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Heilend berühren oder krank kopulieren© Gerlinde Knaus (15.10.06)
"Verhinderte Sexualität"
Sexualassistenz als spezieller Sex-Service für Behinderte ist wild umstritten. Die Vorstellung, dass so genannte Sex-Helpers, meist Frauen, für Geld selbst aktiv "Hand anlegen", löst Befremdung aus und konfrontiert gleichzeitig mit dem beschränkten gesellschaftlichen Umgang von Sexualität.
Die in Berlin lebende Sexualassistentin, Nina de Vries, arbeitet überwiegend mit geistig behinderten Männern und sie kann Bände über die "verhinderte Lust" erzählen. Wie in anderen europäischen Ländern ist dieses Thema auch in Österreich ein Tabu. Geht es nach der Behindertenorganisation "alpha nova" wird diese "Dienstleistung" in der Steiermark bald angeboten.
ina de Vries arbeitet seit zehn Jahren als "Sexualbegleiterin" und bietet erotische, sinnliche Berührungen an. Zu ihren Klienten gehören fast ausschließlich geistig behinderte Männer. Warum das so ist, darüber kann man/frau nur spekulieren, meint Nina de Vries, denn ihr Angebot gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Gelegentlich arbeitet sie auch mit Frauen. Sie erzählt von C., die 32 Jahre alt war, als Nina de Vries sie kennen lernte. "Sie ist in einem Heim aufgewachsen und irgendwann durch Umstände und Missverständnisse, die ich nicht genau kenne, in der Psychiatrie gelandet, wo sie ganz klar nicht hingehört", berichtet de Vries. C. werde als "geistig behindert" eingestuft. Sie habe stark autistische Züge. Sie kommuniziere mit Tönen/Mimiken und teilweise mit Gebärden. Jetzt lebe sie seit einiger Zeit in einem "Enthospitalisierungsprojekt" (Anmerkung der Autorin: sozial therapeutisches Wohnen) in Berlin. Dort wurde beobachtet, dass sie sich oft längere Zeit auf die Toilette zurückgezogen hätte, um zu masturbieren. "Sie fand keinen Weg dies erfolgreich durchzuführen und deshalb war sie meistens sehr unausgeglichen. Sie hat eine starke Tendenz zur Auto-Aggression", so de Vries. "Mein Auftrag war es ihr eine Technik der Selbstbefriedigung zu vermitteln. Nach der ersten Sitzung war mir klar, dass ich mit ihr nur wirklich in Kontakt kommen kann, wenn ich sie öfter und mit einer gewissen Regelmäßigkeit besuche. Ich habe dann mit ihr vier Monate lang einmal wöchentlich gearbeitet. Es fand aus irgendeinem Grund sofort ein sehr herzlicher und guter Kontakt zwischen uns statt. Ich mochte sie und habe mich dafür interessiert, sie besser kennen zu lernen." C. wird von Nina de Vries als eine Frau mit einem starken Willen und einem sehr heftigen/feurigen Temperament beschrieben. "C. konnte vieles verstehen, was ich zu ihr sagte und sie konnte sich mit kleinen Unterbrechungen zwischendurch (Zwangshandlungen) voll und ganz unseren Begegnungen widmen." Nina de Vries zeigte ihr in den Sitzungen "ein paar Sachen", anfangs ausschließlich an ihrem eigenen Körper. "Ich habe sie massiert und wir waren auch zusammen in der Badewanne. Unser Zusammensein war behutsam und immer auch verspielt. Irgendwann habe ich ihr einen Vibrator gezeigt und wie man damit umgeht." Dies konnte sie zwar nicht direkt umsetzen, trotzdem glaubt Nina de Vries, dass die Treffen eine Bereicherung für C. dargestellt haben. Dass C. insgesamt "zufriedener" wurde, bestätigte auch ihr Betreuer, der Nina de Vries für diese Hilfestellung aus einer gewissen Ratlosigkeit heraus engagierte. Die Betreuer der Einrichtung, in der C. jetzt lebt, wussten natürlich um die sexuelle Not von C. Sie wäre vor den Begegnungen mit Nina de Vries "immer sehr ruppig mit sich selber umgegangen". Dies hätte sich durch den intimen Kontakt zur Sexualbegleiterin grundlegend geändert.
Ausgeschlossen sind Geschlechtsverkehr und Oralsex
Nina de Vries hat eine Menge solcher "Erfolgsgeschichten" auf Lager und sie weiß, wie groß das Bedürfnis nach Berührung ist. Sie fühlt sich dieser Arbeit durch "jahrelanges Training in einer therapeutischen Gemeinschaft in Holland" gewachsen. Schwerpunkte dieses Trainings mit vielen buddhistischen Elementen waren Körperarbeit, emotionale Arbeit, Beziehungen, Sexualität – "kurz gesagt eine Schule, in der Kunst, ein Mensch zu sein", so de Vries. Seit 1990 lebt sie in Berlin, wo sie ursprünglich als Künstlerin und danach als Erzieherin in einem Rehabilitationszentrum tätig war. Später begann Nina de Vries mit ihrer Tätigkeit als Sexualassistentin. In so einer Sitzung sind außer Massagen auch Körperkontakte, streicheln, umarmen möglich. Geschlechtsverkehr und Oralkontakt bietet Nina de Vries nicht an. "Auch ohne die letzten zwei Varianten ist ein intimes, erotisches Erlebnis möglich." Wenn es gewünscht wird, bringt die Sexualassistentin Menschen mit ihrer Hand zum Orgasmus. Für nicht wenige, so erzählt sie, ist es überhaupt der allererste sexuelle Kontakt in ihrem Leben und sie wollen, wie im Fall C. unterrichtet werden, wie sie masturbieren. Besonders wichtig und elementar sei für sie die "Achtung vor jedem Klienten." Dies schließe alles mit ein: die Herkunft, die persönlichen Bürden und Lasten sowie die gemachten Erfahrungen und ihre Verarbeitung. Keine einfache Sache, denn von Vorbehalten und Missverständnissen rund um die Sexualität kann Nina de Vries ein Lied singen. Auf einem Kongress "Sexualität und Behinderung" in Nürnberg gibt sie einer Journalistin ein Interview. Ganz am Ende fragt diese ganz erstaunt: "Sie sind wirklich nackt mit diesen Menschen? Obwohl wir bestimmt schon zwanzig Minuten geredet haben, ist es ihr anscheinend doch nicht ganz klar gewesen, worüber wir uns eigentlich unterhielten," so de Vries. Dass aus dieser Sache etwas Großes in der Öffentlichkeit gemacht wird, versteht sie eigentlich gar nicht, denn die Ansicht, dass Sex etwas Spektakuläres sei, beruhe auf einem Missverständnis. "Es ist eine Tatsache, dass wir aus Sex entstanden sind...Die Prozesse, die da stattgefunden haben, um diesen Körper zu ‚produzieren’ sind unglaublich, genial und zutiefst berührend, weil sie so klar machen, dass wir hilflos diesem Wunder sind, das Leben heißt," ist de Vries überzeugt. "Also Sex ist unsere Grundlage und obwohl man die Prozesse als umwerfend einstufen könnte, ist es gleichzeitig eine vollkommen natürliche Sache."
Sexualassistenz auch in Österreich ein Thema
Der Medienrummel um Nina de Vries ist groß, seit sie sich als Sexualassistentin "geoutet" hat. Sie wird zu Talkshows eingeladen, es gibt eine Reihe von Fernsehdokumentationen in der Schweiz und in Deutschland. Österreichs Medien geben sich etwas zurückhaltender (2003 "Bei Stöckl" und "Kreuz und quer" und 2004 "Datum"). Zahlreiche Anfragen kommen allerdings von verschiedenen Organisationen, die mehr über Sexualassistenz wissen wollen. Vor kurzem hielt sie einen Vortrag mit dem Titel "Die schönste Sache der Welt....?! Den Körper entdecken - Sexualität erleben. Sexualbegleitung für Menschen mit geistiger Behinderung" im Rahmen des Projektes "Flirtability" an der Klagenfurter Universität. Die Projektverantwortlichen haben in der Kärntner Landeshauptstadt den regelmäßig stattfindenden "1. Flirt-Stammtisch für Menschen mit Behinderungen" ins Leben gerufen. Denn die größte Hürde für behinderte Menschen ist, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. "Flirtability" will gleich gesinnten Menschen die Möglichkeit bieten, "miteinander zu kommunizieren, gemeinsam die Freizeit zu gestalten oder vielleicht sogar die Partnerin oder den Partner fürs weitere Leben zu finden. In Vorarlberg beschäftigt sich die Kreativwerkstatt "reiz.at - für mehr Lebenskompetenz" intensiv mit dem Thema Sexualassistenz.für Menschen mit Behinderungen. Darüber hinaus gibt es in Österreich Internetplattformen und Partnerbörsen, wie beispielsweise wiend.at (Wien und Wind), um behinderten Menschen die Kontaktaufnahme zu Gleichgesinnten zu ermöglichen. SexualassistentInnen gibt es in Österreich bislang noch keine. Das soll sich bald ändern, denn in der Steiermark plant man/frau mit einem Lehrgangstart konkrete Schritte.
Steiermark: Libida
In der Steiermark bastelt man schon seit zehn Jahren an einem entsprechenden Angebot für Behinderte. Thomas Wögerer, Geschäftsführer von alpha nova, eine der renommiertesten Behindertenorganisationen in der Steiermark, und sein Team möchten auf die bisherigen Erkenntnisse einer beinah zehnjährigen "Vorbereitungszeit" aufbauen und dieses "heiße Eisen" nun endlich anpacken. "Sexualität gehört zum Mensch-Sein und es stellt sich die Frage, ob behinderte Frauen und Männer das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben oder nicht. Wir meinen, ja!" alpha nova begleitet etwa 50 Menschen in betreuten Wohnungen, beinah eben so viele erhalten von dieser Organisation Wohnassistenz und 16 Frauen und Männer leben in "integrativen Wohngemeinschaften". alpha nova startete im September das eineinhalb Jahre laufende Projekt "Libida", das vor kurzem noch "Chilli und Plüsch« hieß. In dieser Zeit wollen die Projektverantwortlichen darüber nachdenken, wie dieses Dienstleistungsangebot im Sinne einer selbstbestimmten Sexualität ausschauen könnte. Im Gespräch sind "Aktive Formen" der Assistenz, die auf Wunsch der "KundInnen" angeboten werden.
"Vorerst wird es allerdings um die Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen gehen, da sich die Frage stellt, wo die Grenze zwischen Sexualassistenz und Prostitution liegt", so Wögerer.
Diese will man in der Professionalisierung der SexualassistentInnen sehen. Deshalb ist auch ein eigener Lehrgang für Herbst 2007 oder spätestens 2008 von alpha nova geplant. "Wir setzen uns mit den Fragen auseinander, wie das Berufsbild genau aussieht, welche Kompetenzen dafür notwendig sind und wer ausgebildet werden soll - ob Prostituierte, Callboys oder Betreuungspersonal", legt Wögerer dar. SexualassistentInnen sehen sich selbst jedenfalls nicht als Prostituierte. Sie sind überzeugt davon, dass ihr Service "mehr und anders ist". Bedenken, dass von diesem Service - so wie in den Nachbarländern - überwiegend Männer Gebrauch machen könnten, hat Wögerer nicht. "Der Name des Projektes weist ja schon darauf hin, dass dieses Angebot weibliche Bedürfnisse sehr ernst nimmt. Wie dieses Angebot genau aussehen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden."
Schweiz: Projekt abgebrochen
Länder, wie Holland oder Deutschland, spielen in Sachen "Sexualassistenz" eine Vorreiterrolle. Dort zeigte sich die Öffentlichkeit mehr oder weniger empört. In der Schweiz kam es zu wilden Wortgefechten, als man in Sachen Sexualassistenz zur Tat schritt. "Jeder Mensch braucht Liebe und Zärtlichkeit, auch ein behinderter. So weit sind sich alle einig", heißt es im Straßenmagazin "Surprise". Da sich aber Liebe den Marktgesetzen entzieht und Sex nicht, reagierte eine Behindertenorganisationen mit einem aus gesellschaftlicher Sicht unmoralischen Angebot: Mit dem geplanten Ausbildungsgang für SexualassistentInnen, wo Nina de Vries als Ausbilderin gewirkt hatte, wollte man angeblich einen Schritt in Richtung "selbstbestimmte Sexualität" für behinderte Frauen und Männer tun. Die Allgemeinheit war über dieses - sonst durchaus übliche und tolerierte - Auseinanderdividieren von Liebe und Sex erbost, das Projekt von "Pro Infirmis" wurde abgebrochen. Heftige Kritik übte man von Seiten des Zentrums für Selbstbestimmung wegen "verlogener Verkaufsargumente von Institutionen". Dieser Service wird derzeit am freien Markt privat angeboten. Dagegen hätte man allerdings nichts einzuwenden.
Ein "freier Zugang zur konventionellen Prostitution sei ehrlicher und hilfreicher als eine produzierte Sonderlösung", heißt es in der Zeitschrift Surprise.
Tadel kam auch von einer christlichen Behindertenorganisation. Laut Surprise wurde von dieser Seite angezweifelt, ob behinderte Menschen das wirklich wollen und außerdem würden sich AssistentIn und KundIn durch "solcherlei Treiben" erniedrigen. Sexualassistenz werde nach wie vor nachgefragt, die Probleme sind weiterhin ungelöst. Die Rechnung mit dem Angebot der Sexualassistenz ist in der ursprünglich gedachten Form bei unseren Nachbarn nicht aufgegangen, zumal KundInnen und AssistentInnen "Liebeskummer als größtes Problem" sehen. Allerdings wurde das Projekt von der Fachstelle "Behinderung und Sexualität - gegen sexualisierte Gewalt", gegründet von Aiha Zemp, übernommen und von dieser Seite wurde auch ein Lehrgang duchgeführt.
Berührung ohne Ende oder schnelle Nummer?
Meinungsverschiedenheiten resultieren aus den stark voneinander abweichenden Zugängen. Viele Missverständnisse entstünden durch falsche Vorstellungen über Sexualität, die oft auf den Geschlechtsakt reduziert wird. Nina de Vries dazu: "Ein Grund dafür, dass Behinderte es oft noch schwerer haben in den Bereichen Sexualität und Beziehungen eigene, würdevolle Erfahrungen zu machen, ist in meinen Augen eine allgemein sehr beschränkter Umgang mit Sexualität. Sie ist degradiert zu oberflächlicher Lustbefriedigung zwischen Körpern, die einem Idealbild entsprechen sollen." Unter diesen äußerlichen Idealvorstellungen würden nicht nur behinderte, sondern auch viele Frauen, Männer und alte Leute leiden. Viele Behinderte haben nur Zugang zur Sexualität über Pornofilme und Zeitschriften. "Ich glaube nicht, dass es davon viele gibt, die eine schöne, würdevolle Sexualität darstellen. Sexuelle Erwartungen, geprägt von diese Art der Darstellung, sind nicht die, die ich persönlich bedienen möchte." Das sei auch ein Grund, warum de Vries lieber mit geistig Behinderten arbeitet, denn durch ihre geistige Behinderung seien sie oft mehr in Kontakt mit ihrer wahrhaftigen Sexualität. "Sie sind halt nicht oder weniger geprägt, wie wir geistig Normalen von allen möglichen unsinnigen Definitionen von der Begriffen Sexualität und Liebe", kritisiert de Vries, die im Rahmen ihrer Tätigkeit viele Workshops leitete und zu Vorträgen eingeladen wird.
"In meinen Augen ist es von großer Wichtigkeit, dass Leute, die mit (geistig) Behinderten arbeiten, eine entspannte, offene Haltung ihrer eigenen Sexualität gegenüber haben. Wenn das nicht der Fall ist, werden sie auch nicht angemessen auf die Bedürfnisse ihrer KlientInnen eingehen können. Sie werden eigene Bedürfnisse projizieren oder das, was sie wahrnehmen, leugnen. Dann wird Missbrauch möglich."
Erfahrungsberichten zufolge kann dieser Ansatz von Sexualassistenz in punkto positiver Körperwahrnehmung viel bewirken. Natürlich gibt es auch den anderen Zugang, wo es um's Geschäft und um die "schnelle Nummer" geht. Es verwundert nicht, dass dieses Angebot hauptsächlich von behinderten Männern in Anspruch genommen wird. Schnelles "Kopulieren" im Bordell ist "gelebte Realität". Es ist bekannt, dass Betreuer ihren behinderten Klienten im Rollstuhl Besuche in Freudenhäusern ermöglichen.
ZUR AUTORIN: Mag.a Gerlinde Knaus: Freiberufliche Journalistin und Mußepädagogin in Graz. www.mussekunst.com
WEITERFÜHRENDE LINKS: sexualassistenz.ch alphanova.at reiz.at wiend.at flirtability
Informationsmaterial: nina_devries@web.de
Foto: © Nina de Vries
Kommentare unserer Leserinnen...* Du kannst ...:   Heilend berühren oder krank kopulieren

Gerlinde Knaus
19.10.06 20:05
"Verhinderte Sexualität"
Sexualassistenz als spezieller Sex-Service für Behinderte ist wild umstritten. Die Vorstellung, dass so genannte Sex-Helpers, meist Frauen, für Geld selbst aktiv "Hand anlegen", löst Befremdung aus und konfrontiert gleichzeitig mit dem beschränkten gesellschaftlichen Umgang von Sexualität. dieser Kommentar wurde automatisch erstellt, damit Forenbesucherinnen zum Artikel finden und den Zusammenhang verstehen
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 Re: Heilend berühren oder krank kopulieren

Gästin
19.10.06 20:17
Hier scheint man eine Marktlücke endteckt zu haben. Leider hat das immer auch Nachteile. Wie Deutschland erst gerade vorzeigte, scheuen Arbeitsämter nicht davor zurück, arbeitslose Frauen auf den Sex und Pornomarkt zu vermitteln. Hoch offiziell und gesetzlich abgesichert. Wer garantiert, dass dieser Markt, ist die Nachfrage nach dem Sexservice mal richtig angelaufen, für arbeitslose Frauen nicht zur Zwangsprostitution wird? Niemand. Also bitte auf gepasst.
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 Re: Heilend berühren oder krank kopulieren

Kutakinte
20.10.06 19:17
in erster linie hat der artikel aufgezeigt, dass geistig behinderte menschen unter ihrer "verhinderten sexualität« leiden. diesen leidensdruck auf eine "marktlücke" zu reduzieren, ist schon verdammt ignorant.
Kutakinte
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 Re: Heilend berühren oder krank kopulieren

Milli
25.10.06 17:28
Ja, das hat mich auch echt umgehauen, das ist wirklich schlimm, das sollte man vebiten die ganzen chauvinistnschweine überall.
man sollte den frauen das ruder mal in die hand geben, dann würden solche schweinereien nicht mehr passieren!!!!!!!1
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 Re: Heilend berühren oder krank kopulieren

Gästin
02.11.06 17:14
Jeder Mensch sollte das Recht haben, seine Sexualität ausleben zu können. Behinderte Menschen haben es sicherlich ungleich schwerer, eine PartnerIn zu finden. Dennoch: In erster Linie sind wir alle Individuen, egal ob behindert, nicht behindert, schwarz, weiß, Frau, Mann etc. Für mich stellt sich die Frage, ob es nicht auch noch andere würdevollerere Ansätze gibt, um die Selbstverwirklichung von behinderten Menschen, dazu gehört ja auch die Sexualität, zu fördern. Ich könnte mir vorstellen, dass die persönliche Assistenz für Behinderte ein weit sinnvollerer Ansatz wäre, um die Selbbestimmung zu fördern. Zumal es sich in der Schweiz ja herausgestellt hat, dass Liebeskummer bei der Sexualassistenz das größte Problem ist. In Schweden gibt es meines Wissens so ein Modell, das die individuelle Hilfestellung für die gesellschaftliche Integration fördert bzw. finanziert. Persönliche Assistenz heißt dann, allumfassende individuelle Hilfestellungen für Frauen und Männer zu bieten und nicht "nur" Sexualassistenz. Außerdem: Zur sexuellen Selbstbestimmung gehört ja auch ein geeigneter Raum bzw. die Schaffung einer Intimspähre. Wie sollen behinderte Menschen,d ie beispielsweise in Vierbettzimmer untergebracht werden, ihre Sexualität ausleben? Prostitution ist ja etwas, was im Patriarchat entstanden ist und Männer haben es zu allen Zeiten und in allen Kulturen verstanden, die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen zu gestalten und Frauen auszuklammern. Wenn Frauen ihre Lust aufs Anderssein voll ausleben könnten, gebe es keine Bordelle und keine Prostitution. Auch wenn es nach Klischee klingt, behaupte ich einmal, dass Frauen dennoch ihre Körper- und Emotionalität Ganzheitlichkeit "mehr" leben als Männer und ihre Sexualität nicht so reduziert, rein auf den Trieb beschränkt, ausleben. Hab gar nichts dagegen, wenn wir nach unseren Instinkten leben und das Tier in uns als Bestandteil unserer Persönlichkeit zu integrieren - fragt sich nur, nach welchen WErten wir leben und ob es uns nicht doch ein Anliegen ist, unser Selbst zu entfalten und uns zu Individuen mit aufrechtem Gang zu entwickeln. Ich frage mich, ob es nicht sinnvoll wäre, Männern, die ihre Sexualität im Bordell ausleben "müssen", eine sexualtherapeutische Hilfestellung anzubieten. Gerade hier, werden "falsche Vorstellungen von Sexualität", reduziert auf den Geschlechtsakt durch die Trennung von Liebe/Sex/Erotik voll ausgelebt und Frauen verdinglicht und zu Objekten degradiert. Also mein Ansatz: Männer entwickelt eure Emotionalität, dann werdet ihr keine Bordelle mehr brauchen. Sex hat viel mit Kommunikation zu tun, egal ob krank, gesund, Frau oder Mann. Die Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit wäre ebenso ein guter Ansatzpunkt, um hier etwas zu verändern. Wie gesagt: Sich einfach alles für Geld zu kaufen, ist wohl das Einfachste und Einfallsloseste und wohl typisch für unsere Gesellschaft, die alles durch Angebot und Nachfrage regeln will. Ich denke, eine spezielle Form von Sexualassistenz hätten "Gesunde" eher nötig als so genannte Behinderte.
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 Re: Heilend berühren oder krank kopulieren

Gästin
02.11.07 13:28
Großartig! Meine Hochachtung vor dieser Frau! Nur wer weis wie sehr Behinderte leiden ohne sexuelle Berührung (abgesehen von dem sowieso vorhandenen Handicups) kann da mitreden, alle anderen Komentare sind so unnötig als wenn in China ein Fahrrad umstürzt.
Ich persönlich wäre für kostenlosen"Sex" für Behinderte ! So manchen "Geilspecht" wird sogar die Viagra per Krankenkasse verordnet, aber Menschen, wohlgemerkt Menschen die mit jeder Faser ihres Körpers nach Streicheleinheiten sich sehnen denen wird das Recht abgesprochen nur weil sie anders sind oder vielleicht anders aussehen? Nehmt sie doch endlich an unsere BESONDEREN Mitmenschen!
Ich bin eine Mutter eines behinderten jungen Mannes!
Irene Rapp
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 Re: Heilend berühren oder krank kopulieren

Gästin
16.11.07 23:47
die eine ist mutter eines behinderten jungen mannes - ich bin die schwester eines solchen.
und ehrlich muss ich sagen: ich leide selbst wenn ich ihn ansehe und daran denke, welche erfahrungen ich in diesem alter bereits gemacht hatte - weil ich eben selbstständig sein konnte - dahin gehen konnte wo ich wollte und das machen konnte was ich wollte. er ist körperlich behindert.
er ist 21 - denkt euch mal: wer von euch hatte mit 21 noch keine sexuelle erfahrung gemacht?
mein bruder lehnt ornanieren ab - obwohl mein großer bruder schon mit ihm gesprochen hat und gesagt hat, dass "sowas" okay ist und man sich nicht dafür schämen müsste.
die freunde meines kl. bruders hätten ihn schon mal am liebsten mit in ein bordell genommen... jeder von uns sagt, dass es wichtig für ihn wäre, sexuelle erfahrunge machen zu können. es würde ihn helfen, auch geistig etwas mehr zu reifen.
ich bin hier ins forum gestoßen, weil ich meine mutter bei der suche nach einer sexualassistentin helfen möchte.
grüsse vom schmetterling
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 Re: Heilend berühren oder krank kopulieren

Gästin
02.02.09 20:20
Sie wollen ihn also zu sexuellen Handlungen zwingen, obwohl er es selbst ablehnt, nur, weil Sie meinen, in seinem Alter müsse er bereits welche gehabt haben.
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