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MAGAZIN

BEDEUTENDE FRAUEN AUS AFRIKA

© Irene Fleiss (05.05.07)


Welt weit

Sylvia Serbin: Königinnen Afrikas

Endlich ein Buch, das die Frauen Afrikas der Vergessenheit entreißt. Zwar nicht so gut, wie es sein könnte, aber interessant genug und auf alle Fälle wichtig und notwendig.



Sylvia Serbin: Königinnen Afrikas

ylvia Serbin erzählt von 20 Frauen und zwei Frauengruppen und unterteilt ihr Buch in acht Abschnitte.

Königinnen:

    Nzingha, Königin von Angola
    Pokou, Gründerin des Reichs der Baule
    Tassin Hangbe, Königin von Dahomey
    Ndete Yalla, letzte Königin von Walo
    Ranavalona III, letzte Herrscherin von Madagaskar

Frauen mit Macht und Einfluß:

    Nofretete, Ägypten
    Kassa, Mali
    Malan Alua, Sanvi-Königreich
    Madam Tinubu, Geschäftsfrau und Politikerin

Frauen des Widerstands:

    La Kahéna, Königin des Aurès
    Die Frauen von Nder
    Solitude, "Märtyrerin der Sklaverei"
    Harriet Tubman, Kämpferin der SchwarzamerikanerInnen

Prophetinnen und messianische Bewegungen:

    Nongqawuse, Prophetin der Xhosa
    Donna Beatrice, die "Jeanne D´Arc" des Kongo
    Alice Lenshina, Gründerin der Lumpa-Kirche in Sambia

Kriegerinnen:

Höfische Romanzen:

    Yennega, "Amazone" der Mossi
    Salou Casais, Prinzessin von Gao

Opfer:

    Die "Hottentotten-Venus"

Mütter großer Männer:

    Sogolon Kedju, Mutter des Gründers des Mali-Reiches
    Nandi, Mutter des Gründers des Zulureiches

Die Zeit für ein solches Buch war überreif, denn von den schwarzen Frauen, ihrem Mut, ihrer Stärke, ihren Kämpfen, Siegen und Niederlagen erfahren wir bestenfalls in einzelnen Absätzen und Nebensätzen in verschiedenen Büchern über die Geschichte der weiblichen Hälfte der Menschheit. Hier ein Absatz über Yaa Asontewa, da einer über Ranavolana, mehr geben die Bücher selten her, das Internet noch weniger. "Kinder schwarzafrikanischer Herkunft werden nur schwer eine Identität entwickeln, wenn sie sich auf eine Geschichte stützen müssen, die nur Sklaverei und Kolonisierung kennt." Auch Weißen täte es gut, von schwarzafrikanischen Zivilisationen zu hören, die kulturell und technisch hochentwickelt waren, als in Europa das sogenannte "finstere Mittelalter" (das so finster gar nicht wahr) herrschte. Frauen tut es erst recht gut, von starken, herrschenden, widerständigen, eigenständigen Frauen aus verschiedenen Kulturkreisen zu erfahren.

In ihrem Vorwort gibt die Autorin einen Überblick über die tragische Geschichte des europäisch-afrikanischen Kontakts, über den SklavInnenhandel und den Drang, die Menschen zu klassifizieren und die weiße Vorherrschaft zu zementieren. Nicht jede der portraitierten Frauen hätte ich ausgewählt, nicht jeder Form dargestellten Pflichtgefühls kann ich zustimmen. Manche Frauen gehen mir ab, Yaa Asontewa beispielsweise. Nofretete andererseits erscheint mir in diesem Zusammenhang zeitlich wie räumlich unpassend. Aber darauf, ob die Zusammenstellung wirklich ideal ist, kommt es erst in zweiter Linie an. Von diesen Frauen zu wissen, ihre Handlungen diskutieren zu können, darauf kommt es an.

"Die höchste Ehre, die wir diesen Frauen erweisen können, besteht darin, dafür zu sorgen, dass man sich ihrer erinnern wird. Und zu zeigen, dass die schwarzen Frauen nicht immer nur unterworfen und mundtot gemacht wurden. Und zu bezeugen, welche Lebenskraft den Gesellschaften zu eigen war, denen sie angehörten. Denn - man kann es nicht oft genug sagen - der schwarze Kontinent war sich lange Zeit selbst genug. Seine Bevölkerung kannte keinen Hunger, und seine Ressourcen trugen zum Wohlstand grosser Zivilisationen bei."

Die Frauen, die Sylvia Serbin ausgewählt hat, "spiegeln verschiedene Facetten der Lebensweisen und Kulturen im präkolonialen Afrika wider, wo auch Gesellschaften existierten, die sich auf universelle Werte wie Frieden, Kultur und Bildung gründeten, selbst wenn kriegerische Völker häufig größere Aufmerksamkeit auf sich zogen." Auch in dieser Auswahl sind es die Frauen kriegerischer Kulturen, die den größten Raum einnehmen.

Die Autorin musste sich zumeist auf eine langwierige Spurensuche begeben, um die Geschichte der ausgewählten Frauen zu rekonstruieren, da es sich in den meisten Fällen um schriftlose Kulturen gehandelt hat und die mündliche Überlieferung die Hauptbasis der heute bekannten Geschichten darstellt. Der Bericht eines französischen Offiziers über eine Schlacht, die Aufzeichnungen eines portugiesischen Mönchs, mittelalterliche Chroniken aus Toulouse, der Bericht eines arabischen Geographen und Forschungsreisenden - aus solchen verstreuten, eher zufälligen und nicht immer zuverlässigen Quellen muß die Geschichte schwarzafrikanischer Frauen zusammengestellt werden. Und nur, weil es sich nicht um "Frauen von der Straße" gehandelt hat, sondern um Königinnen, Kriegerinnen, Generalinnen und Frauen, die aus anderen Gründen weitergehende Aufmerksamkeit erregt haben, gibt es diese spärlichen Quellen überhaupt. In diesem Sinne stehen die portraitierten Frauen stellvertretend für Millionen anderer. Anders gesehen ist allerdings deutlich erkennbar, dass es sich um Ausnahmefrauen ihrer Zeit und Kultur gehandelt hat - auch das gibt Stoff zum Nachdenken.

Die Sichtbarmachung der Geschichte schwarzer Frauen ist unter mehreren Aspekten wichtig und notwendig. "Wenn nichts unternommen wird, um diese Vergangenheit zu bewahren und bekannt zu machen, riskieren wir, eine Generation ohne Gedächtnis zu werden. Wir hätten dann keine Koordinaten, um Klischees über die angebliche Geschichtslosigkeit der schwarzen Völker zurückzuweisen." Beschreibungen des heutigen Angola aus dem 16. Jahrhundert zeichnen das Bild eines reichen, blühenden Landes: zahlreiche Wasserläufe, Landwirtschaft und Viehzucht, Dörfer, die von Alleen aus Orangen-, Granatapfel- und Zitronenbäumen durchzogen und mit gepflegten Wegen untereinander verbunden sind, Weinhänge, Felder, die zweimal im Jahr Ernte tragen, die BewohnerInnen "recht geschickt und erfinderisch". Die Bevölkerung betrieb Handwerk (Stoffweberei, Elfenbeinschnitzerei, Gerben, Herstellung von kupfernen Haushaltsgegenständen), Bergbau, grenzüberschreitenden Handel. Über so manche Frau erfahre ich Einzelheiten, die ich spontan lieber nicht wüsste. Wenn Nzingha Ngola Katholikin wurde, und das offenbar nicht nur aus politischem Kalkül, dann ist das unerwartet, doch es gehört zu den Widersprüchen, die Menschen nun einmal aufweisen. Und patriarchal war ihr ursprüngliche Religion wohl auch, da Menschenopfer dazugehörten. Daß sie vom SklavInnenhandel profitiert hat, ist schon schwerer zu verdauen - doch es gehört zum vollständigen Bild dieser bedeutenden Herrscherin.

Leider unterliegt die Autorin bei der Beschreibung der Frauen (unbewusst) so manchem abendländischen (christlichen) Vorurteil. Der Bericht über die "wahre Hexenjagd auf die Christen" durch Ranavalona III zeigt zumindest eine gewisse Distanz zu dieser Aktion der madagassischen Königin und zur Sichtweise der Bevölkerung dieses Vorgehens als Nationalismus und Unabhängigkeitsstreben. Wenn sie Malan Alua als "schwarze Messalina" bezeichnet, wiederholt sie damit zum einen unreflektiert die Diffamierung der römischen Messalina, zum anderen stülpt sie damit christliche Moralvorstellungen über die blahina, die matrilineare "Hüterin der Traditionen" des Sanvi-Reiches. Großes Mitgefühl mit Männern, die der Königin Malan Alua auffallen und von ihr als Geliebte ausgewählt werden, klingt aus ihren Worten. "Und wehe denen, die ihren Blick auf sich zogen!" heißt es, und "Malan Alua hatte auch keinerlei Skrupel, die Männer von ihren Frauen zu trennen, Väter von ihren Kindern und zahlreiche Familienbande zu zerstören." Daß diese Männer mehrere Ehefrauen hatten, wird nebenbei erwähnt, und dass jene auch nicht gefragt wurden, ob sie heiraten wollten, lässt sich nur aus einigen Formulierungen schließen. Wie die Männer mit ihren Kindern umgingen, wird überhaupt nicht thematisiert, liebevolle Beziehungen werden einfach vorausgesetzt. Bei der "kleinsten Verärgerung" wurde der Liebhaber hinausgeworfen, und "krankhaft eifersüchtig" war sie, während sie "Seitensprünge und nächtliche Abenteuer" unternahm! Wenn das nicht patriarchal und religiös gedacht ist!

Christlich-europäisch beeinflußt erscheint mir auch Sylvia Serbins Bericht über die Wirkung der Rückkehr ehemaliger Sklaven nach Afrika, die europäische Lebensweise und Berufe und den christlichen Glauben angenommen hatten. Sie schreibt, dass die Rückkehrer mit ihren Kenntnissen und Fertigkeiten eine neue "dynamische, gebildete Elite" bildeten und dass sie "aufgrund ihrer Bildung und Religion zwangsläufig die Ideale von Gleichheit und Freiheit verfochten". Daß ehemalige Sklaven und Sklavinnen Sklaverei und Sklavenhandel verdammten, ist logisch, dass die heimische Gesellschaft "hierarchisch verkrustet" war, will ich glauben, dass aber das Christentum - im Gegensatz zum Animismus - "zwangsläufig" für Gleichheit und Freiheit war, scheint mir eine gewagte Behauptung angesichts der Tatsache, dass (neben den Arabern) Sklavenhalter und Sklavenhändler Christen waren. Vielleicht irre ich mich ja, aber ich gewinne den Eindruck, dass das Christentum und auch der Islam bei der Autorin besser wegkommen als die ursprünglichen afrikanischen Religionen, die in erster Linie in Zusammenhang mit Menschenopfern erwähnt werden.

Auf die beiden Romanzen hätte ich verzichten können (darüber ließen sich große historische Liebesromane schreiben). Die beiden Geschichten über "Mütter berühmter Männer" sind für mich nur als Beispiele dafür akzeptabel, welchen gesellschaftlichen Zwängen und Bedrohungen Frauen auch in Afrika jahrhundertelang ausgesetzt waren. Widersprüchliche Heldinnen wie die Xhosa-Prophetin Nongqawuse, deren hoffnungsvolle Aussagen für die Zukunft die Menschen in eine Katastrophe führten, geben Zeugnis von der tragischen Geschichte Afrikas seit der Kolonisierung. Die tragische Geschichte der Saartje alias Sarah, als "Hottentotten-Venus" entwürdigend zur Schau gestellt, steht stellvertretend für die vieler anderer erniedrigter, entpersönlichter schwarzen Frauen. Entmenschlicht bis ins 20. Jahrhundert, in dem Frankreich sich jahrelang weigerte, die zerstückelten und im Musée de l´Homme aufbewahrten Überreste des menschlichen "Schaustücks" Südafrika für ein Begräbnis zu überlassen; erst 2002 konnte diese Frau - auch dies stellvertretend für ihre zahllosen unbekannten Leidensgenossinnen - ein Ehrenbegräbnis in ihrer Heimatregion erhalten.

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut. Ganz hat es nicht gehalten, was ich mir davon versprochen hatte, was aber nichts an seiner Bedeutung ändert. Die Auswahl ist diskutabel, der Stil gleitet manchmal ins Schwülstige, die Weltanschauung der Autorin macht sich meiner Meinung nach manchmal unangenehm bemerkbar, der Klappentext spricht vom "Leser" des Buches - aber Hauptsache, der Wunsch der Autorin geht in Erfüllung und ihr Buch regt LaiInnen und ForscherInnen dazu an, die Geschichte schwarzer Frauen endlich aus der Vergessenheit ins Licht der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zu bringen. Dazu trägt dieses Buch sicherlich seinen Teil bei. Frauen, die sich für weibliche Biographien und Frauengeschichte interessieren, kommen an diesem Buch nicht vorbei, auch solche nicht, die Afrika lieben, und bereuen werden sie es nicht.

Sylvia Serbin: Königinnen Afrikas

Sylvia Serbin
Königinnen Afrikas


Peter Hammer Verlag, 2007
408 Seiten, gebunden
€D 25,00 / €A 25,70 / sFr 43,80
ISBN: 978-3-7795-0066-3

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ZUR AUTORIN:

Sylvia Serbin
... stammt von den französischen Antillen, hat in der Elfenbeinküste und in Senegal gelebt und in Paris Geschichtswissenschaft und Journalistik studiert. Sie lebt in Fontenay-le-Fleury in Frankreich, wo sie Stadträtin ist, und arbeitet als Autorin sowie als Journalistin für Presse und Rundfunk.

WEITERFÜHRENDES:
www.guide2womenleaders.com
www.swagga.com/queen.htm
www.suppressedhistories.net



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Kommentare unserer Leserinnen...*

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*Bedeutende Frauen aus Afrika


Irene Fleiss
25.06.07 10:11

Sylvia Serbin: Königinnen Afrikas

Endlich ein Buch, das die Frauen Afrikas der Vergessenheit entreißt. Zwar nicht so gut, wie es sein könnte, aber interessant genug und auf alle Fälle wichtig und notwendig.

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*Re: Bedeutende Frauen aus Afrika


Gästin
25.06.07 10:25

Die Autorin ist skandalisiert über die Übersetzung dieses Buches auf Deutsch, sie hat versucht das Erscheinen des Buches auf Deutsch zu verhindern. Sie versucht auch Gerichtlich gegen dem Verlag vorzugehen.
Nach Ihren Wörte ist es eine reine rassistisch motivierte Sabotage Ihrer Arbeit.
Ihr Buch wurde komplett verschandelt, nach Angaben der Autorin.
Die Übersetzung wurde nie genehmigt von ihr, und sie hat auch versucht ihr Erscheinen zu verhindern.

Hier ein link eines Interviews der Autorin die die Leser informieren und warnen will über diese Übersetzung Ihres auf französisch erschienenen Buches, und braucht auch eure Hilfe, dieses verschandelns ihrer Arbeit anzuprangern:

http://ma-tvideo.france3.fr/video/iLyROoaftb-F.html

http://www.bworldconnection.com/index.php?option=com_content&task=view&id=45&Itemid=54&idA=138


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*Königinnen Afrikas - Fälschung von Peter Hammer Verlag


Gästin
25.06.07 18:14

Königinnen Afrikas - Fälschung von Peter Hammer Verlag
Written by Sylvia Serbin
Sunday, 24 June 2007
"Königinnen Afrikas"
"Eine Fälschung meines Buches verkauft sich
im deutschsprachigen Raum. Ich rate vom Kauf ab"

http://www.afrikanet.info/index.php?option=com_content&task=view&id=671


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*Re: Bedeutende Frauen aus Afrika


Gästin
05.07.07 15:16

Diese Information erklärt mir manches, das ich nicht verstanden habe, aber nur kurz in meiner Rezension angeführt habe, da mir trotz allem das Thema zu wichtig war. Ich bin froh, daß diese "Brüche" nicht von der Autorin ausgehen!
Irene


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