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MAGAZIN

HELLWACH - BEI GEWALT AN FRAUEN

© Carla Knapp und Angela Zwettler (24.07.06)


Politik & Gesellschaft

Eine kunstpolitische Intervention in Tirol

Die Künstlerinnen Carla Knapp und Angela Zwettler machen derzeit in Tirol mit ihrem Projekt hellwach auf das Thema Gewalt an Frauen aufmerksam. Dabei nutzen sie den öffentlichen Raum als Ausstellungs-, Aktions- und Präsentations-Ort.



hellwach - Leuchttafel

Hintergrund

Das Projekt hellwach - bei Gewalt an Frauen wurde im Rahmen der Ausschreibung: "don't take it private, take it politically!" von der Tiroler Kulturinitiative gefördert.

Inhaltliches

Unser Projekt ist eine kunstpolitische Intervention im öffentlichen Raum zum Thema "Gewalt an Frauen". Es verortet sich an der Schnittstelle zwischen Kunst, Soziales und Politik. Trotz verschiedenster Kampagnen seitens der feministischen Frauenbewegung und der Politik, wird das Thema weiterhin in die Privatheit abgedrängt. hellwach nutzt den öffentlichen Raum als Ausstellungs-, Aktions- und Präsentations-Ort um das Thema Gewalt an Frauen zu transportieren. Das autonome Tiroler Frauenhaus - Schutz- und Wohnraum für misshandelte Frauen und Kinder - kämpft seit Jahren ums finanzielle Überleben. hellwach versteht sich als Unterstützung dieser Einrichtung inmitten der aktuellen brisanten Diskussion um das weitere Bestehen (siehe: www.frauenwehrensich.at). Wir schließen uns den Forderungen nach Erhalt der Autonomie und politischen Unabhängigkeit mit allem Nachdruck an sowie einer Bestandsgarantie in Form einer ausreichenden Sockelfinanzierung.

Umsetzung

Aufstellen einer Leuchttafel
Mit den Mitteln der Werbung - einer 3 x 1,5 Meter großen Leuchtreklame - bedienen wir uns der urbanen "Logo-Kultur" und irritieren das Zufallspublikum des städtischen und ländlichen Alltags mit der Inschrift "hellwach bei Gewalt an Frauen - observe you - we observe you - we observe". Kunst und Lebensrealität vermischen sich, zufällige Konfrontationen und Kommunikations-Prozesse entstehen.

Verteilen von Glückskeksen
In den Keksen befinden sich - anstelle der gewohnten Glücksbotschaften - Statements zu Gewalt an Frauen. Durch die Kekse packen (backen) wir das Thema Gewalt an Frauen in eine witzige, paradoxe, irritative Form. Im Sinne des chinesischen Widerstandes des 13./14. Jahrhunderts, als mit Hilfe von Geheimbotschaften in Glückskeksen die Mongolen aus China vertrieben wurden, nutzen auch wir die "Kekse mit Inhalt", um "Botschaften gegen Männergewalt ins Tiroler Ober- und Unterland zu schmuggeln". Durch die Einbeziehung verschiedener Verteilersysteme wie Fraueninitiativen, Kulturzentren, soziale Einrichtungen und Lebensmittelketten wie MPREIS werden die Glückskekse in ganz Tirol präsent sein.

Projektabfolge

Reise der Werbetafel durch Tirol
Zum Auftakt haben wir uns die Brüstung des Tiroler Landesmuseums in Innsbruck ausgesucht, wo die Tafel seit 12. Juli 2006 montiert ist und sechs Wochen lang vom Balkon des Museums aus das Innsbrucker Stadtbild verändert. Damit wird das Thema "Gewalt an Frauen" Tag und Nacht weithin sichtbar in den öffentlichen Raum getragen und die brisante aktuelle Diskussion rund um den Fortbestand des autonomen Tiroler Frauenhauses weiter in der Öffentlichkeit gehalten. Danach wird die Tafel in verschiedenen Tiroler Städten und Gemeinden sowie bei Kultur- und Sozialeinrichtungen für einige Zeit an einem zentralen Platz angebracht sein. Durch die Präsenz der Leuchtinstallation ist das Thema "vor Ort" und diskutierbar. Dabei ist der Prozess der Auseinandersetzung gerade mit konservativen Städten und Gemeinden spannend. Die Anträge zur Aufstellung der Leuchtinstallation initiieren Debatten zum Thema "Gewalt an Frauen", wo diese in der Regel im (dörflichen) Gemeinderat eher tabuisiert wird.

"Sagen, was ist - verändert die Welt" (Hannah Arendt)

Realisierung

Das Projekt hellwach stößt bei den FördergeberInnen auf großen Zuspruch, doch folgen dem positiven Interesse wenig finanzielle Taten. Trotz intensivster Bemühungen ist das Projekt derzeit noch nicht ausfinanziert. Das Frauenministerium hat uns € 500.- "Anerkennungspreis" zugestanden. Die BKA Kunstsektion hat uns komplett abgelehnt. Wir wurden zwischen Bund und Land Tirol hin- und hergeschickt. Die SponsorInnen waren erfreut, dass wir uns des Themas annehmen, wollten oder konnten letztendlich aber fast keine finanziellen Mittel zur Verfügung stellen. Angesichts der geringen Fördermittel und der hohen Materialkosten können wir das Projekt in der ursprünglich geplanten Form nicht realisieren. Von den geplanten 5.000 Glückskeksen können wir max. 2.000 - 3.000 Stück anfertigen lassen. Und die große "Reise der Leuchttafel" durch Tirol mussten wir verkürzen und planen nun folgende Stationen:

  • 1. Station: expliziter Kunstraum: Tiroler Landesmuseum
  • 2. Station: dörflicher, ländlicher Raum auf dem Dorfplatz (neben Kirche und Gasthaus)
  • 3. Station: Wiese neben dem Festspielhaus in Erl
  • 4. Station: Kulturzentrum

Die spannende und politisch wichtige Auseinandersetzung mit den Tiroler Städten und Gemeinden und die weite "Reise von hellwach" ist derzeit nicht möglich.

hellwach - Sujet: Angela ZwettlerVeranstaltungen

Präsentation von hellwach: Freitag, 4. August 2006
vor dem Tiroler Landesmuseum in Innsbruck

Kurz-Trip von hellwach: September bis November 2006
durch Tirol

Abschlussveranstaltung: rund um den 25. November 2006 (Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen)
gemeinsam mit dem Tiroler Frauenhaus und dem ArchFem Innsbruck


Website: www.hellwach.info

Projektverantwortliche:
Angela Zwettler: +43 (0)699 12482306 · zwettangel@chello.at
Carla Knapp: +43 (0)676 5063385 · carla.knapp@chello.at

Spenden sind herzlich willkommen!
Carla Knapp/hellwach · Bank Austria/CA · Konto: 50 188 586 801 · BLZ: 12 000


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