KALENDER01.01. Der "Deutsche Verein für Frauenstimmrecht" wird in Hamburg durch Lida Gustava Heymann und Anita Augspurg gegründet. (Ab 1903: "Deutscher Verband für Frauenstimmrecht") 02.01. Die lokale Schulkommission in München diskutiert die Frage, ob geschiedene Frauen, die vor der Eheschließung als Lehrerinnen tätig waren, wieder in den Schuldienst aufgenommen werden können. Nach einer längeren Auseinandersetzung entscheiden sich die Kommissionsmitglieder für die Festlegung, daß kinderlose Frauen auf eine Wiederanstellung hoffen könnten. 07.01.Nach dem Wiedereinzug des kaiserlichen Hofes in die Verbotene Stadt von Peking übernimmt die aus dem Exil zurückgekehrte Kaiserinwitwe Tz'u Hsi wieder die Regierungsgewalt über China. 20.01. Während einer Debatte im britischen Unterhaus über den Burenkrieg verteidigt der Kolonialminister die Einrichtung von Lagern, in denen Frauen und Kinder der Buren interniert sind. 21.01.Das norwegische Parlament, der Storting in Christiania (heute: Oslo), stimmt für einen Gesetzentwurf, wonach künftig auch Frauen als Gerichtsbeisitzende zugelassen werden. 02.02.In Berlin gründet Helene Lange, eine der führenden Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung, einen Frauen-Hilfsbund für die Kinder und Frauen der Buren in den südafrikanischen Lagern. 02.02.In Peking empfängt die regierende Kaiserinwitwe Tz`u Hsi die Ehefrauen der neu ernannten ausländischen Botschafter in China. Bei dieser Gelegenheit drückt sie ihr Bedauern über die durch den Boxeraufstand entstandenen Wirren aus und erklärt, daß China seine isolierte Stellung aufgeben und sich die Vorteile der europäischen Zivilisation aneignen werde. 10.03. Tod der Frauenrechtlerin Jenny Hirsch in Berlin. 21.03.Der deutsche Reichskanzler empfängt in Berlin eine Delegation weiblicher Organisationen, geleitet vom Verein für Frauenstimmrecht. 23.03.Italiens Abgeordnetenkammer verabschiedet ein Gesetz zur Einschränkung der Frauen- und Kinderarbeit. 05.05.In einer Debatte über die Rolle der Frau im öffentlichen Leben spricht die preußische Regierung den Frauen das Recht ab, politisch tätig zu sein. 05.05. Der "Bund Österreichischer Frauenvereine" wird (nach dem Vorbild des amerikanischen "International Council of Women") von Marianne Hainisch in Wien gegründet. 10.06. In Leipzig stirbt die deutsche Frauenrechtlerin Auguste Schmidt im Alter von 68 Jahren. Sie war Mitbegründerin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins. 10.06. Die deutsche Frauenbewegung wählt Helene Lange zur neuen Vorsitzenden. 28.06.Der Polizeipräsident von Berlin erläßt eine Verordnung mit Vorschriften für das öffentliche Dirnenwesen. 29.06.In Mailand treten die Lehrmädchen der Schneiderinnen und Modistinnen in den Streik, die etwa 5000 Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren fordern bessere Arbeitsbedingungen und kürzere Arbeitszeit. Nach nur geringen Zugeständnissen der Arbeitgeber endet der Arbeitskampf nach zwei Wochen. 01.07.Seraphine Puchleitner promoviert als erste Frau an der Universität Graz zum Doktor der Philosophie. Durch acht Semester studierte sie an der Grazer Hochschule Geschichte und Geographie. Nachdem ihre Dissertation: "Versuch einer kartographischen Darstellung der Territorialeinteilung Krains unter französischer Verwaltung mit einer Einleitung über die Zivilorganisation der Illyrischen Provinzen" approbiert wurde, bestand sie am 14. Juni das Hauptrigorosum und 14 Tage später (am 28. Juni) das zweite Rigorosum (Philosophie) - beide mit Auszeichnung. Am 1. Juli fand die feierliche Promotion statt. 10.07.In ihrer neuesten Nummer veröffentlicht die Illustrierte Zeitung Bilder von einem Berliner Sportplatz, einem Licht-Luft-Sportinstitut für Frauen und Mädchen. 19.07.Der Dresdener Rat der Stadt sowie die Stadtverordneten lehnen die Einführung einer Oberrealschule für Mädchen ab. Ebenso wenden sie sich gegen die Zulassung von Mädchen an höheren Knabenschulen. 19.08.Der schweizerische Bundesrat untersagt elf aus Frankreich geflohenen, in den Kantonen St. Gallen, Waadt und Wallis ansässigen katholischen Frauenorden den weiteren Aufenthalt in der Schweiz. Innerhalb von 90 Tagen müssen sie ihre Einrichtungen aufgelöst haben. 14.09.Die zweite Konferenz sozialdemokratischer Frauen findet in München statt. Clara Zetkin fordert gesetzliche Maßnahmen zum Schutz der Frauen-, Kinder- und der Heimarbeit sowie das Wahl-, Vereins- und Versammlungsrecht für Frauen. 04.10.In Wiesbaden findet die zweitägige Generalversammlung des Bundes Deutscher Frauenvereine statt, auf der die Delegierten über eine notwendige Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Krankenpflegebereich und über das Sittlichkeitsgesetz beraten. 07.10.Ein internationaler Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels wird in Frankfurt am Main eröffnet. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen wirksame Schutzmaßnahmen für die in Osteuropa lebenden jüdischen Frauen. Dort breitet sich der Mädchenhandel immer weiter aus. 27.10.Die Schauspielerin Sarah Bernhardt (1844-1923) tritt im Schauspielhaus Berlin erstmals in Deutschland auf. 01.11.In einer Petition an den Deutschen Reichstag fordern mehrere Organisationen auf Initiative des Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine mit Minna Cauer an der Spitze größeren gesetzlichen Schutz für das Dienstpersonal gegenüber der Ausbeutung durch die Arbeitgeber. 16.12.Die vom italienischen Parlament eingesetzte Kommission zur Beratung des von der Regierung vorgelegten Familiengesetzentwurfs lehnt das Ehescheidungsgesetz ab. | ||
powered by Wolfsmutter.com
| ||