Wolfsmutter.com - Abenteuer Feminismus
Ein Frauen-Portal zu neuen Wegen, abseits der Nebenstraßen!

MAGAZIN

KATHARINA FRANCK: FIRST TAKE SECOND SKIN

© Kirstin Rupieper (09.03.07)


Musik

Die ehemalige Bandleaderin der Rainbirds auf Solopfaden

"Katharina Franck war früher ein Rainbird. Dann war sie ein Solo-Act. Und jetzt hat sie wieder MusikerInnen gefunden, die ihre beschwörende Stimme untermalen, ihr Gitarrenspiel unterstützen, ihr den Rhythmus geben, auf dem sie gleiten kann", so das Plattenlabel.



Katharina Franck

ie Entscheidung, für Wolfsmutter.com und www.lesbians-unlimited.org eine Musikrezension zu schreiben, fiel, nachdem ich eine Auswahl der angedachten Künstlerinnen gesehen hatte. Ein Name sprang mir direkt ins Auge: Katharina Franck. Unvergessen ihr Superhit "Blueprint", der sie und ihre damalige Band "Rainbirds" Ende 1987 spontan weltweit berühmt machte. Das Nachfolgealbum "Call me easy, say I’m strong, love me my way, it ain’t wrong" war für die Mainstream-Listeners bereits etwas zu kompliziert, obwohl ich es nach wie vor für eins der besten Alben halte. Danach, ich gebe es zu, habe ich von kf und auch den Rainbirds nur noch in diversen Zeitungen gelesen. Insofern war ich äußerst interessiert an ihrem 2006er Album mit dem schönen Titel "First Take Second Skin".

Viele professionelle und semiprofessionelle Menschen haben bereits über dieses Album geschrieben. Die Meinungen laufen von "verspielte Gitarren, die einander leicht umschmeicheln", "zärtliche Trompeten", "unaufdringlich" und "endlich wieder back to the roots", nicht so "verkopft" bis hin zu "leider nichts Neues von Katharina Franck". Dazu zunächst ein Göttinseidank: die Stimme von Katharina Franck ist nicht neu, sondern immer noch so unverwechselbar wie bereits damals.

Aber gehen wir mal ins Detail. Bis auf einen außergewöhnlich interpretierten Jimi-Hendrix-Song ("Manic Depression") und eine wundebare Aufnahme von dem Welch-Rawlings-Song "Good til now" hat Katharina Franck alle Songs selbst geschrieben. Um es vorwegzunehmen: Es gibt auf dieser CD keinen Smashhit wie "Blueprint". Aber bereits der Einstiegssong "As A Matter Of Fact" zeigt, wozu Katharina Franck fähig ist. Mitreissender Beat, toller Text, gute Refrain-Melodie. Mit "Big Pale Blue Ol’ Love" geht es ruhiger weiter -  an dieser Stelle kommen denn auch die beschriebenen "zärtlichen Trompeten" zu Wort, und die Stimmgewaltigkeit der Sängerin ist faszinierend. Das beste am dritten Lied, "Sort of", ist der Text; wahlweise verstörend oder zum Lachen bringend, je nach persönlicher Verfassung. Bei "These Better Days" handelt es sich um soliden Folkrock, der mich allerdings nicht vom Hocker gerissen hat. Sehr gut gefallen hat mir das fünfte Lied ("Paperchase"), und ich weiß bis jetzt nicht, warum. Diese Einschätzung bleibt also ohne Begründung so stehen. ;o)

Ein faszinierendes Lied von Abschied und Abschluss ist der Song "Tree. Bird. Sky. Forgiveness", an dessen Musik Hannes Hüfken mitgeschrieben hat. "River And Rain" besticht durch seine Folk-Elemente in einem regelrecht aufputschenden Rhythmus. Der Text ist prima, und mit ein wenig eingänglicherer Refrain-Melodie hätte hier der nächste kommerzielle Hit gelauert. Dennoch: alles in allem ein toller Song! Jazziger und erheblich langsamer kommt "Faithful Friend" durch die Lautsprecher gekrochen. Bei jedem Hören war ich versucht, mich selbst an die Drums zu setzen, um Lied und Sängerin zumindest auf Schneckentempo zu beschleunigen. Vielleicht lags nur an dem Rhythmuswechsel nach dem Song mit Doping-Wirkung zuvor? "Good Fortune (One On One)" trifft dann die Mitte, und so langsam hätte sich mein rezensionsgeplagtes Herz fast an den Rhythmus gewöhnen können, wenn nicht... tja, wenn nicht Katharina Franck hier eine stimmliche Meisterleistung abgeliefert hätte. Hat sie "Big Pale Blue Ol’ Love" schon sehr gut gesungen, so war das doch nichts gegen diesen Song. Kein Lied, das ich melodisch erinnern müsste, aber das ich ebenso wie das Nachfolgestück ("Home Soon") aufgrund der offen ausgelebten Wandlungs- und Ausdrucksfähigkeit der Stimme als eines der besten der ganzen CD empfinde. Es macht mir jedesmal erneut Spaß, mich auf diese beiden Songs einzulassen.

Den Abschluss des Albums bildet - gut gewählt - der Song "Y-Tracks To Get By". Der mit "As A Matter Of Fact" begonnene Kreis schließt sich sowohl textlich als auch musikalisch. Das Fazit lautet daher folgerichtig: "First Take Second Skin" ist ein rundes, in sich geschlossenes Album, das bei jedem Hören mit neuen Facetten, neuen Entdeckungen aufwartet. Kein Hitalbum, aber um Klassen besser als so manche CD, die heutzutage unter diesem Titel verkauft wird.

Abschließend sei mir noch eine persönliche Anmerkung erlaubt: Bei den Recherchen zu diesem Artikel bin ich auch über ein älteres Werk (2002) von Katharina Franck gestolpert. Es nennt sich "Zeitlupenkino" und bietet gesprochene Texte von Katharina Franck zu wunderbarer Musik, komponiert von ihr selbst, Thomas Stern und Yoyo Roehm. Die meisten der Songs (inklusive des genialen "Den Fluss hinunter und hinaus aufs offene Meer") sind auf der Website der Künstlerin www.katharinafranck.de zu hören und - für die Ästhetinnen unter uns - auch zu sehen.... Für Fans von Katharina Franck und für Freundinnen des Außergewöhnlich-Genialen in jedem Fall ein Muss!

Katharina Franck: First Take Second Skin
Katharina Franck
First Take Second Skin


skycap records, 2006
Vertrieb: Rough Trade Distribution
50:25 Minuten
ab € 15,00 CD


LINKTIPPS:

www.katharinafranck.de
www.myspace.com/katharinafranck
www.rainbirds.com

Foto: © Katharina Franck



Du kannst ...  ...diesen Artikel ausdrucken  ...diesen Artikel an eine Freundin senden   ...diesen Artikel mit einem Lesezeichen versehen

Kommentare unserer Leserinnen...*

Du kannst ...: einen Kommentar schreiben

Es gibt noch keine Leserinnenmeinung zu diesem Artikel.

* Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasserinnen verantwortlich.

Wolfsmutter.com: nach oben