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MAGAZIN

WOHNEN VERäNDERT

© Claudia Stahl (11.02.08)


Technik & Handwerk

Architektur mit Leib und Seele

Claudia Stahl macht seit 30 Jahren Architektur zu ihrer Lebensaufgabe und zeigt, wie sehr Wohnen und Bauen unser Leben beeinflussen.



Claudia Stahl

ch begann meine Karriere als Architektin im Ausland. Aus einer inneren Eingebung heraus kehrte ich nach Österreich zurück, obwohl äußerlich nichts dafür sprach. Dazu brauchte es Mut und Standfestigkeit. Ich tat dies, da ich wusste, wesentliche Zusammenhänge nur hier wirklich erfassen zu können. Diese kurze Einführung dient dazu, Sie darauf hinzuweisen, was mein zentrales Thema geworden ist. Die innere Führung. Da ich mit Leib und Seele seit circa 30 Jahren Architektur zu meiner Lebensaufgabe gemacht habe, will ich Beispiele aufzählen, an denen ersichtlich wird, wie sehr Wohnen und Bauen unser Leben beeinflussen. Ich beziehe mich dabei auf eigene Erfahrungen sowie auf alles, was in unserem Kulturkreis in diese Richtung weist.

Ich habe entdeckt, dass die Weisheit unserer Vorfahren überall da sichtbar wird, wo wir sie suchen. Ähnlich dem Wissen aus dem fernen Osten können wir hier auf genügend traditionelle Hilfestellungen zurückgreifen. Meine erste Erfahrung dazu machte ich beim Aufmaß eines Bregenzerwälder Bauernhauses. Die Fülle der energetisch bewusst ausgewählten Plätze ist deutlich sichtbar: Rund um eine zentrale Feuerstelle gruppieren sich die wichtigsten Räume zum Essen, Wohnen und Schlafen, für jede Tageszeit gibt es einen besonderen, geschützten Sitzplatz an der Sonne, die Einfahrt zur Scheune liegt in der Mitte des Gebäudes, daneben die Stallungen und Lagerräume sowie Fuhrpark - alles unter einem Dach in einer klaren, schlichten Architekturform. Dieser Haustyp wurde jahrhundertelang so gestaltet und befriedigte alle Bedürfnisse der BewohnerInnen auf wunderbare Weise.

Durch diese Arbeit angeregt entdeckte ich, dass auch bei anderen traditionellen Bauten die Einbindung in die Natur genau beachtet worden war. Dabei standen die Häuser wind- und wettergeschützt, vor allem die Ställe durften auf keinerlei schädlichen Wasseradern liegen. Was das städtische Bauen betrifft, machte ich ähnliche Erfahrungen. Hier in Wien zum Beispiel sind sämtliche Häuser, die um die Jahrhundertwende des 19. zum 20. Jahrhunderts gebaut wurden und einem gewissen Standard entsprechen sollten, mit geomantischem Wissen geplant worden. Der Ausgleich von Plus und Minuspolarität entspricht hier dem Yin-Yang-Prinzip. So ist immer noch mittels Lecherrute - eine Rute, die genaue Frequenzmessungen ermöglicht - nachzumessen, ob die damals vorgesehene Harmonie eines Gebäudes vorhanden ist oder später zerstört wurde. Dank moderner Messtechniken kann man heute mit unterschiedlichen Geräten arbeiten.

Durch unser Bewusstsein haben wir die Möglichkeit, unser Umfeld zu beeinflussen und zu verändern. Dabei folgt die Energie der Aufmerksamkeit. Wenn wir uns der Wechselwirkung von innen und außen klar sind, können wir durch die Wahl der uns umgebenden Räume auch auf unser Inneres einwirken. Es gelingt, mit Materialien, Farben und Formen gezielte Ergebnisse zu bewirken. Bei genauer Selbstbeobachtung können wir unser Wohlbefinden steigern. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass wir ehrlich zu uns sind. Erst die Erkenntnis dessen, was uns ausmacht, führt uns zu den nötigen Veränderungsmöglichkeiten. Wenn ich mit dem, was ist, rundum glücklich bin, kann dies das Resultat meines harmonischen Umfeldes sein. Menschen, die sich lange Zeit mit Harmonie beschäftigt haben und so ihre Erfahrungen weitergeben, können ihr Wissen allerdings nur da anbringen, wo die/der Interessierte es innerlich ganz nachvollziehen kann. Auch hier zeigt sich wieder die klare innere Führungsmöglichkeit.

In der heutigen Zeit der Überflutung von Ratgebern wird es immer wichtiger, der inneren Stimme durch Inspiration Gehör zu schenken. Dazu brauchen wir Mut und Selbstsicherheit. Wenn wir unsere Wurzeln genau untersuchen und verstehen lernen, gewinnen wir an Kraft. Dazu ist es hilfreich, genügend Information einzuholen, die dazu auch in anderen Kulturen entstanden sind. Auch die Kraft der Symbole hängt stark mit dem kulturellen und religiösen Hintergrund zusammen. So ist es interessant, zu beobachten, wie beispielsweise die Erbauer sämtlicher Kirchen in früheren Zeiten darauf achteten, wo die Kanzel zu errichten ist, damit das Wort des Predigers seine Wirkung tut. Es ist nur ein kleiner Schritt weiter, auch für uns dieses Wissen zu nutzen. Entscheidend dabei ist, es zu wollen und das Ziel, nämlich ein harmonisches, gesundes Leben zu führen, als Richtschnur gelten zu lassen.

DIE AUTORIN:

Claudia Stahl
Studium für Architektur Fachhochschule München, Innenarchitektur Hochschule für Angewandte Kunst Wien, Mkl. Prof. Spalt, selbständig tätig in den Bereichen Architektur, Raumgestaltung und Beratung, verheiratet, zwei Söhne, lebt in Wien und Reichenau/Rax.
Architektur & Raum Claudia Stahl
Architektur & Raum
D.I.(FH) Claudia Stahl
Fon +43 (0)1 8792243 13
Fax +43 (0)1 8792243 14
E-Mail cs@claudiastahl.at
Web: www.claudiastahl.at


Foto: © Claudia Stahl



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