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HEIDI HASSENMüLLER: SCHNAUZE VOLL

© Ruth Devime (07.01.08)


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Ein packender Roman über die Geschichte einer Mädchenbande

In diesem Mädchenroman geht es um mehr als nur Gewalt und Macht, es geht um Einsamkeit, Anerkennung und darum, dass eine gemeinsame Handlung nicht immer Freundinnenschaft entstehen lässt.



Heidi Hassenmüller: Schnauze voll“Jody brauchte die Spannung, den Kick, die Macht, die sie fühlte, wenn sie die Angst ihrer Opfer spürte. Bei der letzten Aktion hatte sich gezeigt, dass jede ihrer Hyänen zuschlagen konnte. Klar war aber auch, dass die Hyänen ohne sie, ohne Jody, nichts zustande brachten.”.

atty hat eine große Klappe. Magda ist ein “Engelchen”, das vom Stiefvater unterdrückt wird. Cindy ist elternlos, schüchtern und wird von keiner ernst genommen - und Ayaan soll bald mit einem viel älteren Mann verheiratet werden. Allein fühlen sich die Mädchen schwach, als Bande der Hyänen werden sie stark und fühlen sich auch so und sie werden gefährlich: Hyänen! Und Hyänen lassen sich schließlich nichts gefallen. Als Ayaan von einem ihrer Brüder geohrfeigt wird, zögern die Mädchen nicht lange und schlagen zurück. Auch gegen die Wölfe, einer Bubenbande aus der Stadt, wissen sie sich erfolgreich zu wehren. Aber dann macht Jody einen Fehler und die Hyänen geraten ins Visier der Polizei. Die Mädchenbande steht auch in dieser Situation zusammen, aber bis dies klar ist, geht es bergauf und bergab mit den Freundinnen untereinander.

Spannend bis zuletzt. Fetzig geschrieben und doch frage ich mich, ob die Autorin Mädchen mag. In der Geschichte erleben wir, wie vereinsamte Jugendliche (auch weibliche) buchstäblich alles tun, um Gemeinschaft und Anerkennung zu finden und um das Gefühl von Stärke zu erleben. Doch gleichzeitig wird deutlich, dass aus dieser Gemeinschaft keine wirkliche Freundinnenschaft wächst. Ist die Bande nur eine Nutzgemeinschaft oder doch mehr? Vertrauen, Wärme und Verständnis finden die Mädchen dort, jedenfalls mehr als zu Hause. Sie greifen zu immer gewaltsameren Methoden und als sich bei einer der Mädchen schließlich das schlechte Gewissen zu regen beginnt, gerät die Bande in eine ernsthafte Krise.

Heide Hassenmüller beschreibt die Geschichten ihrer jungen Heldinnen mit Klarheit und Schonungslosigkeit. Sie lässt uns an deren Gefühlen teilhaben. Doch da sie mit fünf Hauptfiguren gleichzeitig balanciert, bleiben sie dennoch alle etwas farblos und gleiten teilweise auch ins Klischeehafte.

ÜBER DIE AUTORIN:

Heidi Hassenmüller
... wurde in Hamburg geboren, ist Mutter von vier Kindern, studierte Journalistik, wohnt seit 1974 in den Niederlanden und hat über zwanzig Bücher und viele Kurzgeschichten veröffentlicht. Ihr bekanntestes Buch ist “Gute Nacht, Zuckerpüppchen” zum Thema sexuelle Gewalt, das den “Buxtehuder Bullen” für das beste Jugendbuch erhielt.
www.hassenmuller.nl

Heidi Hassenmüller: Schnauze voll
Heidi Hassenmüller
Schnauze voll

Die Geschichte einer Mädchenbande

Erika Klopp Verlag, 2006
224 Seiten, broschiert
€D 9,90 / €A 10,20 / sFr 18,10
ISBN: 978-3-7817-0773-3

Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)


BUCHTIPP:

Noch eine Geschichte einer Mädchenbande:
“Foxfire. Die Geschichte einer Mädchenbande” von Joyce Carol Oates, btb, 1997, ISBN 978-3-442-72159-7



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*Heidi Hassenmüller: Schnauze voll


Ruth Devime
08.01.08 11:25

Ein packender Roman über die Geschichte einer Mädchenbande

In diesem Mädchenroman geht es um mehr als nur Gewalt und Macht, es geht um Einsamkeit, Anerkennung und darum, dass eine gemeinsame Handlung nicht immer Freundinnenschaft entstehen lässt.

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*Re: Heidi Hassenmüller: Schnauze voll


Gästin
08.01.08 11:37

Liebe Ruth,


du fragst dich, ob die Autorin wohl Mädchen mag. Diese Frage macht mich wiederum neugierig. Warum willst du das wissen? Und was könnte die Autorin darauf antworten? Immerhin ist sie selbst eine Frau, mithin mal ein Mädchen gewesen - Mädchen nicht zu mögen, so ganz allgemein, wäre mit Selbsthass gleichzusetzen.


Warum wunderst du dich, dass in der Mädchenbande keine Freundinnenschaft entsteht? Diese Mädchen sind nicht befreundet, sowenig wie die Soldaten die im Krieg zu fällig auf derselben Seite stehen miteinander befreundet sind. Sie haben das gleiche Ziel: Überleben. Jemand der einfach nur überleben will, hat gar keine Muße für Freundschaft. Freundinnenschaft ist etwas für die Lebenden, oder die Toten, die Überlebenden haben andere Sorgen.


Fällt es uns tatsächlich immer noch so schwer, uns selbst, uns Mädchen, uns Frauen, die Vielfalt zuzugestehen, die uns ausmacht? Frauen sind auch nur Menschen, keine besseren und keine schlechteren. Das ist die bittere Seite des Feminismus, es gibt nicht nur weibliche Opferinnen, sondern auch weibliche Täterinnen. Beide sichtbar zu machen, ist Aufgabe des Feminismus.


Es grüßt

eine Undine


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