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DAS BISSCHEN SEX© Sandra Wöhe (16.01.08)
Pausenbrot #19
Wo nur Irma bleibt? Nirgends ist es so kalt wie in der Notaufnahme. Irma fehlt mir so. Das Personal hetzt an mir vorbei und lächelt mild. Fiebrig rotiert der Spitalbetrieb im Namen der Gesundheit. Und im Namen der Liebe?

ette!” Meine Busenfreundin stürmt herbei. “Göttin sei dank, du lebst noch.” Ich werfe mich in ihre Arme und seufze elendig: “Ach, Irma, es ist noch nicht aller Tage Abend.” Dabei ist mir nichts passiert, sondern meinem Blind Date, erinnere ich mich und beginne wieder zu frieren. “Beim ersten Drink einigten wir uns, erotische Rezepte zu tauschen”, platze ich heraus. Schmunzelnd unterbricht mich Irma: “Und? Ist dein Finger stecken geblieben, oder was?” Typisch meine Freundin Irma, erst mal eine Prise schwarzer Humor. Aber die Sache ist zu ernst. Mein Bettschatz liegt auf dem OP-Tisch. “Nie mehr Sex. Ich werde Jungfrau!”, gelobe ich vor lauter schlechtem Gewissen. Irma lacht schallend und grölt: “Jetzt sag schon! Ist der Vibrator durchgeknallt? Oder hat euch die Latexallergie gekillt?” Sie schlägt sich amüsiert auf die Schenkel.
Ich will in der Notaufnahme nicht auspacken, wie sehr ich beim Sex versagt habe. Ausgerechnet bei einer Frau, in die ich mich hätte verlieben können. Sobald ich nur an sie denke, knie ich nieder vor ihrer Haut aus Samt und Seide. Innere Werte hat sie bestimmt auch. Ganz bestimmt sogar. Aber noch mehr reizen mich ihre Lippen. Zum Knutschen gemacht! Und eine Figur, bei der sich jede Kurve exakt in meine Hand fügt. All das befindet sich nun in den Händen von grünen Gestalten.
Irma entdeckt mein blaues Auge. “Was ist denn das?”, erschreckt sie. Nun rolle ich meine Blamage doch noch auf: “Sie flehte nach einem Höhepunkt. Warf sich von links nach rechts. Schoss hoch und runter. Als ihr Knie mein Auge traf, war ich es leid. Ich fischte nach unseren Büstenhaltern und band ihr die Beine ans Regal. Das knarrte. Schwankte. Schließlich brach es zusammen und “Das Weiberlexikon” schlug sie bewusstlos. Die Ecke der neuen Stereoanlage riss ihr rechtes Ohr ein. Schlussendlich traf auch noch mein Handy ihre Nase. Als endlich die Sanitäter und der Notarzt eintrafen, war sie immer noch benommen und blutete wie nach einem Auffahrunfall.”
Irma wird blass. “Wie schrecklich! Ist sie schwer verletzt?” Endlich nimmt sie mich ernst. Erleichtert verneine ich.
“Wir hatten verdammtes Glück. Wir waren sogar fast angezogen. Und nun sitze ich hier und friere und mache mir die größten Vorwürfe. Nie mehr werde ich mich leichtsinnig dem Leichtsinn hingeben. Das Leben ist zu kurz, um es für ein flüchtiges Abenteuer aufs Spiel zu setzen.” Der moralische Katzenjammer packt mich doch noch.
Irma runzelt die Stirn. “Mette, wie heißt sie eigentlich?” Ich hole tief Luft und zucke mit den Achseln. Insgeheim weiß ich, was ich nicht einmal Irma verraten werde. Diese Frau gehört zu den wenigen Menschen, in deren äußere Werte ich mich verliebe. Ich will Sex, sonst nichts. Ansonsten kann ich nur hoffen, dass sie Charakter hat. Nach der Nacht bin ich ihr wohl noch etwas schuldig. Und wieder zittere ich, aber diesmal vor Erregung.
Zum Nachlesen: Pausenbrot #1-18
 ZUR AUTORIN:
Sandra Wöhe als Tochter einer Indonesierin und eines Holländers 1959 in den Niederlanden geboren, ist diplomierte Krankenschwester und ausgebildete Publizistin. In Zürich lebt sie nach freiberuflicher Tätigkeit als Journalistin und Redakteurin seit 1999 als selbstständige Autorin.
Romane: Lass mich deine Pizza sein (Ulrike Helmer Verlag, 2003) Giraffe im Nadelöhr (Konkursbuchverlag Claudia Gehrke, 2006)
www.sandrawoehe.ch
FOTO: Sabine M. Mairiedl
Kommentare unserer Leserinnen...* Du kannst ...:   Das bisschen Sex

Sandra Wöhe
26.01.08 16:23
Pausenbrot #19
Wo nur Irma bleibt? Nirgends ist es so kalt wie in der Notaufnahme. Irma fehlt mir so. Das Personal hetzt an mir vorbei und lächelt mild. Fiebrig rotiert der Spitalbetrieb im Namen der Gesundheit. Und im Namen der Liebe? dieser Kommentar wurde automatisch erstellt, damit Forenbesucherinnen zum Artikel finden und den Zusammenhang verstehen
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 Re: Das bisschen Sex

Gästin
26.01.08 16:46
Frauenfeindlich und sexistisch. Wieder wird eine Frau als Objekt nur auf Ihre Äußerlichkeiten reduziert und irgendeine Tussi geilt sich an ihr auf..
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 Re: Das bisschen Sex

frozenstar
26.01.08 18:14
na sowas Schlimmes!!
denk dir eine Strafe aus...
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 Re: Das bisschen Sex

Gästin
27.01.08 11:29
Hallo, "Gästin",
"irgendeine Tussi"? Mette hat ja zumindest einen Namen, den wir wissen dürfen ...
Wo, bitte, machst Du die Frauenfeindlichkeit fest? Und was, bitte, ist in diesem Text für Dich Sexismus?
Ich persönlich begrüße es sehr, dass auch in diesem von Sandra Wöhes "Pausenbroten" Frauen nicht reduziert werden auf unendliche schwesterliche Verbundenheit, dass Irma wie Mette auch politisch unkorrekt sein dürfen (und dies hin und wieder ebenso genießen wie sie die Folgen ihres Verhaltens - wenn auch bisweilen maulend - ertragen).
Dass sich Mette schämen sollte, so auf ihr eigenes Vergnügen zentriert zu sein, stelle ich keinesfalls in Frage. Aber ich begrüße es sehr, dass Sandra Wöhe auch in solche Köpfe blicken lässt.
Es ist ja nicht so, dass Mette sich wirklich wohl fühlte in ihrer ausschließlich körperlichen Reaktion auf diese eine Frau. Sie, die sonst doch auch alles Mögliche und Unmögliche mit Irma diskutieren kann, wird gerade hier schweigsam.
Die schwesterliche Solidarität bestätigt uns: Wir alle sind schön. Und irgendwo wird eine stecken, die auch mich attraktiv findet. Deine Reaktion, "Gästin", zeigt es jedoch: Es ist eines der ganz großen Tabus zwischen Frauen, eine andere auf das Thema körperlicher Befriedigung zu reduzieren. Das weiß auch Mette. Sie darf es nicht und schon gar nicht darf sie darüber sprechen ("... was ich nicht einmal Irma verraten werde").
Woran liegt das eigentlich? Kann es sein, dass wir vor lauter Reduzierung auf das Geschlechtliche, die uns die Welt, die uns umgibt, vorführt, nun unsererseits diesen Bereich komplett "den anderen" überlassen? Ist das richtig? Ist das gut? Und, mit Verlaub, befriedigt es?
Beste Grüße, Doro
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 Re: Das bisschen Sex

RoterRubin
27.01.08 13:20
Ich finde diese Kolumne in erster Linie lustig. Lustig deshalb, weil diese Situation aus einem "Insiderinnenblickwinkel" erzählt wird, also von Lesben für Lesben, die sich grundsätzlich schon darüber klar sind, dass Sexismus nicht in Ordnung ist und sich trotzdem mal erlauben, ihren Wünschen freien Lauf zu lassen.
Trotzallem finde ich deine ernste Anmerkung spannend: "Wieder wird eine Frau als Objekt nur auf Ihre Äußerlichkeiten reduziert und irgendeine Tussi geilt sich an ihr auf...", denn sie wirft bei mir Fragen auf:
Ist sexuelles Begehren von "Körpern" per se sexistisch?
Wie kann respektvolle Sexualität ohne ganzheitliche Liebe aussehen?
lg
RoterRubin
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 Re: Das bisschen Sex

frozenstar
28.01.08 19:18
erste Frage Nein, nicht sexistisch sondern natürlich
zweite Frage versteh ich nicht ganz, setzt du voraus daß Sexualität ohne ganzheitliche Liebe "eigentlich immer" respektlos ist? oder anders gar nicht funktionieren kann?
ich denke respektvoller Umgang sollte sowieso klar sein...
und auch daß sozusagen umgekehrt, über gemeinsam erlebte Sexualität schon sowas wie Liebe entsteht...
halt innerhalb der Grenzen die beide mitbringen. is eigentlich eh immer das Gleiche, wir sind nunmal begrenzt
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 Re: Das bisschen Sex

Gästin
31.01.08 15:49
Warum geht es eigentlich in der Kolumne "Das bisschen Sex?, fragt Sandra mal ganz naiv.
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