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MAGAZIN

ÖKOLOGISCH SCHöPFERISCH

© Petra Öllinger (28.03.07)


Natur & Ökologie

Auf städtischer Pflanzenpirsch in die eigene Kreativität

Kräuter und Heilpflanzen als Inspirationsquelle für künstlerische Kräfte, Achtsamkeit und Langsamerwerden. In der Großstadt - das geht? Das geht! Von roten Leinenkleidern, Gummistiefeln, Stadtbahnbögen und Frau Holle. Ein “Lehrpfad” in fünf Stationen.



Station 1

Am Anfang war meine Oma und über das Kraut-und-Rüben-Syndrom

Löwenzahn, Foto: © Petra Öllinger

eine Großmutter hatte einen Garten, der war anders als andere Gärten. Da wucherte Gelbblühendes zwischen Blaublühendem, und irgendwie war alles wie Kraut und Rüben. Meine Großmutter war anders als andere Großmütter. Sie trug mit sechzig ein knallrotes Leinenkleid, las erotische Literatur, stritt mit meiner Familie, wenn die meinte, so verhalte sich keine Sechzigjährige, verteidigte mich vor konventionellen Erziehungsversuchen, und sie lies die Geschöpfe in ihrem Garten einfach so wachsen wie sie eben wuchsen. Wenn wir über Wiesen spazierten oder durch den kleinen Wald hinter dem Garten streiften, dann wurde gepflückt, was gerade gebraucht wurde und was nicht bei Oma wuchs. Sie wusste nichts über sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, sie wusste aber, dass frische Löwenzahn- und Brennesselblätter gut sind für eine blutreinigende Frühjahrskur. Irgendwann wurde auch meine Mutter vom Kraut-sammel-und-Verarbeitungs-Fieber angesteckt. Auch meine Mutter wusste nichts über sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. Aber sie wusste, dass sich aus den Früchten des Vogelbeerbaumes eine wunderbar schmeckende Marmelade herstellen lies. Und mein Vater lehrte mich die Kennzeichen der unterschiedlichen Bäume und wir saßen oft unter einem und beobachteten die Vögel und lauschten ihnen.

Wir experimentierten mit Einlegen von Grünzeug in Essig, Öl oder Alkohol. Wir experimentierten mit Einkochen, Einsalzen und Trocknen von Blättern, Blüten, Stengeln, Rinden und Wurzeln. Wir probierten Rezepte aus, kurierten Verbrennungen, heilten Hautabschürfungen und päppelten einander seelisch auf.

Ein paar Jahre folgten, in denen mir Wiesen, Felder und Wälder als auch ihre Heilwirkungen wurscht waren, weil Arbeit und Ausbildungen inklusive Psychologie-Studium einen anderen Aufmerksamkeitsfokus verlangten. Wurscht bedeutete jedoch nicht völlig weg. Neu entfacht wurde die grüne Leidenschaft im Rahmen meiner Ausbildung zur Ernährungsberaterin. Zwar stand Pflanzenheilkunde nicht explizit auf dem Lehrplan, aber eine Medizinerin beschenkte mich mit einer Fülle an Wissen über die Heilwirkung von sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Aha. Da waren sie, die von Löwenzahn, Brennessel oder Vogelbeeren produzierten Wirkstoffe, die zuallererst der Pflanze selbst dienen. Zum Beispiel mittels Bitter- und Scharfstoffe zum Schutz vor Fraßfeinden und Parasiten. Oder um mit dem Duft ätherischer Öle potentielle Bestäuberinsekten anzulocken. Mein eigenes Wissen pflegte und entwickelte ich durchs Schauen, Riechen, Schmecken, Lesen, Lernen - Begreifen und Unterrichten von Menschen, die eine Ausbildung als GesundheitsbegleiterIn absolvierten. Einige der TeilnehmerInnen waren nämlich ebenfalls “infiziert” vom Kraut-und-Rüben-Wiesen-Wald-Syndrom und sie steckten mich mit dem Wunsch nach einer Kräuterwanderung an. Meine erste selbstgeführte Wanderung im Mühlviertel in Oberösterreich führte uns dann tatsächlich durch Kraut und Rüben, Wiesen und Wälder, die uns zum genauen Schauen, Begreifen, Riechen und Schmecken einluden.

Station 2

In Gummistiefel durch den Jahreskreis und von antiquarischen Buch-“Plünderungen” Mandragora, Foto: © Petra Öllinger

eilkräuter- und Pflanzen, zu denen Bäume, Sträucher, Pilze und Schwämme ebenfalls zählen, bremsten meinen Ehrgeiz, möglichst viel und das auch noch zack-zack zu erlernen und verstehen zu wollen. Sie fordern von mir langsames und behutsames An-sie-Heranpirschen, Beobachtung, Warten, Geduld, Reflexion über das Wahrgenommene und über mich selbst. Sie verlangen einer/einem viel ab - die Korb-, Dolden-, Kreuz- und Lippenblütler, die Rosen- und Lauchgewächse.

Jetzt wähle ich pro Jahr zwei bis vier Pflanzen aus und beschäftige mich mit ihnen ganz genau. In Gummistiefeln oder Wanderschuhen, mit Regenjacke oder im T-Shirt, mit Wollhaube oder freiflatternder Mähne verfolge ich ihre Veränderung und Entwicklung im Verlauf der Jahreszeiten. Zur Standard-Ausrüstung für Wald-und-Flur-Expeditionen immer im Rucksack dabei: ein kleines Bestimmungsbuch (für den Fall, dass sich ein Pflänzlein gar nicht identifizieren lässt, ist die Digitalkamera praktisch oder ein Skizzenbuch für eine detaillierte Aufzeichnung), ein Taschenmesser, eine Taschenlampe (manchmal bricht die Dunkelheit herein ...), ein kleiner Behälter für Proben in Form von Rinden, Wurzeln, Blätter, ein Notizbuch, um Fundstelle sowie Datum festzuhalten.

Beim Herumstreifen auf Flohmärkten und antiquarischen Buchhandlungen (den leistbaren, die es ja hier und dort noch gibt), stoße ich nicht selten auf alte Wissensquellen. In diesen alten Kräuterbüchern wird deutlich: Heilpflanzen wurden von unseren AhnInnen nicht als isoliertes Blattwerk betrachtet, sondern zugehörig zu einem komplexen System: kosmische Einflüsse, Verbindung mit alten Göttinnen und Göttern, bestimmte Formeln, die beim Ernten gesprochen werden mussten und vieles mehr. Da bekommt unter anderem das Gemälde “Das Paradiesgärtlein”, entstanden um 1410 und heute im Frankfurter Städel zu bestaunen, eine interessante Bedeutung. Die Jungfrau Maria ist umgeben von Blumen, von denen einige ursprünglich GöttInnenheiten geweiht waren, wie zum Beispiel Frauenmantel (nordgermanische Göttin der Fruchtbarkeit Freya), (Madonnen-)Lilie (griechische Göttin der Ehe und Niederkunft Hera), Gänseblümchen (nordische Frühlingsgöttin Ostara, in manchen Quellen gilt sie als Entsprechung von Freya). Die genaue Betrachtung von alten Kirchen lohnt sich ebenfalls, oft lassen sich stilisierte Blumen- und Baumornamente entdecken, ein Kompromiss zwischen (katholischer) Kirche und dem “einfachen” Volk, das sich seinen Wissens- und Erfahrungsschatz bezüglich der Natur glücklicherweise nicht völlig austreiben ließ. ...

Station 3

Vogelmiere bricht durch die Stadtbahnbögen und lädt ein zum Pflanzensightseeing

Waldmeister, Foto: © Petra Öllinger

bwohl sie unsere ganze Person, unseren praktischen und theoretischen Einsatz fordern, machen es uns die Heilpflanzen doch auch recht einfach. Sie stupsen die Suchenden an. Was etwas nach Esoterik-Trip klingt, ist jedoch eine einfache praktische Aufmerksamkeits-Übung, die sich gut in den Alltag integrieren lässt. Meine Seminar-TeilnehmerInnen erhalten im Vorfeld eine kleine Hausaufgabe: Sie sollen auf den Wegen, auf denen sie in der Stadt unterwegs sind, eine Woche lang auf die Pflanzen achten, die ihnen “entgegensprießen”. Es braucht dazu oft nur ein bisschen Achtsamkeit zum Beispiel auf dem morgendlichen Weg zur Straßenbahnstation. Da sprießt neben dem Wartehäuschen ein Löwenzahn, drei Gänseblümchen haben eine Hausmauer “geknackt” und zwischen Betonplatten tummeln sich Grashalme. Da entdeckt frau/man “plötzlich” beim Spazierengehen Johanniskraut an einer Stelle, an der sie/er schon hundertmal vorbeigekommen ist. Der Blick ins Balkonkisterl oder in den Tontopf auf dem Fensterbrett lohnt ebenfalls: In einen meiner Töpfe, der eigentlich für Vergißmeinnicht vorgesehen war, hat eine kleine Brennessel Einzug gehalten. Sie wird mich gemeinsam mit anderen Kräutern unterstützen, meine Frühjahrsmüdigkeit zu vertreiben.

Wien, Stadtbahnbögen nahe einer U6-Sation, eine kleine Gruppe von Menschen, “bestückt” mit Schere, Papiersackerl, Kugelschreiber, Buntstiften und Pflanzenbestimmungsbüchern, scharrt sich um ein grünes zartes Etwas. Hin und wieder bleiben PassantInnen kurz stehen. Ein Unfall? Kann ich helfen? Suchen Sie etwas? Nein danke, wir haben schon gefunden, wonach wir, gar nicht speziell, Ausschau gehalten haben, wir ließen uns überraschen und entdeckten dieses kleine, oft unbeachtete Pflänzchen - die Vogelmiere. Sie ist ausdauernd, übersteht Kälteperioden und streckt, sobald die Schneedecke nur ein bisschen zu schmelzen beginnt, ihre Köpfchen aus Wiesen, zwischen Betonplatten oder eben auch zwischen Mauerritzen der Stadtbahnbögen hervor. Eine Teilnehmerin ruft: “Die ist ja genau wie ich!”, pflückt eine Vertreterin der “stellaria media” und macht sie später, im kreativen Teil des Workshops, zur Hauptakteurin einer Geschichte. Einer Geschichte aus ihrer eigenen Vergangenheit. Die zähe Vogelmiere wird ihre persönliche Verbündete - und dieses Verbundensein wird sich nicht nur auf die Heilwirkung der Pflanze beschränken. (Übrigens, um die Heilkraft zu nutzen, verlassen wir den Gürtel und wenden uns dem Wienerwald zu ...)

Mitten in der Großstadt trifft frau/man also auf eine vielfältige Pflanzenwelt. Schuttplätze, Bahndämme, einige Quadratmeter hinter einem Bauzaun, die von einem abgerissenen Haus freigegeben wurden, Wiesenstreifen neben dem Gürtel oder eben die Mauern der Stadtbahnbögen. Pflanzensightseeing eröffnet einen anderen, grünen Blick auf die Stadt - abseits von künstlich angelegten Gärten und Parks. Eine graue Häuserzeile wird mit einen Mal interessant, weil sie von Ginkgo-Bäumen gesäumt wird. In einem Beserlpark tummeln sich in einer Ecke Malven und bei der Nachbarin im Hinterhof wachsen ein Haselnußstrauch und ein Maulbeerbaum.

Station 4

Simsalabim und einfache praktische Anwendung

Kräutergläser, Foto: © Petra Öllinger

eheimnisvolles Wissen, das nur Eingeweihten vorbehalten ist, Hokuspokus mit Spinnenbein und Fledermausblut, der nur von Auserwählten durchgeführt werden kann. Manchmal gewinnt frau/man beim Schmökern in neueren Kräuterbüchern den Eindruck: Je mehr Hexen und Zauberpulver, desto besser (verkäuflich), davon abgesehen, das Wissen von HeilerInnen und Weisen Frauen/Männern auf Simsalabim und Dampfwolken reduziert wird.

Teemischungen zubereiten, Gewürzkräuter sammeln, Samen zerstoßen, Früchte einkochen hat nichts mit albernen Zauberstab und verunglimpfenden Spitzhut zu tun. In meiner Arbeit mit Menschen im Rahmen meiner Kräuterseminare mache ich immer wieder die Erfahrung: Die Kraft, die Magie, die Geschichten, die in den Pflanzen stecken, sind für alle verfügbar und jede Person trägt das Wissen um das eigene seelische und körperliche Wohlergehen in sich.

Die reich bestückte Schatzkiste, den Löwenzahn, Bärlauch und Co. bieten, erlaubt es mir, meine Heilpflanzen-Workshops und Wanderungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu gestalten. So fließen beispielsweise bei den Kräuterwanderungen je nach Jahreszeit bestimmte Teile der Natur ein. Im Frühling machen wir uns auf die Suche vor allem nach frischen Blättern und Trieben und naschen hie und da zarte Weißdorn- oder Birkenblätter. Im Sommer widmen wir uns Blüten, Stengeln, Blätter, Früchten wie Himbeeren, Brombeeren oder den Samen von Breit- und Spitzwegerich. Im Herbst heißt es dann schon mal graben nach Wurzeln und Knollen oder sich nach wildem Obst wie Sanddorn oder Hagebutte zu strecken, und ein bisschen mit den Eichhörnchen um Nüsse und Samen zu konkurrieren. Ich biete aber auch die Möglichkeit einer maßgeschneiderten Wanderung, in der dann spezielle Wünsche von InteressentInnen Eingang finden, zum Beispiel mythologische Pflanzen.

Neben dem Erkennen der Pflanzen, deren Merkmale und Anwendungsmöglichkeiten, versuche ich eine tieferes Verständnis bei den TeilnehmerInnen für die Naturvorgänge und die ökologischen Zusammenhänge “aufzustoßen”: Wo wächst eine Pflanze, ein Strauch, ein Baum. Hier lassen sich zum Beispiel Rückschlüsse auf die Bodenbeschaffenheit ziehen. Handelt es sich um einen trockenen, feuchten, lehmigen, sandigen Boden? Wie wird das Wetter? Haben Löwenzahn und andere Korbblütler ihre Köpfchen geöffnet oder steht uns feuchtes Wetter ins Haus beziehungsweise ins Feld, wenn die Blüten geschlossen sind. Um die Gesundheit eines Platzes zu erhalten, nehmen wir immer nur soviel an Pflanzen mit, wie wir im Moment benötigen. Wenn jetzt im Frühling der Bärlauch üppigst gedeiht, lassen wir immer mindestens zwei Blätter pro Pflanze stehen. So kann der Bärlauch diese Kraft wieder mit in die Wurzel nehmen, wenn er sich Ende Mai in die Erde zurückzieht. Übrigens, welche/r einmal Bärlauch, Maiglöckchen und Herbstzeitlose in freier Wildbahn genau betrachtet hat, wird sie nicht mehr miteinander verwechseln.

Aber auch “indoor” biete ich Seminare mit unterschiedlichen Schwerpunkten an. “Frühlingsfrisch”: Wir beschäftigen uns mit Vitamin- und MineralstoffspenderInnen von der Wiese wie Scharbockskraut oder Vogelmiere, bereiten einfache Aufstriche, kosten uns durch Giersch, Wiesenknopf und andere Frühlingskräuter. “Schnupfnase ade”: Wir lernen Kräuter und Gewürze kennen, die uns vor Schnupfen und Kratzhälsen bewahren und mischen unseren individuellen Anti-Erkältungstee. Wir üben uns im Erstellen von kleinen Kraftwerken, sprich wir lassen es keimen und sprießen). “Kosmetik aus der Kräuterküche”: Hier plündern wir Küche und Keller und produzieren Haut- und Haarpflegendes nach dem Motto: Schmier dir nur auf den Körper, das du auch essen möchtest. “Kräuteressig, Kräutersalz, Teemischung zum Selbermachen”: Wir werken an individuell zusammengestellten Mischungen, die genau für die betreffende Person energetisch zugeschnitten sind. So brauchen es manche etwas wärmer, dann verwenden wir zum Beispiel eine Prise mehr Oregano. “Zauberpflanzen und Märchengemüse oder Wo wohnt Frau Holle?”: ein kreativer Heilpflanzen-Schreibworkshop, bei dem wir uns sowohl mit den Heilkräften der Pflanze als auch mit unseren eigenen schöpferischen Kräften auseinandersetzen. “Frauenkräuter - Kräuterfrauen”: Der Schwerpunkt bildet altes Heilpflanzenwissen von und für Frauen. Wir beschäftigen uns mit den Schätzen, die zum Beispiel Frauenmantel, Mariendistel, Schafgarbe oder Liebfrauenstroh für uns bergen. Wir machen uns auf die Suche nach unseren persönlichen Helferinnen aus dem Kräuterreich - erste Schritte auf dem Weg zur Erfahrung, dass wir selbst sehr wohl kompetent sind, wenn es um unser Wohl geht.

Auf meinem Heilpflanzenweg begleiteten und begleiten mich viele “TüröffnerInnen”, die mir anhand ihres Wissens und ihrer Begeisterung für die Natur viel Inspiration und Ideen vermittelten. Ich verstehe mich immer als Lernende, ob ich teilnehme an Kursen und Wanderungen oder selbst Veranstaltungen mache. Die TeilnehmerInnen sind oft erstaunt, wieviel sie selbst wissen. Sie erzählen vom Großvater, der die an Rotlauf erkrankten Schweine bis zum Hals unter dem Hollerbusch eingrub und sie am nächsten Tag gesund wieder ausbuddelte. Oder sie berichten von Spitzwegerichsaft, den sie als Kind trinken mussten gegen den Husten. Ich gehe also immer als Beschenkte aus diesen Seminaren hervor.

Station 5

Frau Holle als Inspiration für künstlerisches Schaffen

Sonnwendfeier, Foto: © Petra Öllinger

uch die guten alten Märchen sind vor mir nicht sicher ... Werden Märchen aus ihrer “Reduktion” auf Kindergeschichten gehoben, so offenbaren diese einen Schatz an Symbolen und altem Heilwissen. Ein “Prototyp” eines solchen Textes ist jener über Frau Holle. “Zauberpflanzen und Märchengemüse oder Wo wohnt Frau Holle” ist der Titel eines Workshops, wo ich mich mit meinen TeilnehmerInnen mit Hilfe dieser starken Wettermacherin auf zu unseren eigenen künstlerischen Schätzen mache. Einerseits setzen wir uns mit der mythologischen Bedeutung verschiedener (Heil)-Pflanzen sowie deren gesundheitsfördernden Anwendung auseinander. Zum Beispiel mit dem Hollerstrauch, der als Sitz der Erdgöttin Hel beziehungsweise der kleinen Haus- und Schutzwesen galt. Die Bedeutung dieses Strauches ist daran ersichtlich, dass es Unglück für die BewohnerInnen brachte, wenn der Holler vor ihrem Haus umgeschnitten wurde. Und tatsächlich ist der Holler eine sehr heilkräftige Pflanze: Hollerblütentee gegen Fieber, Hollerbeersaft als Schutz vor Erkältungen. Wir begeben uns auch auf die Spurensuche von Pflanzen in Geschichten, Sprichwörtern und mythologischen Texten. Wir machen uns auf die Suche nach der Bedeutung der Pflanzennamen (Liebfrauenstroh, Frauenmantel, Johanniskraut, Scharbockskraut), “spinnen” aber auch Bedeutungen, die nur für uns gelten. Es bietet sich ein unerschöpflicher Fundus an “pflanzlicher Inspiration” für eigene Texte und Bilder, wenn wir uns Hans Christian Andersens Märchen “Die kleinen Grünen”, Wolfgang Borchers “Die traurigen Geranien”; Keto von Waberers “Teresas Garten” oder Sarah Kirschs Lyrik widmen. Die TeilnehmerInnen entdecken im Zuge dieses Prozesses ihre persönliche Heilpflanze, um sich auf schöpferische Art mit ihr auseinanderzusetzen. Da löst die zarte, zerbrechlich erscheinende, aber im Grunde sehr zähe und winterharte Vogelmiere Erinnerungen einer Teilnehmerin an bravourös gemeisterte Krisen aus und eine wunderbare Frauen-Mut-Geschichte entsteht. Da inspiriert die Ringelblume zu einem Bild aus kräftigen warmen Öl-Farben. Und das Gänseblümchen mit seinen rot gesprenkelten Blütenblättern lässt das Bild der Oma in ihrem roten Leinenkleid auftauchen. Jener Oma, die zwar nichts über die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe wusste, aber die Geschöpfe in ihrem Garten nach deren eigenem “Willen” gedeihen ließ.

Mag.a Petra Öllinger

Geboren 1969 in Linz/Oberösterreich. Werkt zwischen Linz und Wien. Vorträge, Seminare und Training im Bereich Ernährung und Gesundheit, Kräuterwanderungen und Kräutertreffs, Motivationstrainings für GesundheitsbegleiterInnen. Veranstalterin von Schreibworkshops. Literarisch und journalistisch tätig.

Nächstes Kräuterseminar: Frauenkräuter - Kräuterfrauen am 18. April 2007, 18.30 - 20.30 Uhr, im Café Ephata Wien

Kontakt:
Mag.a Petra Öllinger · Tel: +43 (0)1 597 7554 · Email: info@petra-oellinger.at · www.petra-oellinger.at


Fotos: © Petra Öllinger



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