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HEIDE GöTTNER-ABENDROTH (HGIN.): GESELLSCHAFT IN BALANCE© Irene Fleiss (15.02.07)
Dokumentation des 1. Weltkongresses für Matriarchatsforschung 2003
Egal ob frau sich für matriarchale Lebensweisen interessiert oder sie für Wunschträume hält, diese Textzusammenstellung ist spannend, hochaktuell und wichtig. Irene Fleiss hat sie für uns gelesen.
atriarchat - igitt, das ist doch was, wovon ein paar weltfremde Träumerinnen spintisieren, weil sie sich nicht mit der Gegenwart und ihren Problemen beschäftigen wollen! Oder: Matriarchat - da haben Frauen eine Schreckensherrschaft über Männer ausgeübt. Oder: Matriarchat - hat´s vielleicht einmal gegeben, aber heutzutage gibt es so was nicht mehr und hat uns daher nichts zu sagen. Richtig? Falsch. Frau sollte hier zuschlagen und sich informieren. Denn in der modernen Matriarchatsforschung werden alle matrilinearen und matriarchalen Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart erforscht. Ziel wie Methode ist es, unsere kulturellen Wurzeln aufzudecken und die Kulturgeschichte der Menschheit um wesentliche, bisher unterschlagene oder ignorierte Bereiche zu ergänzen. So schafft sie ein neues Paradigma und bietet für soziale und politische Probleme Alternativen.
Zu Beginn gibt Heide Göttner-Abendroth eine Definition der Begriffe “Matriarchat” und “Matriarchatsforschung”, dann benennt Claudia von Werlhof das “Patriarchat als Negation des Matriarchats” und als “Wahn” (spannend!), und Annette Kuhn beschäftigt sich mit dem “matriarchalen Muster im historischen Prozeß”. Dann geht es um “matriarchale Gesellschaften der Gegenwart” in Asien, Afrika und Amerika; nach Beiträgen von Peggy Reeves Sanday, Hélène Claudot-Hawad und Veronika Bennholdt-Thomsen berichten indigene Frauen und Männer (der Mosuo, der Yi und der KabylInnen) von den Strukturen ihrer Gesellschaft. Riane Eisler beschäftigt sich mit der “Theorie der kulturellen Transformation”, Carola Meier-Seethaler mit “Alternativen zum dualistischen Kulturkonzept” und dem “patriarchalen Denkverbot”; Lucia Chiavola Birnbaum erzählt über die “dunkle Mutter und die dunklen Anderen” am Beispiel Sardiniens und Christa Mulack beschäftigt sich mit dem “Matriarchat im Alten Israel” im Werk Gerda Weilers.
Im nächsten Abschnitt referiert Joan Marler über die “archäo-mythologische Forschung von Marija Gimbutas”, Michael Dames über die Spuren der Göttin in Britannien und Irland, Kurt Derungs über “Prinzipien der matriarchalen Naturphilosophie und Landschaftsmythologie” und James DeMeo stellt seine “Saharasia”-Theorie über die “Ursprünge patriarchaler autoritärer Kultur in Verbindung mit prähistorischer Wüstenbildung” vor.
Im letzten Abschnitt spricht Heide Göttner-Abendroth über die “Verbindung von matriarchaler Politik, Spiritualität, Ästhetik und Medizin”, Ingrid Olbricht über Frauengesundheit und Männermedizin und Cécile Keller über “Medizin in matriarchalen Gesellschaften”. Erika A. Lindauer beschäftigt sich mit dem gastgebenden Land und referiert über das “Melusinen-Thema in der Luxemburger Geschichte”. Internationale Pressestimmen, Interviews und Offene Briefe zum Kongreß runden - zusammen mit Farbtafeln von ausgestellten Kunstwerken, von Tänzen und von Referentinnen und GästInnen - den empfehlenswerten Band ab.
Frauen, die über Matriarchate besser informiert sein wollen, und solche, die nichts davon halten, sollten gleichermaßen zu diesem Band greifen. Die einen als Ergänzung ihres Wissensstandes, die anderen als Anregung für neue Ideen und Gedanken. Die Beschäftigung mit matriarchalen Lebensweisen ist für uns heute wichtig und wegweisend. Nicht, weil wir zu den Clans der Vorzeit zurückkehren sollten, sondern weil das Wissen um Alternativen zu unserer angeblich von Natur, Gott oder der Evolution angelegten Androkratie uns Argumente für andere liefert und uns selbst die Augen dafür öffnet, daß sehr viel, das wir als gegeben hinnehmen, eigentlich nur eine Ausformung des Patriarchats ist. Wenn wir das erkennen, sollten wir eigentlich imstande sein, etwas Neues zu entwickeln, das über Vergangenes in unserer Gegenwart hinausführt.
Leider konnte ich aus Zeit- und Geldgründen weder nach Luxemburg noch 2 Jahre später nach Texas. Umso mehr freue ich mich über diese Dokumentation (und hoffe, daß der Matriarchatskongreß 2005 ebenfalls in schriftlicher Form dokumentiert wird) und lege sie einfach allen Frauen ans Herz.
 Heide Göttner-Abendroth (Hgin.) Gesellschaft in Balance Gender Gleichheit Konsens Kultur in matrilinearen, matrifokalen, matriarchalen Gesellschaften
W. Kohlhammer Verlag, 2006 312 Seiten, broschiert €D 28,00 / €A 28,80 / sFr 49,00 ISBN: 978-3-17-018603-3
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WEITERFÜHRENDES: 2. Weltkongress für Matriarchatsforschung 2005 Texas Marija Gimbutas und die Sprache der Göttin von Irene Fleiss
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