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CHRISTINE LEHMANN: ALLMACHTSDACKEL

© Ruth Devime (15.10.07)


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Der 6. Lisa-Nerz-Fall. Ein Ariadnekrimi.

“Als Staatsanwalt Webers alter Herr stirbt, begleitet Lisa Nerz ihn nach Balingen. Dort trifft sie auf höchst unterschiedliche Mitglieder der Familie Weber sowie auf eine Herde wilder Rinder. Schwer zu sagen, wer gefährlicher ist ...”



Christine Lehmann: Allmachtsdackel

ewöhnungsbedürftig ist der Schreibstil von Christine Lehmann. Manchmal muss frau aber doch herzhaft lachen, außerdem holen diese schrägen Formulierungen die Leserin völlig aus ihrer alltäglichen Gedankenwelt. Ab dem letzten Drittel ist alles so spannend, dass diese flapsige Art etwas zu beschreiben keine Rolle mehr spielt, richtige Krimispannung halt.

Die Geschichte beginnt fad, mich interessiert einfach das Leben eines Staatsanwaltes, einer verheirateten Unternehmerin mit vier Kindern und deren Familien nicht. Die Figur von Lisa Nerz erschließt sich einer Seltenkrimileserin wie mir erst langsam, (es gibt schon 5 vorige Lisa Nerz-Geschichten, die ich versäumt habe) wird aber zunehmend runder und sympathischer. Eine wilde, regional berühmte Rinderherde, witziges Biologisches aus der Tierwelt, vor allem aus der, die sich parthenogenetisch fortpflanzt, erheitern. Die Unternehmerin legt an Persönlichkeit zu, der Staatsanwalt bleibt lang ein großer Bub mit zuviel gewaltvoll aufgezwungener Religiosität in seiner Kindheit, die noch immer sein Handeln bestimmt und somit ein armes Würstchen. Eine bestimmte Bösartigkeit diversen Christen gegenüber und die auch noch bibelfest zitiert, erfreut mein atheistisches Herz. Radikaler Feminismus, wenn auch nur verbal, tut in diesen Gendermainstreamingzeiten sowieso gut. Patriarchale Allmachtsphantasien die am wirklichen Leben der Frauen und auch der meisten Männer längst vorbeigegangen sind, werden aufgedröselt. Der Schluss ist überraschend einfach, und außer mir schien keiner und auch keinem der Pfarrer verdächtig und ich war mir sicher er war's - (er war es definitiv nicht!).

Zum Ende sei noch zu sagen: Es müssen nicht alle Familiengewaltstrukturen zugedeckt und weitergegeben werden und Frauen, auch wenn sie sich manchmal als Männer ausgeben, sind doch meistens gescheiter und immer das interessantere Geschlecht.

ÜBER DIE AUTORIN:

Christine Lehmann
geboren 1958 in Genf, wohnhaft in Stuttgart, ist Journalistin und Schriftstellerin. Ihre "Hardboiled"-Heldin Lisa Nerz ist als Grenzgängerin eine Figur, die den Muff herkömmlicher Oben-Unten- und Mann-Frau-Strukturen (samt frauenzeitschriftlichem Postfeminismus) aus den Räumen bläst.
www.lehmann-christine.de

Christine Lehmann: Allmachtsdackel

Christine Lehmann
Allmachtsdackel


Argument Verlag mit Ariadne, 2007
316 Seiten, broschiert
€D 9,90 / €A 10,20 / sFr 18,10
ISBN: 978-3-88619-899-3

Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)


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