexualität an Männer verkaufen (oder vermieten oder leasen)?
Prostitution ist Dienst am Manne – Öffnung des weiblichen Körpers für männliche Benutzung, und da gibt es keine Freiwilligkeit und keine Selbstbestimmung. Prostitution reiht Frauen in dieselbe Kategorie wie Pissoirs ein: ein notwendiges Werkzeug, um Männern Erleichterung zu verschaffen.
Das bedeutet, daß nicht nur – so wichtig dies ist – gegen Zwangsprostitution aktiv eingeschritten werden muß, unter Ausnutzung aller vorhandenen und unter Schaffung neuer gesetzlicher Mittel, sondern auch gegen die «normale» Prostitution. Statt Prostitution immer mehr zu legalisieren – womit es für Männer ganz normal wird, zu Prostituierten zu gehen und Frauen und Freundinnen sich nicht einmal mehr aufregen dürfen -, sollte Prostitution verboten werden. Allerdings nicht mit Sanktionen für die Frauen, sondern für die Freier. Eine solche Regelung gilt seit 1999 in Schweden. Etwas ganz unvorstellbares, auch für Frauen? Daß Männer für etwas zur Rechenschaft gezogen werden und nicht die von ihnen benutzten, mißhandelten Frauen!

Ich bin gerade dabei, einen Brief an den Deutschen Frauenrat zu schreiben (u.a. die obigen Absätze beinhaltend), der sehr aktiv gegen Zwangsprostitution ist (was wichtig und begrüßenswert ist!), aber dabei offenbar die "normale" Prostitution aus den Augen verliert.

Die Links finde ich sehr wichtig - danke! -, ich schaue sie mir noch näher an, ob was dabei ist, wo ich mich engagieren kann/will.

Viel Glück!
Irene


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*Re: Männerfussball ist ...


Gästin
27.06.06 14:09

Männerfußball ist ...


wenn es Fäninnen nicht gibt. Nicht geben darf. Gut, an Lesben und so haben wir uns gewöhnt. Aber Frauen - ernsthafte Fans - Fänin gar? WM ist, wenn frau so richtig plakativ mitgeteilt kriegt, wo ihr Platz in der Fänkurve ist - dahinter nämlich, in der Verrichtungsbox. Arme Männer. Am meisten aber tue ich mir selber Leid, weil ich mit euch auf dem selben Planeten leben muss. hach wie gerne würde ich auswandern oder amok laufen oder ... oder ... Ach was soll's, ich bin abgehärtet, mich haut ihr nicht mehr aus den Socken. Warum ich dann noch hier bin? Meine kleine Schwester braucht mich.


Pflichten bekommt frau so, Rechte muss frau sich nehmen. Ach ja, geht Männern auch so ... aber die sind ganz zufrieden mit ihren Pflichten, die sich als Rechte verkleiden ... nur manchmal jaulen sie ... Unterhalt sollen sie zahlen ... aber ein 'Babe' wollen sie doch, eine kleine, zuckerschnute, perle, die nicht auf eigenen Füßen stehen kann, damit sie nicht abhaut ... aber das ist nicht meine Baustelle. Ich nehme mir jetzt erstmal das Recht, eine Fänin zu sein. Das ist schwer genug und lastet voll aus

Undine


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*Re: Männerfussball ist ...


Gästin
01.08.06 10:26

Hallo Irene,

danke für dein klares Plädoyer gegen jegliche Art von Prostitution! Das hört eine heutzutage ja viel zu selten... Ich finde, wir sollten diese Debatte auch im deutschsprachigen Raum wieder mehr anheizen!
Ich war neulich auf einer Veranstaltung von Amnesty International. Gesprochen hat eine Mitarbeiterin von Solwodi, der Verein, der sich um Zwangsprostituierte und deren Ausstieg kümmert. Amnesty hat ja mitgemacht bei der Kampagne gegen Zwangsprostitution im Zusammenhang mit der WM. Auf dem Faltblatt über die Kampagne, das ich erhielt, der Zusammenschluss war unter anderem mit einem Verband der Sexindustrie, stand als Stellungnahme: "..diese Kampagne richtet sich ausdrücklich nicht gegen die legale Prostitution..."
Das finde ich ein Problem. Hier wird doch tatsächlich von Amnesty Partei ergriffen für eine pro-Prostitutions-Kultur!!
Die Frau von Solwodi hat übrigens ihre Vorbehalte und Kritik gegenüber dem Glauben (anders kan ich es nicht nennen) an eine "selbstbestimmten Prostitution" ausgedrückt und sich somit deutlich und postitiv von den Bekundungen der Kampagnenmitglieder abgesetzt.

Viele Grüße,
Granada


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