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LUST AM VERRAT© brut (04.01.08)
Stellungswechsel in Feminismus, Performance und Film
Am 8. Jänner 2008 feiert die queere Burlesque “Orlanding the Dominant” im brut Wien Premiere. Das Musiktheater ist Teil eines inhaltlichen Schwerpunkts zu aktuellen Auseinandersetzungen im queeren Feminismus.
m Kontext feministischer Kunst, Theorie und Politik haben Verratsbezichtigungen eine spezifische Geschichte und Funktion. Sie produzieren eine radikal vereinfachende, geradezu trivialisierende Ordnung des entweder/oder, für oder gegen, die zwar stark emotionalisiert, aber Ambivalenz, Uneindeutigkeit, Vielschichtigkeit - kurz: queer - radikal verunmöglicht. Zudem wird "Verrat" häufig über jene aufgespannt, die den in subkulturellen Kontexten herrschenden Überzeugungen mit dissidenten, unbequemen, kritischen, randständigen oder einfach nur neuen Positionen entgegentreten. Das Projekt will die Dichotomisierung des Verrats als Aufhänger nehmen, um von der Lust ausgehend ein Feld des Umgangs mit dieser Zweiteilung aufzumachen. Lust am Verrat bezieht sich affirmativ vor allem auf jene Positionen, die in den Sex-Wars der 1980er Jahre und den Auseinandersetzungen um Queer Theory versus feministischer Identitätspolitik der 1990er als VerräterInnen bezeichnet wurden: jene Zeiten also, in denen "Lipstick-Lesbe" als Schimpfwort aufkam, und S/M, PorNo und Transgender-Debatten die Lager entzweite. Aber ist es wirklich so, dass wir jetzt, wie manche behaupten, in einer Gegenwart angekommen sind, in der die unterschiedlichsten Positionen im weiten Feld von Gender und Sex unaufgeregt, gleichgültig, von nichts zu provozieren, nebeneinander existieren?
Es geht um künstlerische und wissenschaftliche Beiträge, die "queere Positionen" im Feministischen Diskurs beziehen, um Beiträge, die sich mit "queeren Gesten" der Geschlechterkonstruktion auseinandersetzen, um Performancekunst und Film in queere, feministische Kontexte stellen. Ausgehend von der Produktion Orlanding the dominant von SV Damenkraft/Gustav/Sissy Boyz veranstaltet brut einen inhaltlichen Schwerpunkt zu aktuellen Auseinandersetzungen im Themenfeld des queeren Feminismus. Dieser Programmteil wird in Zusammenarbeit mit Andrea B. Braidt vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft und der Veranstaltungsreihe Queere Interventionen - Gespräche zu Kulturwissenschaft und Kunst realisiert. Das Musikprogramm entsteht gemeinsam mit fiber - werkstoff für feminismus und popkultur.
Programm
- 8. - 12. Jänner und 15. - 19. Jänner, 21 Uhr, brut im Konzerthaus
SV Damenkraft / Gustav / Sissy Boyz Orlanding the Dominant. Eine queere Burlesque (Musik/Theater)
Die queere Burlesque Orlanding the Dominant ist eine Zusammenarbeit der Performanceband SV Damenkraft, der Musikerin Gustav und einem Mitglied der Sissy Boyz aus Bremen. "Orlando" von Virginia Woolf gehört zu den kanonischen Texten der Frauen- und Queerbewegung und der Gender Studies. Zugleich ist der Roman ein Klassiker der englischen Moderne, der surrealistisch geschickt die gesellschaftliche und persönliche Realität poetisch bricht und sich selbst als ironisches Kunstwerk ausgiebt. Die Biografie der Figur Orlando, der/die das Geschlecht nach langer Schlafphase wechselt, und vom Elisabethanischen Zeitalter bis in die Gegenwart lebt, gibt den konkreten Rahmen für die freie Bearbeitung und Konfrontation mit queeren Texten, Motiven, Personen und unterschiedlichen geschlechtlich-subversiven Verkörperungsanordnungen. Orlanding, Transforming, Performing: Im Unterhaltungsformat einer musikalisch-theatralen Burlesque entstehen Geschichten über Orlando, ihr/sein Leben, ihr/seine Zustände. Prägende Ereignisse werden zu wilden Choreografien und herzerweichenden Lovesongs.
- 11. - 13. Jänner, brut im Künstlerhaus/Foyer/Bar brut deluxe
Themenwochenende: Lust am Verrat. Stellungswechsel in Feminismus, Performance und Film. (Vortrag/Symposium/Konzert/Performance/Film)
Drei Tage Lectures, Konzerte, Installationen, Performances und Filmbeiträge betreiben Lust am Verrat. Stellungwechsel in Feminismus, Performance und Film. Das Lectureprogramm mit wissenschaftlichen Beiträgen bezieht sich auf "queere Positionen" im feministischen Diskurs und setzt sich mit "queeren Gesten" der Geschlechterkonstruktion auseinander.
Mit Beiträgen von Milli Bitterli, Bonanza Jellybean, Marijs Boulogne, Annette Brauerhoch, Bruce LaBruce, Tara Casey/Stefanie Seibold, Maya Degirmendzic/Julius Deutschbauer, Sonja Eismann/Christiane Erharter, fiber - werkstoff für feminismus und popkultur, Marty Huber, Dr. Lore Logorrhöe, Petra und der Wolf, Frans Poelstra/Robert Steijn, Rhythm King and Her Friends, Johanna Schaffer, Hito Steyerl, Schwestern Brüll, Katja Wiederspahn, Volker Woltersdorff u.a.
Programmübersicht (pdf)
- 18. Jänner, 22 Uhr, brut im Konzerthaus
FMqueer Party
Tickets und Information: brut im Künstlerhaus / brut im Konzerthaus · Karlsplatz 5 · 1010 Wien Tel.: +43 (0)1 587 05 04 · tickets@brut-wien.at · www.brut-wien.at
Foto: SV Damenkraft: Orlanding the Dominant, © Magdalena Blaszczuk
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