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NATASCHA VITTORELLI: FRAUENBEWEGUNG UM 1900© Marlen Schachinger (27.10.07)
Über Triest nach Zagreb
Als eine spannende Darstellung der Frauenbewegung in Triest, Zagreb und Novi Sad um 1900 liest sich das empfehlenswerte Buch der feministischen Historikerin Natascha Vitorelli.
“Schreiben und erzählen heißt vor allem auch: (vorläufig) festlegen” ...
o beginnt Natascha Vittorellis Darstellung der Frauenbewegung in Triest und Zagreb um 1900. Ein empfehlenswertes Buch, insbesondere deshalb, weil die Autorin bereits Festgeschriebenes mit einem Stirnrunzeln versieht und Gegengeschichten entstehen lässt, die das Gesamtbild ergänzen können.
Anhand von Zofka Kveder (1878-1926) porträtiert Vittorelli eine Frau der Frauenbewegung, eine slowenische George Sand, die in Männerkleidern mit Etbin Kristan (1867-1953) durch das nächtliche Triest zog und die - für viele von uns - als eine jener Autorinnen, die das Leben verschiedenster Frauen ins Zentrum ihres Blickes rückten, noch zu entdecken ist. Anlässlich des Todes Zofka Kveders schrieb Martha Tausk über die Freundin: “Welche ist die wahre Zofka? Die junge, lebenssprühende, kraftvolle Rebellin gegen Kirche und Bürgertum? Oder die ermattete, gehetzte, an der Meinung und den Blicken eben dieser Bürger leidende, also von ihnen schon abhängige Frau, die ihr Selbstvertrauen verliert, weil sie vor denen nichts mehr gelten sollte, die ihr früher nichts gegolten haben; die Zuflucht nimmt zu einer übernatürlichen Kraft, weil die eigenen Kräfte schwinden?” (S. 35)
Im dritten Abschnitt ihrer Untersuchung stellt Natascha Vittorelli die Triester Frauenzeitschrift “Slovenka” (“Slowenin”) dar, ergänzt um teils strittige Bezüge zwischen Frauenbewegung und weiblicher Wohltätigkeit beziehungsweise Frauenhandarbeit, zwischen Frauenbewegung und Männern.
Es folgen 2 Stadtporträts im weiteren Sinne: “Novi Sad war keine Frau”, anhand einer Darstellung des “Wohltätigkeitsvereins der Serbinnen Novi Sads”, an dessen Beginn Männer sowie deren wohlwollende Unterstützung standen, nähert sich Natascha Vittorelli jenem Ort an, der in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts von Multinationalität, -konfessionalität, -kulturalität gekennzeichnet war. Im Anschluss daran wird das frauenbewegte Leben in Zagreb thematisiert sowie dessen “Fehlen” einer sukzessiven und organisierten äußeren Form, was dazu führte, dass die Existenz und die Betätigung einzelner Frauenrechtlerinnen zumeist aus dem Blickwinkel verschwanden. Die belletristischen Skizzen aus “Misterij žene”, ein Personenverzeichnis mit kurzen Erklärungen zum Wirken der verschiedenen Frauen sowie ausführliche Quellenangaben ergänzen diesen lesenswerten und gut geschriebenen Band.
ÜBER DIE AUTORIN:
Drin. Natascha Vittorelli Historikerin. Wissenschaftliche Projektmitarbeiterin und Lehrende am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Visiting Scholar am Gender Kolleg der Universitäten Bern/Fribourg. 2006 Förderungspreis der Stadt Wien für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaften.
 Natascha Vittorelli Frauenbewegung um 1900 Über Triest nach Zagreb
Wien: Löcker Verlag 2007 256 Seiten, broschiert € 22,00 / sFr 38,90 ISBN: 978-3-85409-466-1
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