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VON EXISTENZäNGSTEN UND INVESTMENTFONDS

© Konstanze Herrmann (29.08.07)


Ökonomie

Frauen und Geld

Es ist ein Phänomen, dass sich zwar viele Frauen ihrer unsicheren materiellen Lebensverhältnisse bewusst sind, jedoch dem keine Taten folgen lassen, sagt die Investmentfondsberaterin Konstanze Herrmann.



Steine für viel Geld, Foto: qay, www.pixelio.de

ine junge Frau, verheiratet, 3 Kinder, Mitte Dreißig, hatte zwar studiert, blieb aber wegen der Kinder zu Hause. Wegen der Kinder kauften sie ein Haus, auf Kredit. Plötzlich denkt sie während der Finanzberatung laut: "Wenn meinem Mann morgen etwas passieren würde, hätte ich nichts, keine Absicherung." Eine bekannte Situation für viele Frauen. Doch was war ihre Konsequenz? Es gab keine.

Aber auch Frauen, die sich auf der sicheren Seite wähnen, können sich nicht immer zu sicher sein. Kinder, Scheidung, Arbeitsverlust oder Krankheit können ihre Lebensgrundlagen (plötzlich) massivst beeinträchtigen. Mit allen sozialen, psychischen und seelischen Folgen. Es ist ein Phänomen, dass sich zwar sehr viele Frauen ihrer mehr oder weniger ungesicherten materiellen Lebensverhältnisse bewusst sind, jedoch dem keine Taten für eine Sicherung folgen lassen.

In meiner langjährigen Tätigkeit in der Lebensberatung musste ich unzählige Male erleben, vor welch großen materiellen Schwierigkeiten Frauen oft stehen, wenn sie (endlich) ihre Lebenssituation ändern wollen. Wieviel zusätzliche Kraft und Energie kosten dann so mutige Schritte? Denn es ist mutig, auch heute noch, wenn Frauen ihr Leben in ihre eigenen Hände nehmen! Überhaupt, wieviel Intelligenz, Kreativität, Einfallsreichtum und Kompetenz werden bewusst in dieser Gesellschaft verschleudert, weil die Energie und Kraft zu vieler Frauen in ständigen Existenzsorgen um sich und ihre Familien gebunden sind?! 30 Jahre nach der neuen Frauenbewegung bekommen Frauen noch immer im Durchschnitt 43-45% weniger Lohn und Gehalt. Wohlgemerkt in Österreich, einem der reichsten Länder der Erde. Von den Folgen für eventuelle Arbeitslosigkeit, für die Pension, für die zukünftige Gesundheitsversorgung gar nicht zu reden. Der Neoliberalismus, der uns überrollt, nimmt auch der größten Optimistin die Zuversicht auf positive Veränderungen dieser Zustände in realistischen Zeiten.

Es ist also in der Tat von lebenswichtiger Bedeutung, dass Frauen Maßnahmen zu ihrer finanziellen Absicherung ergreifen. Denn diese Möglichkeiten gibt es sehr wohl. Zu oft wird dieses Thema auf die (Ehe)Männer abgewälzt. Denn es scheint undurchschaubar, als ein künstliches Konstrukt, hat nichts mit den alltäglichen Sorgen und Problemen zu tun. Raffiniert, nicht wahr! Wie schafft mann es, dass sich jemand nicht für etwas interessiert? Zum Beispiel, indem mann es sehr verkompliziert und gleichzeitig sich mit dem Mythos umgibt, nur mann habe den Geist, es eventuell zu durchschauen und zu bewältigen. Bisher schien diese Rechnung aufgegangen zu sein. Ein weiteres beliebtes Mittel ist, den Massen die Sache zu vergraulen als etwas, was moralisch nicht erstrebenswert ist. Eine beliebte Variante ist auch, ein paar Krumen hinzuwerfen, verpackt in Hochglanzfolie. Was suggeriert, dass man ein tolles Geschäft gemacht hat. Dabei gibt es Möglichkeiten, die in Wahrheit überhaupt nicht kompliziert und verworren sind.

Steine für viel GeldIch arbeite als Investmentfondsberaterin für das größte unabhängige Wertpapierdienstleistungsunternehmen Österreichs. Hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich eine österreichische Firma, die seit 22 Jahren existiert und internationale Anlagemöglichkeiten zwischen KundInnen und Fondsgesellschaften vermittelt. Wir alle kennen den bisherigen Weg des Geldes. Wir bringen unser Geld zur Bank auf's Sparbuch. Oder haben Bausparverträge oder Lebensversicherungen. Oft sogar mehrere, als Sicherheit für Kredite. Das Dumme ist nur, wir, die wir unser Geld hingeben, bekommen es nicht wirklich mit Gewinn zurück. Im Gegenteil, oft können wir über bestimmte Zeiten nicht mal darüber verfügen. Jedoch die Banken und Versicherungen sind schwerstreich. Irgendetwas ist da in einer gewaltigen Schieflage. Und zwar deshalb, weil die Banken und Versicherungen mit unserem Geld arbeiten. Sie geben Kredite, für die sie viel mehr Zinsen verlangen, als sie für Guthaben geben. Doch das wirklich große Geld machen sie, weil sie unser Geld in die Wirtschaft und in Sachwerte investieren: in Firmenkredite, in Immobilien, in Edelmetalle, in Aktien, in Fonds. Sachwerte unterliegen nicht der Inflation. Sparbuch, Bausparverträge, Lebensversicherung dagegen stellen Geldwerte dar. Das heißt diese unterliegen der Inflation und verlieren an Wert.

Seit Österreich den EU-Beitritt erklärte, dürfen alle BürgerInnen direkt in Fonds investieren. Banken und Versicherungen als "Dealer" wurden damit ausgeschaltet. Nur werden diese Möglichkeiten nicht publik gemacht. Logisch, oder? Schließlich wollen weder Banken noch Versicherungen auf ihre Riesengewinne verzichten. Das heißt, es ist wirkungsvoll, Fonds als etwas Gewagtes, Verrücktes, Risikovolles darzustellen. In Wahrheit sind Fonds aber nicht weniger sicher als andere Geldanlagen. Sie unterliegen strengen internationalen und nationalen Gesetzen. Sie gelten immer als Sondervermögen. Das heißt, sollte eine Fondsgesellschaft pleite gehen, wird sämtliches Fondsvermögen ausgelagert und darf nicht in die Konkursmasse einbezogen werden, die KonkursverwalterInnen haben keinen Zugriff. Prominentes Beispiel war die Baring-Bank in London. Vor ca. 10 Jahren verspekulierte ein junger Banker in Südostasien diese altehrwürdige Bank, auf der auch die Queen Teile ihres Vermögens verwahrte. Möglich war diese Katastrophe jedoch nur, weil Sicherheitsvorschriften eklatant mißachtet wurden. Am Ende vom Lied war diese große Bank bankrott. Ihre Fonds jedoch gibt es noch heute. Nur 3 % des Fondsvermögens hätten ausgereicht, dass die Bank weiterarbeiten kann. Das war aber nicht möglich, weil Fonds Sondervermögen sind.

Weltweit gibt es ca. 80.000 Fonds. In Österreich zugelassen sind ca. 8.000. Unsere Firma besitzt zudem Exklusivverträge mit den größten und ältesten Fondsgesellschaften. Die Fondsgesellschaften kümmern sich ständig um die Fonds, nehmen den AnlegerInnen diese Arbeit ab. Wir bringen Beide in Kontakt und Geschäft miteinander. Warum nicht Fonds bei Banken oder in Form von fondsgebundenen Lebensversicherungen zeichnen? Weil hiesige Banken nicht in internationale Fonds investieren. Wir hingegen vermitteln ausschließlich in internationale Fonds. Da sich hier der Gewinn tatsächlich lohnt, die Bandbreite und damit Streuung viel größer ist, außerdem arbeiten wir mit alteingesessenen Fondsgesellschaften zusammen, die große Erfahrung und ein hervorragendes Fondsmanagement besitzen. Die Banken bieten zwar in stärkerem Maße Fonds an. Auch sie gehen mit der Zeit. Doch auf Grund des großen Informationsdefizits verdienen sie auch mit dieser Spar- und Anlageform wieder gut an ihren KundInnen. Nicht am Anfang, aber sobald der Fonds Gewinne bringt. Zusätzlich sind permanent Spesen und Gebühren zu zahlen. Natürlich arbeiten auch wir nicht für umsonst. Doch wir haben klare, festgesetzte, einmalige Spesen. Versicherungen verlangen für ihre fondsgebundenen Lebensversicherungen ebenfalls permanent Spesen und Gebühren. Sie investieren deshalb nicht Ihren gesamten Betrag in die Fonds. Dadurch wird zwangsläufig der Gewinn für die AnlegerInnen beträchtlich geschmälert. Außerdem werden die AnlegerInnen von Banken und Versicherungen nicht umfassend und fortlaufend zu ihren Fonds beraten.

Und die Fonds selber? Auch sie sind keine komplizierte Angelegenheit. Grob umrissen enthalten Fonds 100-150 verschiedene Firmenanteile, nochmals verteilt auf verschiedene Branchen, Länder, unter Umständen Währungen, auf die Ihr Geld aufgeteilt wird. Dachfonds beinhalten mehrere Fonds, so dass das Geld auf Firmenanteile von 2.000-2.5000 Firmen aufgeteilt wird. Wann würden wir alles verlieren? Wenn am gleichen Tag alle Firmen auf der Erde pleite gehen. Sollte allerdings das passieren, hätten wir eh ganz andere Probleme. Diese große Streuung ist ein weiterer Sicherheitsfaktor. Der auch im österreichischen Investmentfondsgesetz vorgeschrieben ist. Auf das veranlagte Geld kann jederzeit zugegriffen werden. Oder es kann pausiert werden oder erhöht oder gesenkt werden. Wie es frau und mann beliebt. Bei uns zum Beispiel ohne zusätzliche Kosten im Gegensatz zur Bank. Ich führe mit meinen KundInnen jährlich eine Depotbesprechung durch. Fonds sind aber nur wirklich sinnvoll, wenn sie ab mindestens 6-7 Jahre aufwärts bespart werden. Natürlich gibt es wie die Gewinne auch Verluste, genau wie in der Wirtschaft. Doch sind diese Verluste erwünscht, um den Gewinn zu vergrößern.

Steine für viel GeldSpätestens an dieser Stelle sind viele bei der moralischen Vertretbarkeit von Fonds angelangt. Zurecht! Frau sollte jedoch bedenken, Fondsgesellschaften sind weder die Ursache für die Globalisierung noch wurde diese von ihnen "erfunden". Fonds gibt es seit über 150 Jahren. Sie sind keine US-amerikanischen Kreationen, sondern europäische. Ja, es stimmt, die Heuschrecken sind grauselig. Doch besteht diese Branche nicht nur aus Heuschrecken. Ich denke dann immer an die Politik. Männer bestimmen und lenken sie. Sie nutzen sie zur Durchsetzung ihrer Interessen. Männerbünde, wohin wir schauen. Doch es gibt immer mehr Frauen, die es sich antun, dieses Piranhabecken zu durchwaten. Und: immer mehr kommen in Spitzenpositionen an. Und: viele vergessen dabei nicht (mehr), dass sie Frauen sind und tun auf diese Art viel Gutes für andere Frauen und die gesamte Gesellschaft.

So ist es auch mit dem Geld. Wer viel Geld besitzt, kann viel Einfluss nehmen. Eben auch in positivem Sinn. Frauen bräuchten keine Existenzängste mehr zu haben und können ihre Kreativität, ihre Energie, ihr Wissen für sich, die Umwelt, andere Menschen, was auch immer ihnen wichtig erscheint, nutzen. Frauen sind von ihrem Wesen her am Leben interessiert. Es ist ihnen wichtig, es zu erhalten und nicht, es leichtsinnig und gedankenlos auf's Spiel zu setzen. Also könnten sie sich Gehör verschaffen, könnten sinnvoll etwas für unsere Erde tun. Es gibt so vielfältige Möglichkeiten. Es gibt zum Beispiel auch ethische Fonds, die tatsächlich diesen Namen verdienen. Warum also nicht die Instrumente nutzen, die es gibt?! Wenn viele Frauen es tun, wird es die Melodie verändern.

Konstanze Herrmann
ist 47 Jahre alt, geboren in Leipzig, gelernte Wirtschaftskauffrau, Erwachsenenbildungstrainerin und Investmentfondsberaterin und lebt seit 6 Jahren in Graz. Sie hat 10 Jahre in der Lebensberatung gearbeitet und tut es zeitweise noch immer.

fem-finanzen Konstanze Herrmann
Finanzberatung · Veranlagung · Investmentfonds
A-8020 Graz · Floßlendstraße 25
Tel.: 0043 (0)699 102 844 81
konstanze.herrmann@sophiasgarten.at
www.sophiasgarten.at


Foto: qay, pixelio.de



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*Von Existenzängsten und Investmentfonds


Konstanze Herrmann
31.08.07 12:08

Frauen und Geld

Es ist ein Phänomen, dass sich zwar viele Frauen ihrer unsicheren materiellen Lebensverhältnisse bewusst sind, jedoch dem keine Taten folgen lassen, sagt die Investmentfondsberaterin Konstanze Herrmann.

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*Re: Von Existenzängsten und Investmentfonds


Gästin
31.08.07 12:29

Moin Moin,


sicher ist die FINANZIELLE Absicherung wichtig und richtig. Allerdings: was ist Geld? Geld kann ich nicht essen, Geld kann mich nicht trösten - Geld ist so flüchtig, dass man den ganzen Tag damit beschäftigt es, es zu halten. Viele Frauen sehen es an ihren Männern, die ihr Leben lang dem Geld hinterherjagen, und am Ende, so ist es in der Natur der Sache angelegt, doch mit leeren Händen da stehen. Warum - so Frau bei Verstand ist - sollte sie bei diesem Rattenrennen mitmachen?


Sicher, Geld ist Toll. Ich gehe einfach in den Supermarkt und je mehr Geld ich habe, umso gesündere und tollere Produkte kann ich mir kaufen. Sieht man ja an den Hartzies, die sich kein Obst leisten können und so. Ach ja? Daran sehe ich nur, das Geld offensichtlich verblödet. Immerhin gibt es (noch) genügend frei wachsendes Obst, das nur? gepflückt werden bräuchte.


Geld ist auch noch auf andere Weise toll. Ich brauche nicht obdachlos zu werden, solange ich meinem Vermieter bzw. der Bank genügend Geld in den Rachen schmeisse. Ist es nicht egal, ob ich meinem Vermieter die Rente finanziere, oder meinem Bankberater?


Und damit noch nicht zu Ende: auch von anderen Sorgen des Alltags bin ich entbunden: ich brauche nicht mehr kochen, waschen, stricken, putzen, nähen - alles das nimmt mir das Geld ab. Ich bezahle einfach Köchin, Kleidung, Putzfrau, Lebensmittel - und bekomme alles frei haus. Geld ist sowas von praktisch - da müsste ich doch gar nicht mehr arbeiten gehen?!


Na sowas. Arbeiten muss ich trotzdem, und zwar härter als zuvor. Nicht um meine Kleidung herzustellen, Nahrung zu beschaffen und eine Unterkunft zu bauen und zu erhalten. Nein. Ich muss arbeiten, um Geld herzustellen, Geld zu beschaffen, Geld zu bekommen und zu behalten.


Nein. Auf diesen künstlichen Kreislauf habe ich einfach keine Lust. Frauen haben ohnehin schon genug Aufgaben. Die Aufgaben, die das Leben in seiner Gänze ausmachen. Kochen, Putzen, Nähen, Stricken, Säen, Ernten, Bauen, Erhalten, Erneuern ... es sind die Männer, die weitgehend von diesen Lebenspflichten entbunden sind/sich selbst davon entbunden haben und mehr und mehr in irgendwelchen Paralleluniversen unterwegs sind. In diesen virtuellen Welten spielt Geld auf einmal eine Rolle. In diesen virtuellen Welten sind aber (noch) wenige Frauen unterwegs. Und selbst wenn sie dort unterwegs sind, haben sie durch die Sorge um Kinder und Eltern, um Regelschmerzen und Traumkörper, immer noch genug Erdung, um nicht dem Phänomen 'Geld regiert die Welt' auf den Leim zu gehen. Andererseits ... diese Paralleluniversen funktionieren nur, weil es irgendwo 'Hausfrauen' gibt, die Essen bereiten, Wäsche waschen, den Acker bestellen ... das System 'Geld' ist darauf angelegt, das wenige davon zuviel und viele davon zuwenig haben. Hätten alle gleichviel - wäre das Geld nichts mehr wert, weil es keinen Machtvorteil mehr böte. Dazu ist die Diskussion um Grundeinkommen immer interessant.


Welche Existenzangst hat, sollte fasten lernen. Sollte sich besinnen auf die Kräfte, die in ihr wohnen. Unsere Vorfahren haben überlebt, Kriege, Katastrophen, weil sie sich und ihre Hände und Füße und Denkorgane zu nutzen wussten, für ganz konkrete Dinge im Hier und Jetzt. Ganz ohne InvestmentFond haben unsere Großeltern unsere Eltern durch die schlechte Zeit gebracht. Meist sogar ganz ohne Geld. Zu wissen, wie man sich ohne Supermarkt ernährt, ist für die Existenz viel wichtiger, als ein dickes Konto zu haben. Geld ist nur solange etwas wert, wie es etwas dafür zu kaufen gibt. Allein die Inflation spricht dafür, sich nicht auf Geld als Versicherung zu verlassen, sondern auf Wissen und Fähigkeiten, die eine beizeiten lernt.

Es grüßt

Undine


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*Re: Von Existenzängsten und Investmentfonds


RoterRubin
31.08.07 17:09

Haben Frauen denn nicht schon zur Genüge bewiesen, dass sie Meisterinnen im täglichen Überlebenskampf sind und auch ohne Geld Großartiges leisten? Ist es denn wirklich notwendig, sich am Leben in Krieg und Dürre zu orientieren, anstatt am Leben in Frieden und Fülle? Und warum sollen es sich Frauen eigentlich immer so verdammt schwer machen, während Männer sich die Bäuche vollschlagen und in Gold baden?

Geld ist nicht gleich Kapitalismus. Geld grundsätzlich zu verteufeln halte ich für eine tückische Methode, Frauen und generell linkspolitisch engagierte Menschen klein zu halten. Geld ist ein Tauschmittel, nicht mehr und nicht weniger, und ein Tauschsystem macht durchaus Sinn. Denn nicht jede und jeder kann und will den Großteil der Zeit damit verbringen, allein die Grundbedürfnisse zu stillen: Essen heranschaffen (sei das durch Landwirtschaft oder durch Containern oder sonst wie), Häuser renovieren und instandhalten, Kleidung nähen, etc. Es gibt auch Menschen, die lieber schreiben, Theater spielen, Computer programmieren, heilen oder sonst was tun.

Ich stimme vollkommen mit dir überein, wenn du sagst "Zu wissen, wie man sich ohne Supermarkt ernährt, ist für die Existenz viel wichtiger, als ein dickes Konto zu haben.", trotzallem lässt mich das Gefühl nicht los, dass Frauen mit solchen Sprüchen - (die im übrigen meist von Menschen kommen, die selbst nicht in Armut leben müssen) - davon abgehalten werden, überhaupt mal irgendein Konto zu haben. Was ein wirklich dickes eigenes Konto bedeutet, davon haben doch nur äußerst wenige Frauen dieser Welt eine Ahnung.

Ich denke, Geld wird dann zum Problem, wenn es - wie es der Kapitalismus vorschreibt - gehortet wird und nicht mehr fließen kann. Die Frauen in Juchitan in Mexiko zum Beispiel machen deshalb von Zeit zu Zeit "Schenkfeste" in denen sie das verdiente Geld wieder verteilen. Wäre es nicht schön, dass verantwortungsbewusste, solidarische Frauen an Geld kommen um es auszuschütten und dorthin fließen zu lassen wo es gebraucht wird?

lg
RoterRubin

P.S.: Tipps, wo Frauen "genügend frei wachsendes Obst" finden, "das nur gepflückt werden bräuchte", wären natürlich nicht schlecht. In Wien kenne ich solche Plätze nämlich nicht. Auch solche Informationen, die für manche lebenswichtig sind, sollten fließen!


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*Re: Von Existenzängsten und Investmentfonds


Gästin
03.09.07 09:35

Moin Moin,


GELD und BESITZ und KRIEG und DÜRRE - denke mal darüber nach, wie das alles zusammenhängt. IN GOLD BADEN - Gold, in kleinen Dosen, ist heilsam. GOLD, im Übermass genossen, ist tödlich. Die Dosis macht das Gift.


Denke mal darüber nach, wie GELD und BESITZ und BESSEN WERDEN zusammenhängen. Wer besitzen will, muss immer damit rechnen, besessen zu werden. So glauben viele. Die Wahrheit ist: WER BESITZT, WIRD GLEICHZEITIG BESESSEN. Du besitzt Geld, und dein Geld besitzt ebenso dich. Ein Mann besitzt eine Frau, und wird gleichzeitig von ihr besessen. Beliebtes Thema, nu. Ein beliebter Irttum - besitzen ohne besessen zu werden. Geht aber nicht. Deswegen sollte jede sich sehr genau überlegen, WAS sie besitzen möchte. Schon mal darüber nachgedacht? Besitz belastet, und Adel verpflichtet - das sind mehr als hohle Worte.


Leider hat unsere Gesellschaft sie pervertiert, verdreht, und sonstwas daraus gemacht. Die die besitzen, denen wurde die Macht genommen sich zu kümmern um ihren Besitz. MITHILFE von Geld. Statt uns um unseren Besitz zu kümmern - kümmern wir uns um das Geld - und unser Besitz verfällt. Unsere Körper verfallen - unser unmittelbarster Besitz. Unsere Gedanken, Träume, Theorien, kurzum, unsere Kultur, verfällt. Weil sie sich nicht in Geld ausdrücken lassen und damit nichts wert sind. Schon mal darüber nachgedacht? Geld ist mehr als eine Erleichterung des Tauschhandels von Waren. GELD ist ein WERTsystem. Ein System, dass ich ablehne und durch ein anderes WERTsystem ersetzen möchte.


Ich weigere mich, in GOLD ZU BADEN - das wäre tödlich. Ich will Leben.


Tipps, wo freiwachsendes Obst zu finden ist? Sicherlich eher weniger in Stadtparks in Großstädten. Egal wo du wohnst, Fahrrad nehmen, ans Auto hängen, ins Grüne fahren - die Gegend erkunden. Grundwissen, was so ein Baum zum wachsen braucht, haben die meisten noch. Dann - Augen aufhalten. Wir kennen sehr oft Ahorn und Kastanie, aber was für Blätter hat ein Apfelbaum? Dann - Enttäuschungen verkraften. Wildwachsende Früchte haben nie das Kaliber, dass wir aus dem Supermarkt gewöhnt sind. Dann - Überraschungen verkraften. Auch die kleinen, kröpeligen Früchte schmecken, so sie denn reif geerntet werden, sehr lecker. Allerdings - ist eine Heidenarbeit. Für Christen daher vielleicht nicht geeignet?


Du kennst sicher den S-Bahn-Plan besser als die aktuelle Mondphase, den Wochentag besser als den Abschnitt im Jahreskreis, in dem wir uns gerade befinden. Obstbäume wurden sehr oft an Chausseen gepflanzt. An Wanderwegen. Also alten Karten raus. Nein, nicht den ADAC-Autoatlas. Alte Chausseestrassen suchen und abklappern. Erkundungsfahrten machen. Nein, nicht mit dem Auto. Mit dem Rad. Wo wohnst du? Was wächst dort? Kannst nur du selbst rausfinden, die Natur in Mitteleuropa ist so vielfältig wie sonst nirgends. Nicht im Wald nach Äpfeln suchen. Dorthin geht man zum Pilze suchen. Heidelbeeren wachsen im lichten Unterholz =Nadelwälder. Noch mehr Tipps? Tipps wofür - zum Investmentbanken damit du deine Äpfel weiter aus dem Supermarkt beziehen kannst (übrigens, kommt Strom aus der Steckdose?) oder Tipps zum Äpfel pflücken, damit du ohne Inverstmentbanking durchs Leben kommst?


Es grüßt
Undine


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*Re: Von Existenzängsten und Investmentfonds


Kutakinte
03.09.07 19:48

Du besitzt Geld, und dein Geld besitzt ebenso dich.


ob dein geld dich besitzt hängt stark davon ab, welchen stellenwert du diesem geld einräumst.
keine ahnung, ob du selbst schon mal existenzängste hattest und nicht wusstest wie du miete, strom usw. bezahlten sollst. ich zumindest hab die erfahrung gemacht, dass unter solchen umständen, geld zwangsweise einen höheren stellenwert bekommt. geld besitzt mich ja nicht nur, wenn ich es zusammenraffe, sondern auch dann, wenn ich nicht weiß wie ich meine rechnungen bezahlen soll.

wenn frau also nicht will, dass das geld von ihr besitz ergreift, braucht sie genug geld, um einigermaßen über die runden zu kommen.


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*Re: Von Existenzängsten und Investmentfonds


Gästin
04.09.07 12:05

Tipps, wo Frauen "genügend frei wachsendes Obst" finden, "das nur gepflückt werden bräuchte", wären natürlich nicht schlecht. In Wien kenne ich solche Plätze nämlich nicht. Auch solche Informationen, die für manche lebenswichtig sind, sollten fließen!



z.B. im Naturschutzgebiet Wienerberg, dort findet frau Nussbäume, köstliche wilde Äpfel, Holler, Brombeeren, Kriecherl, Brennesseln (köstlich als Spinat!), wilden Vogerlsalat, Brunnenkresse, Hirtinnentäschel, jede Menge Minzen und noch viele andere Kräuter.

Satt wird frau davon allerdings nicht und das Sammeln braucht natürlich auch sehr viel Zeit... Von "genügend frei wachsendem Obst", also dass frau sich davon ausreichend ernähren kann, kann also keine Rede sein!

Nicht zu wissen, wie frau ihre nächste Miete/Stromrechnung/Sozialversicherung etc... zahlen soll, ist sehr sehr anstrengend und zermürbend.

Heulend zuhause sitzen und nicht zu wissen, was frau heute und morgen essen soll, weil nicht einmal 20 Euro da sind zwecks Einkauf für die wichtigsten Nahrungsmitteln wie z.B. Nudeln, Reis, Linsen und ein bisschen Gemüse, ist furchtbar.

Bei Aussagen a la "Geld kann man nicht essen" (nein, aber damit kann ich Essen kaufen) oder "für mich ist Geld nicht so wichtig" krieg ich hysterische Anfälle. Wer sagt, dass Geld nicht wichtig ist, hat vermutlich selbst ausreichend davon.

Tauschen statt zahlen find ich im Prinzip eine schöne Sache - bloß meine Hausverwaltung will davon nichts wissen. Und die WienStrom u.a. Firmen seltsamerweise auch nicht.

Geld zu haben ist für mich sehr wichtig, da es für mich Unabhängigkeit und Freiheit bedeutet und ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht.

LG,
Irmgard


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*Re: Von Existenzängsten und Investmentfonds


RoterRubin
12.09.07 00:02

Komme erst jetzt zu einer Antwort...

"GELD ist ein WERTsystem. Ein System, dass ich ablehne und durch ein anderes WERTsystem ersetzen möchte."

So pauschal gesprochen sind wir da vielleicht sogar einer Meinung, Konkret stellen sich mir da aber schon einige Fragen:

1. Welches System stellst du dir genau vor?
2. Wie kommen wir vom derzeitigen System zum neuen System?
3. Wovon leben wir bis dahin?

oder anders

A. Wie lebst du derzeit?
B. Weißt du, was es heißt, in Österreich oder Deutschland obdachlos zu sein?
C. Glaubst du tatsächlich arme Menschen sind einfach nur zu dumm?

Deine Tipps fürs Früchtesammeln klingen toll, erinnern mich aber eher an Wochenendausflüge als an die tägliche Nahrungsbeschaffung. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste jeden Tag mit leerem Magen ein bis zwei Stunden mit dem Rad fahren (denn auch öffentliche Verkehrsmittel kosten Geld!), nur um eine Handvoll Kräuter, Beeren und Obst zu finden, dann ist das meiner Meinung nach nicht nur bitter, sondern schlicht tödlich.

Alternativen auszuprobieren ist nur so lange schön, so lange ich das freiwillig und selbstbestimmt tue. Sobald ich dazu gezwungen bin, weil ich sonst ganz einfach vor die Hunde gehe - obwohl in derselben Stadt Menschen um Überfluss schwelgen - ist Schluss mit lustig!

Abgesehen davon glaube ich nicht, dass Menschen sich ihre Lebensberechtigung erst erarbeiten müssen. Sprich, ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem muss in der Lage sein, alle Menschen ohne Wenn und Aber zu versorgen.

lg
RoterRubin


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*Re: Von Existenzängsten und Investmentfonds


RoterRubin
12.09.07 00:06

Danke für den Tipp zum "Naturschutzgebiet Wienerberg"!

lg
RoterRubin


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*Re: Von Existenzängsten und Investmentfonds


Gästin
15.09.07 19:47

Eine Ergänzung möchte ich zu einem der oberen Beiträge noch anbringen, weil ich einfach so fassungslos darüber bin, und zwar:

Frauen, die nicht genug zum Essen haben, den Tipp zu geben, diese mögen doch im Unterholz nach Heidelbeeren suchen und sich ansonsten beizeiten im Fasten üben - halte ich für schlichtweg grausam und obendrein furchtbar zynisch!

Grüße,
Irmgard


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