KALENDER

Chronik für das Jahr 1915

11.01.
Der Nationale Frauendienst veranstaltet in verschiedenen Stadtteilen Berlins Vorträge über die Haushaltsführung im Krieg.

14.01.
In den britischen Tageszeitungen erscheinen Inserate, in denen die Frauen dazu aufgerufen werden, ihre Männer und Söhne zum Eintritt in die Armee aufzufordern.

29.01.
Der Kriegsausschuß für Volksernährung beschließt eine Aufklärungskampagne für Hausfrauen über nahrhafte und preiswerte Ernährung im Krieg.

06.02.
Die Australierin Fanny Durack schwimmt in Sydney einen Weltrekord über 100 m Freistil.

07.02.
Der Vaterländische Frauenverein ruft zu Spenden für die Anschaffung von Regenumhängen für die Front auf.

12.02.
Ein internationaler Frauenkongreß in Amsterdam fordert die volle politische Gleichberechtigung der Frauen; dies sei u.a. eine Voraussetzung für die Verhütung künftiger Kriege.

18.02.
Die SPD-Politikerin Rosa Luxemburg muß eine einjährige Haftstrafe antreten, zu der sie 1914 wegen Aufforderung zur Befehlsverweigerung verurteilt worden war.

18.03.
In Großbritannien werden Frauen, die bereit sind, Arbeiten von zum Kriegsdienst eingezogenen Männern zu übernehmen, aufgefordert, sich in entsprechende Listen einzuschreiben.

26.03.
Bern: abgeordnete Frauen von sozialistischen Parteien aus sieben europäischen Ländern tagen bis zum 28. März; die deutsche Gruppe wird von Clara Zetkin angeführt. Ein Manifest ruft die Arbeiterfrauen in allen kriegführenden Staaten zum Massenprotest gegen den Krieg auf.

03.04.
In Großbritannien haben sich bisher 30 000 Frauen, die zur Übernahme von Arbeiten im Krieg befindlicher Männer bereit sind, in entsprechende Listen eingetragen.

14.04.
Die erste Nummer der von Rosa Luxemburg und Franz Mehring herausgegebenen Zeitschrift "Die Internationale", einem Organ des linken SPD-Flügels, wird in Berlin verteilt.

23.04.
Eine Verfassungsreform, die im dänischen Parlament verabschiedet wird, sieht u.a. die Einführung des Frauenwahlrechts vor.

01.05.
Erster Internationaler Frauenfriedenskongress in Den Haag: Gründung des Internationalen Frauenausschusses für dauernden Frieden.

28.05.
Berlin: Frauendemonstation vor dem Reichstag

14.08.
Auf Beschluß des russischen Ministerrates werden an einigen Fakultäten verschiedener Universitäten Frauen als ordentliche Hörer zugelassen.

27.08.
Die Mode der weiten Röcke wird in einer Erklärung des halbamtlichen Wolffschen Telegraphen-Büros wegen des damit verbundenen größeren Stoffverbrauchs kritisiert.

03.09.
Die Vorsitzende des während des Krieges begründeten Verbandes deutscher Hausfrauenvereine, Martha Voß-Zietz, betont auf einer Versammlung in Berlin, daß die Kontrolle der Lebensmittelpreise derzeit zu den Hauptaufgaben des Verbandes gehöre.

07.09.
Der Berliner Polizeipräsident erläßt eine Verordnung, durch die der Branntwein- und Spirituosenausschank in Berlin eingeschränkt wird. Der Ausschank wird u.a. zwischen 21 Uhr und 9 Uhr sowie in allen Lokalen mit weiblicher Bedienung untersagt.

20.09.
Anläßlich ihres Geburtstages ruft die Kronprinzessin Cecilie zur Kriegskinderspende deutscher Frauen auf. Der Ertrag der Sammlung soll bedürftigen Frauen zukommen, die, wie die Kronprinzessin, während des Krieges ein Kind bekommen haben und deren Mann im Feld steht.

27.09.
Leipzig: Die Generalversammlung des allgemeinen Deutschen Frauenvereins, der ältesten, 1865 gegründeten Organisation der deutschen Frauenbewegung, steht im Zeichen der Kriegsunterstützung.

11.10.
Bei den Stortingswahlen in Norwegen erringen die fortschrittliche Regierungspartei sowie die Sozialisten einen Sieg, während die konservative Opposition Stimmen einbüßt. Bei der Parlamentswahl sind zum erstenmal alle Frauen stimmberechtigt.

12.10.
In Brüssel wird die von den deutschen Militärbehörden wegen Kriegsverrat zum Tode verurteilte britische Krankenschwester Edith Cavell erschossen. In den Staaten der Entente löst die Hinrichtung große Empörung aus.

12.10.
Die zum linken Flügel der SPD zählende Frauenrechtlerin Clara Zetkin, die u.a. Herausgeberin der Wochenzeitschrift Die Gleichheit ist, wird nach dreimonatiger Haft aus dem Gefängnis entlassen.

20.10.
In der Schweiz beginnt die Sammlung zugunsten der sog. 'Nationalen Frauenspende', die eine freiwillige Ergänzung zur Kriegssteuer sein soll. In einer kurzen Sammelaktion brachten Schweizer Frauen über eine Million Franken zusammen.
Auf Initiative von Else Züblin-Spiller wurde 1914 der «Schweizerische Verband Soldatenwohl» gegründet, der im 1. und später auch im 2. Weltkrieg Hunderte von alkoholfreien und warmen «Soldatenstuben» einrichtete. 

22.10.
Aus Anlass des Geburtstages von Kaiserin Auguste Viktoria ruft der Vaterländische Frauenverein zur Spende von eingemachtem Obst, Kompott, Marmelade und Säften für die kämpfende Truppe im Feld und die verwundeten Soldaten in den Lazaretten auf.

01.11.
Die Einführung des Frauenwahlrechts wird bei Volksabstimmungen in den US-amerikanischen Bundesstaaten New York, Massachusetts, Pennsylvania und New Jersey abgelehnt.

02.11.
Die niederländische Regierung legt dem Parlament den Entwurf für eine Verfassungsreform vor, der die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts unter Einschluß der Frauen vorsieht.

07.11.
Die in Dresden bis zum 10. November tagende Hauptversammlung des Deutschen Verbands für Frauenstimmrecht stimmt dem Vorschlag der Vereinigung für Frauenstimmrecht zu, beide Organisationen zu einem gemeinsamen Verband zusammenzuschließen.

19.11.
Wegen der Herausgabe der ersten Nummer der Zeitschrift "Die Internationale" wird u.a. gegen die zum linken SPD-Flügel zählenden Politikerinnen Rosa Luxemburg und Clara Zetkin Anklage erhoben.

21.12.
Bei der Berliner Straßenbahn werden erstmals auch Frauen als Fahrerinnen eingesetzt.

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