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KALENDER

Chronik für das Jahr 1914

07.01.
Der Zentralverband der deutschen Gewerkvereine fordert in Berlin einen arbeitsfreien Sonnabendnachmittag für Arbeiterinnen.

14.02.
Britische Frauenrechtlerinnen setzen ihre militanten Aktionen für die Einführung des Frauenstimmrechts fort, indem sie in London die Fenster des Innenministeriums zertrümmern. Gleichzeitig legen Suffragetten im Pavillon des vornehmen Lawn-Tennis-Clubs Feuer.

20.02.
Die Sozialdemokratin Rosa Luxemburg wird in Frankfurt am Main zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt. Sie hatte in zwei Vorträgen Mißstände innerhalb der deutschen Armee kritisiert und gleichzeitig zum Kampf gegen den Krieg aufgerufen.

08.03.
Am internationalen Frauentag fordern in Berlin sozialdemokratische Frauenrechtlerinnen die Einführung des Frauenwahlrechts. Sie weisen dabei auf den Widerspruch zwischen der Gleichstellung bei Arbeit und Steuerzahlungen und der Diskriminierung als Staatsbürgerinnen hin.

09.03.
Unter Einsatz brutaler Methoden verhaftet die britische Polizei in Glasgow die Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst wegen Agitation

18.03.
Ein Antrag auf Einführung des Frauenstimmrechts erhält im US-amerikanischen Senat in Washington nur eine Mehrheit von einer Stimme. Mit diesem Antrag für eine Verfassungsänderung wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich gewesen.

26.03.
Mit 164 gegen 39 Stimmen billigt das Parlament des US-Bundesstaates Massachusetts eine Änderung des Wahlrechts zugunsten von Frauen. Demnach entfällt künftig der Begriff männlich in den Bestimmungen über den Kreis der Wahlberechtigten.

05.04.
In Dublin wird die irische Frauenorganisation Cumann na Bann gegründet, die im irischen Unabhängigkeitskampf eine wichtige Rolle spielt.

21.04.
Im Berliner Versammlungslokal Neue Welt findet eine zentrale Frauenkundgebung statt, die vor der drohenden Kriegsgefahr warnt.

06.05.
Das britische Oberhaus lehnt das Frauenstimmrecht bei Parlamentswahlen ab.

08.05.
USA: Kongress erklärt Muttertag - 1908 von Ann Jarvis initiiert - jeweils am 2. Sonntag im Mai zum offiziellen Staatsfeiertag

03.06.
Die russische Tänzerin Anna P. Pawlowa beginnt ein achttägiges Berlin-Gastspiel. Die Auftritte der berühmten Ballettkünstlerin finden in der Öffentlichkeit starke Beachtung.

13.06.
Bei einer Debatte im preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin lehnt die Mehrheit der Parlamentarier die sozialdemokratische Forderung nach Aussetzung der laufenden Strafverfahren gegen ihre Abgeordneten, darunter Rosa Luxemburg, ab.

21.06.
Die österreichische Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin von 1905, Bertha von Suttner, stirbt im Alter von 71 Jahren in Wien.

21.06.
Die zwölfte Tagung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten beschäftigt sich bei ihren bis zum 22. Juni dauernden Beratungen in Leipzig u.a. mit den Problemen jugendlicher Prostituierter. Die Delegierten weisen dabei auf die Land-Stadt-Wanderung hin, die nach ihrer Ansicht bei vielen Minderjährigen zu finanziellen Problemen führt und sie in die Prostitution treibt.

03.08.
In Berlin gründet der Bund deutscher Frauenvereine einen sog. Nationalen Frauendienst.

06.08.
Im Deutschen Reich sind Frauen nach den kriegsbedingten Einberufungen zunehmend in bisher von Männern dominierten Berufen tätig.

17.08.
Angesichts vermehrter Einquartierungen von Soldaten in Berlin verfügt Polizeipräsident Traugott von Jagow einen Erlaß zur verschärften Kontrolle unsittlichen Verhaltens. Danach werden Frauen, die sich durch herausforderndes Benehmen der Prostitution verdächtig machen, verhaftet und unter sittenpolizeiliche Aufsicht gestellt.

13.09.
Die Amerikanerin Georgina Broadwick springt erstmals im freien Fall mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug.

12.10.
In einem Brief an ihren Parteifreund Karl Liebknecht weist die zum linken Flügel der deutschen Sozialdemokratie zählende Politikerin Rosa Luxemburg auf den weiter wachsenden Widerstand unter den SPD-Mitgliedern gegenüber der kriegsfreundlichen Haltung der Partei- und Fraktionsführung hin. Insbesondere rechte Sozialdemokraten stehen einer Integration der SPD in Staat und Gesellschaft des Deutschen Reiches positiv gegenüber.

30.10.
Mit einer in der schweizerischen Tageszeitung Berner Tagwacht erscheinenden Erklärung protestieren oppositionelle deutsche SozialdemokratInnen gegen die kriegsfreundliche Politik der SPD-Führung. Zu den UnterzeichnerInnen gehören u.a. Rosa Luxemburg und Clara Zetkin.

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