Wolfsmutter.com - Abenteuer Feminismus
Ein Frauen-Portal zu neuen Wegen, abseits der Nebenstraßen!

MAGAZIN

DIE RECHTE DER FRAU UND BüRGERIN - SEIT 1791 AKTUELL

© Irene Fleiss (26.03.07)


Geschichte

Olympe de Gouges: Die Rechte der Frau und andere Schriften

Die Texte von Olympe de Gouges sind über 200 Jahre alt und dennoch aktuell und noch immer gültig. Gabriele Wachter hat sie zusammen mit Illustrationen von Annette Meurer neu herausgegeben.



Die Rechte der Frau und andere Schriften

Olympe de Gouges bekämpfte die Sklaverei, schlug eine Steuerreform vor, die die Reichen zugunsten der Armen belasten sollte, verlangte Wohnheime für Arbeitslose und Unterkünfte für ehrbare, unverheiratete Frauen, und - ganz radikal - sie wollte, dass Männer für ihre außerehelichen Kinder aufkommen sollten. Die Erklärung der Menschenrechte hatte sie voll und ganz verinnerlicht und sie wollte dafür sorgen, daß diese Rechte auch für Menschen weiblichen Geschlechts galten. Obwohl aufrechte Republikanerin bot sie sich als Verteidigerin des inhaftierten Königs an, um einen fairen Prozeß zu garantieren. Gabriela Wachter stellt fest: "Die traurige Wahrheit ist doch..., dass ihren Forderungen nach Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern selbst noch im 21. Jahrhundert ´ewige Jugend´ beschieden scheint." Ich meine, dass es Olympe um Menschenrechte (Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichwertigkeit) gegangen ist, nicht um Männerrechte für Frauen.

Die Herausgeberin berichtet über Olympes Leben und Wirken. Schon ihre Texte und Theaterstücke gegen die Sklaverei haben ihr keine Freunde geschaffen, auch nicht ihre politischen Texte, die sie als Anhängerin der konstitutionellen Monarchie ausweisen. Sie forderte die Frauen zur aktiven Teilnahme an der Revolution auf, war in der Zeit zwischen Revolution und dem Schreckensjahr 1793 überaus aktiv und produktiv. 1791 erschien ihre Antwort auf die nur auf Männer bezogene Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789, die "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin". Sie verlangte darin nicht nur die gleichen Rechte, sondern postulierte auch die gleichen Pflichten: "Jede für schuldig befundene Frau unterliegt der uneingeschränkten Strenge des Gesetzes". Sie verlangte eine Volksabstimmung über die zukünftige Staatsform, um den Bürgerkrieg zu beenden - in den Augen ihrer Feinde Verrat an der Revolution. Sie wurde verhaftet und am 3. November 1793 öffentlich mit der Guillotine hingerichtet. Fast prophetisch erscheint da der ihr zugeschriebene Satz: "Die Frauen haben wohl ein Recht auf die Tribüne, denn sie haben ja auch ein Recht auf das Schafott."

Dieses "Recht auf die Tribüne" wurde Frauen noch lange vorenthalten, auch Olympe wurde posthum für gestört und widernatürlich erklärt, und auch heute ist es leichter für Frauen, ins Gefängnis zu kommen als auf ein Rednerpult (außer es geht um Ehrenamtliches).

Wie gefährlich sie den Männern erschien, zeigt die Art, wie sie über den Tod hinaus diffamiert wurde. In ihrem Nachruf steht: "geboren mit einer überspannten Phantasie hielt ihren Wahnsinn für eine Eingebung der Natur. ... Ein Staatsmann wollte sie sein; das Gesetz wird diese Verschwörerin wohl dafür bestraft haben, dass sie vergessen hatte, was sich für ihr Geschlecht geziemt." Die Revolutionäre proklamierten die Gleichheit der Menschen, doch das Schlagwort "Brüderlichkeit" verrät es schon: es ging nicht um die Gleichheit der Menschen, sondern die der Männer (im Französischen beides "les hommes"). Noch 1904 wurde ihr Paranoia bescheinigt, und die Worte des Psychiaters Dr. Guillois verraten, was generell über Feminismus und Feministinnen gedacht wurde (und teilweise noch immer gedacht wird): "Ihre Ideen über den Feminismus sind ... Ausdruck einer übersteigerten Phantasie und bilden ein Bindeglied zwischen Vernunft und Tollheit."

Dagegen stehen Olympes Worte: "Niemand darf wegen seiner Meinung, selbst in Fragen grundsätzlicher Natur, Nachteile erleiden."

In diesem Band werden 19 politische Texte von Olympe de Gouges veröffentlicht, einschließlich der "Rechte der Frau", die Olympe der Königin vorgelegt hat. Die Texte sind heute von unterschiedlichem Interesse, in jedem Fall aber bedeutend als geschichtliche und auch literarische Dokumente und von hochstehender Qualität. Im Anhang gibt es einen Überblick über die wichtigsten Daten des Verlaufs der Französischen Revolution. Im Nachwort behandelt Elke Ferner die Relevanz von Olympe de Gouges und ihren Arbeiten für unsere heutige Zeit, in der Menschenrechte noch immer zuallererst Männerrechte sind, in der von einer "Emanzipationsfalle" geredet und über die "Notwendigkeit eines neuen Feminismus" diskutiert wird.

Die Illustrationen von Annette Meurer zu den Artikeln der "Rechte der Frau" sind meine Sache nicht, aber zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden.

Warum sollten moderne Frauen zu diesem Band greifen und sich mit den Texten, besonders den "Rechten der Frau", beschäftigen? Die Debatte über Emanzipation, Feminismus und Gleichbehandlung "bietet immer noch viel Stoff und die Gleichstellung ist eine Aufgabe, die jede Generation neu erkämpfen muss, Tag für Tag. Ein Rückblick auf die Ideen der Mütter und Großmütter kann dabei durchaus hilfreich sein" (Elke Ferner). Olympe de Gouges und ihre Arbeiten haben es verdient.

Die Rechte der Frau und andere Schriften
Olympe de Gouges
Die Rechte der Frau und andere Schriften

Mit 16 Illustrationen von Annette Meurer
herausgegeben von Gabriele Wachter

Parthas Verlag, 2006
224 Seiten, gebunden
€D 24,00 / €A 24,70 / sFr 43,00
ISBN: 978-3-86601-273-8

Buch bestellen



Du kannst ...  ...diesen Artikel ausdrucken  ...diesen Artikel an eine Freundin senden   ...diesen Artikel mit einem Lesezeichen versehen

Kommentare unserer Leserinnen...*

Du kannst ...: einen Kommentar schreiben

Es gibt noch keine Leserinnenmeinung zu diesem Artikel.

* Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasserinnen verantwortlich.

Wolfsmutter.com: nach oben